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22.03.2016

18:47 Uhr

Nach den Anschlägen in Brüssel

DFB sieht keine erhöhte Gefahr für Länderspiele

Die Anschläge in Brüssel stellen die sportlichen Brennpunkte in den Hintergrund. Das Thema Sicherheit wird kurz vor der EM wieder präsenter, der DFB sieht aber keine erhöhte Gefahrenlage für die anstehenden Länderspiele.

Die Erinnerungen an das von Anschlägen mit 130 Toten überschattete Länderspiel am 13. November in Frankreich kam angesichts der Anschläge in Brüssel wieder hoch. AFP; Files; Francois Guillot

Vor dem Stade du France

Die Erinnerungen an das von Anschlägen mit 130 Toten überschattete Länderspiel am 13. November in Frankreich kam angesichts der Anschläge in Brüssel wieder hoch.

BerlinDie Ängste sind zurück, die Vorfreude der deutschen Fußball-Weltmeister auf die Länderspiel-Klassiker gegen England und Italien ist gleich zum Start der Vorbereitung getrübt worden. Die Terroranschläge in Brüssel riefen bei Bundestrainer Joachim Löw und den Spielern am Dienstag bei der Zusammenkunft in Berlin die schlimmen Erinnerungen an die eigene Schreckensnacht beim Länderspiel im vergangenen November in Paris gegen EM-Gastgeber Frankreich wach.

Der Deutsche Fußball-Bund sieht trotz der Terroranschläge von Brüssel momentan keine erhöhte Gefahrenlage für die beiden anstehenden Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft in Berlin und München. Zum aktuellen Zeitpunkt lägen „keine konkreten Erkenntnisse für eine Gefährdung der beiden Partien vor“, teilte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert am Dienstag mit.

+++ Liveblog zu Anschlägen in Brüssel +++ : Polizei fahndet nach einem der Attentäter

+++ Liveblog zu Anschlägen in Brüssel +++

Polizei fahndet nach einem der Attentäter

Der IS hat sich zu den Terroranschlägen in Brüssel bekannt. Dabei sind am Dienstagmorgen mindestens 30 Menschen gestorben. Die belgischen Ermittler sind einem der Terroristen auf der Spur. Die Ereignisse im Liveblog.

Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden seien die Sicherheitskonzepte für die Spiele am Samstag in der Hauptstadt gegen England sowie drei Tage später in München gegen Italien nochmals überprüft worden. Einzelne Maßnahmen wurden angepasst, sagte Große Lefert, ohne auf die Details einzugehen. „Es gehört aber auch zu einer realistischen Betrachtung, dass im öffentlichen Raum niemand eine hundertprozentige Sicherheit garantieren kann“, kommentierte er.

Das Terror-Thema beeinträchtigt wieder die Konzentration auf die wichtigen Testspiele am Ostersamstag gegen England sowie drei Tage später in München gegen Italien, auch wenn die Sicherheitslage an den heimischen Spielorten aktuell nicht als bedrohlich eingestuft wird.

„Wir gehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass es irgendwelche Auswirkungen auf die Spiele haben wird“, sagte Löws Assistent Thomas Schneider zu den Anschlägen mit zahlreichen Toten in Belgien: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen.“

Die Anschläge in Brüssel: Was wir wissen – und was nicht

Was genau ist passiert?

Die Terrorserie begann gegen 08.00 Uhr morgens auf dem Brüsseler Flughafen. In der Abflughalle gab es in kurzer Folge zwei Explosionen – vermutlich gab zwei Selbstmord-Attentäter. Ein dritter Verdächtiger soll kehrtgemacht haben und ist zur Fahndung ausgeschrieben. Die Täter sollen drei Bomben in Koffern zum Flughafen gebracht haben. Erste Bilanz: mindestens 14 Tote, mindestens 100 Verletzte. Kurz darauf, um 09:11 Uhr, gab es in der Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel einen weiteren Anschlag mit mindestens 20 Toten und 130 Verletzten. Unklar ist, ob es sich bei dem Anschlag in der Metro um ein Selbstmordattentat handelte oder um eine Bombenexplosion mit Zeitzünder. Stundenlang gab es immer wieder Gerüchte über weitere Anschläge an anderen Orten - glücklicherweise alles Fehlanzeige.

Wie reagieren die belgischen Behörden?

