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01.06.2015

14:49 Uhr

Nach dem BVB

Jürgen Klopp legt eine Pause ein

Der Abschied von Borussia Dortmund nach sieben Jahren echter Liebe fiel schwer. Deshalb verspürt Jürgen Klopp vorerst keine Lust auf einen neuen Job. Nach dem Pokalfinale gab er bekannt, eine Pause einlegen zu wollen.

Jürgen Klopp bei seiner Abschiedsfeier nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale: Er wird ein Sabattical einlegen. Reuters

Zeremonienmeister Klopp

Jürgen Klopp bei seiner Abschiedsfeier nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale: Er wird ein Sabattical einlegen.

DortmundKein Madrid, kein Manchester, kein Liverpool - das Rätselraten um die Zukunft von Jürgen Klopp ist vorerst zu Ende. Kurz nach seinem emotionalen Abschied vom Bundesligisten Borussia Dortmund verspürt der Fußball-Lehrer wenig Lust auf einen Arbeitsplatz-Wechsel und will „bis auf weiteres eine Pause einlegen“.

„Nach sieben intensiven und emotionalen Jahren 'Echter Liebe' halte ich es für sinnvoll, die unzähligen Erinnerungen zu verarbeiten, bevor ich mit meinem Trainerteam frisch und hochmotiviert eine neue Aufgabe übernehme“, erklärte Klopp nach einem Gespräch mit seinem Berater Marc Kosicke.

Seit seiner Rücktrittsankündigung am 15. April war fast täglich über die Zukunft von Klopp spekuliert worden. Renommierte Clubs wie Real Madrid und Manchester City galten als mögliche neue Arbeitgeber. Vor allem in England genießt Klopp hohes Ansehen. Nicht zuletzt deshalb fiel sein Name zuletzt im Zusammenhang mit dem FC Liverpool.

Stimmen zum DFB-Pokalfinale

BVB-Spieler Sebastian Kehl

... über das Pokal-Finale: „Besser hätte ich mein Drehbuch eigentlich nicht schreiben können. Nach dieser verkorksten Saison nochmal die Möglichkeit zu haben, einen Titel zu gewinnen. Das war natürlich ein Riesenstrohhalm, an den ich mich geklammert habe. Nachdem wir in München gewonnen haben und nachdem dieser Wettbewerb so perfekt gelaufen ist für uns, hatte ich gehofft, dass wir uns dieses Glück erarbeitet haben. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Man muss am Ende sagen, dass die Wolfsburger über die 90 Minuten besser waren. Deswegen haben sie es auch verdient. Die Tore sind sehr unglücklich und teilweise aus dem Nichts gefallen. Es ist sehr, sehr bitter, die Karriere mit einer Niederlage zu beenden. Aber so ist das im Fußball. Wenn sich das etwas gelegt hat, werde ich meine Familie in den Arm nehmen. Viele Freunde sind da, und dann werde ich ein bisschen zurückblicken auf eine tolle Karriere.“

VfL-Spieler Kevin De Bruyne

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Junior ist immer bei mir. Er war mein Landsmann, er war ein kleiner Bruder von mir. Du weißt, dass es schnell geht im Leben. Er bleibt immer bei mir im Leben.“

VfL-Keeper Diego Benaglio

...über den Pokal-Sieg: „Im Moment ist es pure Freude, aber irgendwie auch noch unreal. Wir haben uns heute belohnt für eine richtig gute Saison. Wir wollten dieses Spiel für Junior gewinnen, das ist uns gelungen. Deshalb ist es umso schöner. Junior ist nach wie vor Teil dieser Mannschaft, und er wird es auch immer bleiben. Junior wird bei uns immer weiterleben.“

BVB-Trainer Jürgen Klopp

... zum Spiel: „Die Enttäuschung ist riesig, weil die Niederlage unnötig war. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir waren im Spiel. So ist Fußball. In der Halbzeit hatte ich das Gefühl, hier wird heute ein Spektakel draus. Wir drehen das Ding noch. Aber wir waren dran. Hätte, wenn und aber. Nie ist es mehr egal als im Finale.“

... über seinen Abschied von Borussia Dortmund: „Mir geht nicht viel durch den Kopf. Aber der Abschiedsschmerz kommt. Das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, allen Spielern meinen Dank auszudrücken. Es fällt schwer sie loszulassen. Meine Gefühle sind gerade relativ wirr. Das Leben wird weitergehen, aber ich brauche erstmal ein paar Minuten, um das zu verdauen. So haben wir keine Pokal-, sondern eine Abschiedsfeier.“

