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04.06.2013

15:05 Uhr

Nach dem Triple

Wie geht's weiter mit Hoeneß?

VonDésirée Linde

Aus Rücksicht auf den Fußball sollte der Fall Hoeneß ruhen. Nun ist das historische Triple des FC Bayern München perfekt - und es passiert: nichts. Angeblich ist die Entscheidung im FCB-Aufsichtsrat schon gefallen.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird trotz des historischen Erfolgs des FC Bayern nicht aus den Schlagzeilen verschwinden. dpa

Bayern-Präsident Uli Hoeneß wird trotz des historischen Erfolgs des FC Bayern nicht aus den Schlagzeilen verschwinden.

Berlin/DüsseldorfAusgelassen feiern sieht anders aus: Im Anzug statt in Tracht, mit dem Bier im Plastikbecher und einem Lächeln, das – vorsichtig gesagt – verhalten wirkte. Wer wollte, konnte im Gesicht von Uli Hoeneß vielleicht ganz andere Regungen lesen. Reue? Scham? Die Sorge, möglicherweise ins Gefängnis zu gehen?

Klar wurde nach dem Bayern-Triple: Die Steueraffäre hat dem Präsidenten des FC Bayern München, der sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt hatte, massiv zugesetzt. Trimupmgesten hat der Heoneß bei Gewinn von Champions League und Pokal tunlichst vermieden. Die sportlich beste Saison der Bayern könnte die letzte für Hoeneß als deren Präsident gewesen sein. Das war zumindest die gängige Interpretation vor dem Bayern-Erfolg.

„Erst kommt die Champions League, dann der Pokal und dann, erst dann kümmern wir uns um die Causa Hoeneß“ – das war stets die Botschaft aus Vereinsführung und Aufsichtsrat gewesen. Die prominenten Firmenchefs der Großsponsoren von Audi über Adidas und Telekom bis zu VW hatten vor vier Wochen gemeinsam entschieden, Hoeneß im Amt zu halten. Das hatte ihnen öffentlich und von politischer Seite zum Teil harsche Kritik eingebracht.

Uli Hoeneß im Kurzporträt

Geburtstag

5. Januar 1952 in Ulm

Profi-Laufbahn

Mittelfeldspieler, Außenstürmer - FC Bayern München (1970 bis 1978) - 1. FC Nürnberg (1978 bis 1979) - 250 Bundesligaspiele (86 Tore) - 35 Länderspiele (5 Tore)

Spieler-Titel

Europameister 1972, Weltmeister 1974, dreimal Europapokalsieger der Landesmeister 1974 bis 1976, dreimal deutscher Meister, einmal DFB-Pokalsieger, Weltpokalsieger 1976, Olympia-Teilnehmer 1972

Manager

Karriereende wegen chronischer Knieverletzung 1979, danach bis 2009 Manager des FC Bayern

Manager-Titel

Champions-League-Sieger 2001, UEFA-Cup-Sieger 1996, 16 Mal deutscher Meister, neunmal DFB- Pokalsieger, Weltpokalsieger 2001

Präsidenten-Titel

Deutscher Meister 2010 und 2013, DFB-Pokalsieger 2010

Privates

Uli Hoeneß ist verheiratet und hat zwei Kinder

„Vor den wichtigen Endspielen in Champions League und DFB-Pokal wäre es falsch gewesen, noch mehr Unruhe in den Verein hereinzutragen. Wir haben das nach meiner Überzeugung richtig entschieden", sagte VW-Chef Martin Winterkorn dann auch der „Bild am Sonntag“. Er sagte damals aber auch: „Sollte es neue Erkenntnisse geben, werden wir das erneut besprechen." Nun hat es allerdings den Anschein, als wolle man die Sache aussitzen – und Hoeneß im Amt lassen. Denn passiert ist bislang nichts.

Und das wird auch wohl so bleiben. Wie das Handelsblatt aus Kreise der im Aufsichtsrat vertretenen Unternehmen erfuhr, habe sich das Gremium festgelegt. Einen Rücktritt soll es demnach nur dann geben, wenn die Ermittlungen neuen Fakten bringen – etwa eine Anklage oder gar ein Urteil. Hoeneß und seine Unterstützer scheinen die Sache aussitzen zu wollen.

Weder Fans noch Sponsoren rückten in den vergangenen Wochen von ihm ab. Und auch von prominenter Seite erhielt Hoeneß Zuspruch, etwa von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies: „Ich kenne Uli so gut, dass ich weiß, dass er Manns genug sein wird, die Suppe, die er sich eingebrockt hat, auch auszulöffeln“, sagte Tönnies im Interview mit dem „Focus“. Auch Angela Merkel schüttelte ihm beim Pokalfinale die Hand, längst zeigt sich Bayern Ministerpräsident Horst Seehofer wieder mit dem Fußball-Patriarchen in der Öffentlichkeit.