Für das ganze Land gilt die höchste Terrorwarnstufe - zum ersten Mal seit November 2015. Der Flughafen Brüssel wurde von Polizisten und Soldaten sofort geräumt und dann geschlossen. In der Hauptstadt standen alle U-Bahnen, alle Straßenbahnen, alle Busse still. Die Hochgeschwindigkeitszüge in Richtung Köln, Paris und London fuhren ebenfalls nicht mehr. Auch die Sicherheitsmaßnahmen für Belgiens beide Atomkraftwerke wurden verstärkt. Das belgische Krisenzentrum empfahl allen: „Bleiben Sie, wo sie gerade sind!“ Erst um 16.30 Uhr gibt es Entwarnung.

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Hinter den Bombenanschlägen in Brüssel steckt laut einer islamistischen Website die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS). IS-Kämpfer hätten die Taten am Dienstag mit Sprengstoffgürteln und anderen Mitteln begangen, berichtete die dem IS nahestehende Online-Nachrichtenagentur Aamak am späten Nachmittag. In Belgien lief die Suche nach potenziellen Tätern und Hintermännern. Zur Fahndung wurde am Dienstagabend ein junger Mann ausgeschrieben, den eine Überwachungskamera auf dem Flughafen Zaventem aufgenommen hatte. Bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek wurden am Abend in einer Wohnung eine Nagelbombe und eine Fahne der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) entdeckt. Erst am Freitag war in Brüssel einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom November in Paris festgenommen worden, der 26 Jahre alte Salah Abdeslam. Experten rechneten seither mit Vergeltungsaktionen. Ob tatsächlich die Terrorzelle um Abdeslam hinter den Anschlägen in Brüssel steckt, ist noch nicht bekannt „Für den Augenblick ist es nicht möglich, eine formale Verbindung zu den Anschlägen von Paris herzustellen“, sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz.

Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Nach den Terroranschlägen wurden die Kontrollen an Deutschlands Grenzen zu Belgien und Frankreich gleich wieder verschärft. Auch an den großen Flughäfen und Bahnhöfen wurden die Sicherheitsmaßnahmen wieder in die Höhe gefahren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in Berlin, es gebe bislang keine Hinweise auf einen „Deutschland-Bezug“ der Täter. Und fügte hinzu: „Klar ist, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus lange dauert.“

Sind Deutsche unter den Opfern?

Unter den Verletzten ist auch mindestens eine Deutsche. Die Frau erleidet eine leichte Rauchvergiftung. Hinweise auf deutsche Todesopfer gibt es zunächst nicht.

Warum immer wieder Brüssel?

Die belgische Hauptstadt gilt als Zentrum des islamistischen Terrorismus in Europa. Vor allem der Stadtteil Molenbeek mit seinen vielen Einwanderern aus der arabischen Welt hat einen schlechten Ruf. Von dort kamen außer Abdelslam auch andere Islamisten, die an Terrorabschlägen beteiligt waren. Bereits eine Woche nach den Anschlägen in Paris hatte es konkrete Gefahrenhinweise für die Region Brüssel gegeben. Das öffentliche Leben kam damals für fünf Tage zum Erliegen, ohne dass etwas geschah. Belgien beteiligt sich mit Kampfjets an Einsätzen gegen den IS, der in Syrien und im Irak großen Landesteile kontrolliert. Brüssel ist Sitz der EU und des Nato-Hauptquartiers.

Das Gefühl der Unsicherheit ist kurz vor dem EM-Turnier zurück. „Ich glaube, jeder Mensch hat Angst“, sagte Weltmeister Shkodran Mustafi, ohne die Situation dramatisieren zu wollen: „Man muss lernen, mit dieser Angst umzugehen.“ Lukas Podolski, der sich gerade erst an seinem aktuellen Wohnort Istanbul mit Bombenanschlägen und einer Spielabsage seines Vereins Galatasaray konfrontiert sah, bemerkte zur allgegenwärtigen Terrorgefahr in weiten Teilen Europas: „Man kann sich nicht verstecken, man kann nicht sein ganzes Leben ändern.“

„Die Sicherheitsmaßnahmen sind auch für die Mannschaft hochgefahren worden“, berichtete Schneider. Sichtbar wurde das am Teamhotel durch eine auffällig erhöhte Polizeipräsenz. Das Trainerteam um Löw hatte die verheerenden Nachrichten aus Brüssel mitten in der Vorbereitung der Trainingseinheiten ereilt.

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