Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2015

11:59 Uhr

Nach dem Terror auf Schalke

„Und ich dachte schon an eine Bombendrohung“

VonFranziska Menn

Ein ganz normales Bundesligaspiel…!? Wie der Kick zwischendurch unwichtig wird, die Angst immer wieder auftaucht und am Ende doch besiegt wird. Das Spitzenspiel gegen die Bayern - ein Schalke-Fan berichtet.

Mit starken Botschaften stemmen sich die Schalke-Fans gegen den Terror. AFP

Schalke-Fans gegen den Terror

Mit starken Botschaften stemmen sich die Schalke-Fans gegen den Terror.

Gelsenkirchen13. Spieltag, Topspiel der deutschen Fußball-Bundesliga. Es läuft die Partie FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München. Tabellenführer Bayern ist bereits nach neun Minuten in Führung gegangen, Schalke hat nur acht Minuten später ausgeglichen.

Eine Woche nach den Terroranschlägen von Paris scheint alles wie immer. Es läuft ein ganz normales Bundesligaspiel. Doch plötzlich die 33. Spielminute. Eine Stadion-Durchsage unterbricht die singenden Fans und die gespannt aufs Spielfeld schauenden Zuschauer. Alt Eingesessene, junge Fans, Väter mit ihren Kindern, Paare. Bei allen herrscht Ratlosigkeit. Sorge. Nervosität. Und ein banger Blick Richtung Videowürfel.

Doch kurz darauf löst sich die Anspannung und das Lachen kehrt zurück: Der Schalker Stadionsprecher verkündet so eben, dass ein Zuschauer bitte auf sein Handy schauen und zu Hause anrufen soll. Es sei nichts Schlimmes passiert und er müsse sich keine Sorgen machen, aber er sei so eben Vater eines gesunden Sohnes geworden. Das Stadion tobt und jubelt. Erleichterung ist zu spüren.

Reaktionen der Nationalspieler

Mats Hummels

„Zurück in Deutschland. Unglaublich, was gestern passiert ist. Diese Welt ist jetzt wirklich beschissen. Meine Gedanken sind bei denjenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Ilkay Gündogan

„Wir sind sicher angekommen. Nach einer schockierenden Nacht sind unsere Gedanken bei all den Leuten, die von den Attacken betroffen sind.“

André Schürrle

„Was für eine schreckliche Nacht. Meine Gedanken sind bei den Familien, die ihre Liebsten verloren haben.“

Mario Götze

„Unglaublich - was für eine Tragödie. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Toni Kroos

„Was ist das für eine kranke Welt?“

Antonio Rüdiger

„Wir sind gesund zurück, aber was bleibt, ist ein Schock und die Trauer über all die Opfer und ihre Familien.“

Bernd Leno

„Wir sind daheim gesund angekommen und können nun zu unseren Familien. Meine Gedanken sind aber bei den Opfern und deren Familien.“

Paul Pogba

„Das ist kein Angriff auf Paris, das ist eine weitere Attacke auf die Menschheit. Menschen aus einigen Religionen und Ländern hassen die Freiheit und die Werte des Westens. Sie wollen herkommen, um andere Menschen zu töten. Diese Terroristen werden wir besiegen. Die Kraft der Franzosen und der ganzen Welt muss steigen. Steht auf und sagt nein zu diesen Terroristen und Religionen. Baut keinen Hass auf, seid gute Menschen und verändert die Welt positiv.“

Antoine Griezmann

„In Gedenken an die Opfer der Attacken. Ich danke Gott, dass es meine Schwester rechtzeitig aus dem Bataclan geschafft hat. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Laurent Koscielny

„Keine Worte. So traurig. Beten.“

„Und ich dachte schon jetzt kommt die Durchsage, dass wir das Stadion wegen einer Bombendrohung verlassen müssen“, spricht ein älterer Herr neben mir das aus, was die meisten wohl dachten, aber nicht aussprechen wollten. Kurz darauf gelten die Blicke wieder ausschließlich dem Spielfeld. Bayern lässt den Ball zirkulieren, Schalke geht dazwischen und fährt einen Konter. Die Nordkurve singt, die Menge tobt. Die Normalität ist zurück.

Fußball und Geld: Mythos Schalke 04 – Chaos, Glanz und Leid

Fußball und Geld

Mythos Schalke 04 – Chaos, Glanz und Leid

Neuer Trainer, große Ziele: Deutscher Meister soll Schalke 04 nun endlich werden. Doch auch wenn sie verlieren, werden sie geliebt. Warum der Klub zum Mythos wurde, fast versunken wäre und so gerne scheitert.

Etwa 1 ½ Stunden zuvor komme ich bei der Veltins-Arena an. Der Parkplatz ist gut gefüllt, die Menschenmassen schieben sich in Richtung Stadion. Noch gut eine Stunde bis zum Anpfiff. An den Buden vor dem Stadion wird noch Bier getrunken, die letzten Würstchen werden verdrückt.

Ich erreiche den Eingang Ost 1. An den Drehkreuzen und Einlasskontrollen staut es sich. Die Schlangen sind lang, die Zuschauer stehen mitten auf dem Arena-Vorplatz und warten. Ein großer SUV der Polizei fährt vorbei und hält hinter der Menschenmenge: Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen greifen. „Ich lasse mir doch nicht meine Freude am Fußball nehmen“, sagt jemand in der Reihe hinter mir.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×