So klingt auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: „Der FC Bayern ist eine Bastion. Uli hat keine einfachen Zeiten hinter sich“, sagte er auf der Pokalfeier. Ganz so, als sei für den Wurstfabrikanten alles schon ausgestanden mit seiner Nachzahlung und dem drohenden Prozess.

Die Steuer-Affäre um Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010

Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012

Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012

Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012

Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

12. Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe.

20. April 2013

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0.

1. Mai 2013

Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Seinen FC Bayern, dessen Spiel er am Abend in Barcelona bejubelt, nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. Frühzeitig verlässt er das nächtliche Bankett.

4. Mai 2013

Hoeneß verzichtet auf einen Besuch des brisanten Bundesliga-Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund. Stattdessen schaut er sich das Playoff-Match seiner Basketballer gegen Alba Berlin an.

6. Mai 2013

In München ist eine Aufsichtsratssitzung des FC Bayern angesetzt. Dort geht es auch um die Zukunft des allmächtigen Vereinspatrons gehen. Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Hoeneß und lässt ihn im Amt – bis möglicherweise neue Erkenntnisse vorliegen.

11. Mai 2013

Die Anwälte von Uli Hoeneß erstellen Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die Schuldigen, die Informationen über die Steuerhinterziehung haben durchsickern lassen, werden auch in der Münchner Staatsanwaltschaft gesucht.

1. Juni 2013

Mit dem Sieg im DFB-Pokal holt sich der FC Bayern endlich das ersehnte Triple. Hoeneß ist auf der Tribüne mit dabei und wirkt angespannt. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören.

13. Juli 2013

Der SPIEGEL meldet, dass Uli Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann. Die meisten der Straftaten seien nämlich mittlerweile verjährt.

Immerhin war die Sache für die Bayern-Fans am Samstag klar: Kurz nach dem zweiten Treffer von Stürmer Mario Gomez gegen den VfB Stuttgart im Pokalendspiel dankte die Kurve gesanglich zunächst Trainer Jupp Heynckes („Jupp, Jupp, Jupp!“), um danach überraschend deutlich dem umstrittenen Hoeneß den Rücken zu stärken.

„Uli Hoeneß, du bist der beste Mann“, sang die eine Hälfte des mit gut 75.000 Zuschauern gefüllten Berliner Olympiastadions. „Und ich habe in Ulis Gesicht geschaut und gespürt, wie stolz er ist“, kommentierte Rummenigge die Szene im Anschluss. Die andere Hälfte der Fans im Stadion hatte auf die Hoeneß-Lobgesänge allerdings mit einem gellendem Pfeifkonzert geantwortet.

Kommentare (69)

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Account gelöscht!

03.06.2013, 11:58 Uhr

es geht ganz normal weiter..

Battistuta

03.06.2013, 12:04 Uhr

Ein Steuerhinterzieher ist mir allemal lieber, als ein Steurgeldverschwender.

www_wissensmanufaktur_net

03.06.2013, 12:08 Uhr

"Wie geht's weiter mit Hoeneß?"

Welche Macht haben die Medien oder besser Medienmacher???

Jeder der nicht systemkonform pariert wird medial diskreditiert!!!


Herr Wulff weil er den ESM ( Deutsche Steuergelder für die Zinszahlungen der EU-Südländer an die Bankster ) nicht unterschreiben wollte.

Herr Hoeneß weil er die Steuern ( Zinsen ) nicht an die Regierung/Bankster zahlen will.

Im Grunde sind alle Regierungen nur Zinseintreiber für die privaten Bankenkartelle!!!


Der zweitgrößte Ausgabenposten im Bundeshaushalt ist Zinszahlungen!!!
( Und der wird jedes Jahr größer wegen dem Zinseszins )


Das verzinste Schuldgeldsystem ist ein Schneeballsystem!

Die Regierungen müssen immer mehr "Steuern" eintreiben um die Zinsen zu zahlen!!

Bsp. EU-Südländer:

Die Südländer können die Zinsen nicht mehr aufbringen
und sollen dank Euro-Bond von den Deutschen ( Steuern ) gezahlt werden.

Das ist aber keine Lösung sonder nur ein Zeitgewinn bis die Deutschen die wachsende Zinslast
nicht mehr tragen können, dann platzt das verzinste Schuldgeldsystem!

Jeder der in diesem menschenverachtendem System keine Steuern/Zinsen zahlt ist ein Held auch Herr Hoeneß!!!

Warum erfahren wir in den Mainstreammedien nie etwas über das Schuldgeldsystem?

Wer steht hinter den Mainstreammedien?

Die internationalen Bankster???

Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

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