VfL-Manager Klaus Allofs

... über die Bedeutung des Titels: „Das ist eine Riesenbedeutung. Wenn man sich entwickeln will, dann gehören solche Erfolge, solche Titel auch dazu. Sie haben nach dem schnellen Rückstand toll reagiert. Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es sind super Jungs, super Jungs.“

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Wir haben das heute mit unserem Trikot ausdrücken wollen. Wir wollten das nicht in den Vordergrund stellen, aber zeigen dass er uns die gesamte Rückrunde begleitet hat. Dass alle ihn im Kopf hatten. Der Trainer hat es auch gesagt, dass wir auch für ihn spielen. Ich glaube, dass das auch ein paar Kräfte freigesetzt hat.“

... über die Rolle von Trainer Dieter Hecking: „Er ist ein Baustein dieser Mannschaft. Man hat gesehen, dass die Mannschaft 90 Minuten Gas geben kann, dass sie taktisch immer vorbereitet ist. Das ist die Arbeit von Dieter Hecking.“

VfL-Trainer Dieter Hecking

... über die Bedeutung des Titels:

„Das ist die Krönung einer herausragenden Saison.“

„Ich bin einfach mächtig stolz auf meine Mannschaft heute. Es war das Spiel, was wir erwartet haben. Dortmund mit viel Zug zum Tor, früher Rückstand für uns. Wichtig war, dass Marco Reus das 2:0 nicht macht. Dann wäre es richtig schwer geworden. Mit dem Ausgleich haben wir dann plötzlich den Mut gehabt, waren in den Zweikämpfen aggressiver, bissiger. Von daher war es ein verdienter Sieg heute.“

... über seine Mannschaft: „Sie ist vom ersten Tag an unwahrscheinlich kameradschaftlich miteinander umgegangen, sie haben einen unwahrscheinlichen Teamgeist entwickelt. Diesen Sieg widmen wir natürlich Junior Malanda.“

Klopp hatte in den vergangenen Tagen jedoch stets bestritten, bereits mit anderen Clubs verhandelt zu haben. Seine volle Konzentration galt dem Saisonendspurt in der Bundesliga und dem Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg. Sein Wunsch, sich mit einem weiteren Titel vom Revierclub zu verabschieden, blieb ihm jedoch verwehrt. Das 1:3 am Samstag im Berliner Olympiastadion gegen den deutschen Vizemeister Wolfsburg war die dritte Niederlage der Borussia im vierten Endspiel unter der Regie von Klopp.

An seiner großen Wertschätzung bei den BVB-Fans konnte das jedoch nichts ändern. Schließlich hatte Klopp den noch 2005 von der Insolvenz bedrohten Club in seiner siebenjährigen Amtszeit zu einem unverhofften Höhenflug verholfen. Zwei Meistertitel (2011/2012), ein Pokalsieg (2012) und der Einzug in das Champions-League-Finale (2013) bezeugen die erfolgreiche Arbeit.

Einen besonders intensiven Trennungsschmerz hatte Klopp in der Nacht des Pokalendspiels verspürt: „Das tut extrem weh. Es fällt mir schwer loszulassen.“ Sorgen, dass sich ohne seinen geliebten Fußball eine große Leere breitmachen könnte, hat er nach eigener Aussage jedoch nicht: „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie Leere verspürt. Mein Kopf ist eher immer zu voll.“

Mit dem Entschluss, nicht sofort nach einer neuen Beschäftigung zu suchen, wandelt Klopp auf den Spuren von Thomas Tuchel. Sein Nachfolger beim BVB hatte im Anschluss an seinen Ausstieg beim FSV Mainz ein Sabbatjahr eingelegt. Ob Klopp ebenso lang pausieren will, ließ er jedoch offen.

Tuchel soll in Kürze beim Revierclub offiziell vorgestellt werden. Er tritt angesichts der großen Beliebtheit seines Vorgängers ein schweres Erbe an. „Wir sollten ihm die Rückendeckung geben, die man jemandem geben muss, der in ein solch großes Paar Schuhe schlüpfen muss. Denn die hat Jürgen Klopp zweifellos hinterlassen“, kommentierte Reinhard Rauball. Der BVB-Präsident hofft auf den Beginn einer neuen Erfolgsära: „Ich glaube auch, dass wir wieder stärker werden und in die Richtung marschieren wie in den Meisterjahren.“

Von

dpa

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