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25.04.2013

13:06 Uhr

Nach der Champions League

Neuer Tiefschlag für das stolze Spanien

VonAnne Grüttner

Hohe Arbeitslosigkeit und die Finanzkrise drücken auf die Stimmung der Spanier. Doch an den Fußballfesten von Madrid und Barcelona konnten sich die Nation immer aufrichten – bis zum Halbfinale gegen die Deutschen.

Die spanischen Fans sind von der Niederlage gegen Dortmund geschockt. dpa

Die spanischen Fans sind von der Niederlage gegen Dortmund geschockt.

Lange Gesichter, wo man auch hinschaut an diesem kühlen, aber sonnigen Frühlingsmorgen in Madrid. Der Morgen nach der Niederlage in Dortmund ist hart, es war eine niederschmetternde Niederlage. Die Stars von Real Madrid – Ronaldo, Xabi, Özil – fanden kein Zusammenspiel, keine Taktik, ohnmächtig mussten sie zusehen, wie Lewandowski in der zweiten Halbzeit drei Tore schoss und das kaum noch wieder wettzumachende 4:1 für Dortmund besiegelte. „Ich kann mir nicht erklären wie sie uns so schnell drei Tore reinlegen konnten“, sagt der fassungslose Torhüter Diego Lopez nach dem Spiel.

Die spanischen Fußballfans hatten schon am Dienstag gesehen, wie ihr von vielen als bester Fußballklub der Welt bezeichneter FC Barcelona gegen Bayern scheiterte. Auch der zuvor für unschlagbar gehaltene Messi geisterte als Schatten seiner selbst 90 Minuten durchs Spiel.

27,2 Prozent: Rekord-Arbeitslosigkeit schockiert Spanien

27,2 Prozent

Rekord-Arbeitslosigkeit schockiert Spanien

Das Drama der Arbeitslosigkeit in Spanien wird immer schlimmer. Nach der Bekanntgabe der neuesten Zahlen gab es am Donnerstag viel Kritik – vor allem an der Regierung Rajoy. Auch in Brüssel läuteten die Alarmglocken.

Es ist keine gute Woche für Spanien, es ist keine gute Zeit für das Land. An diesem Donnerstag meldet das Statistikamt INE, dass im März erstmals die Zahl von sechs Millionen Arbeitslosen überschritten wurde. Die Banken melden Gewinneinbrüche und geben immer noch keine Kredite. Der IWF prognostizierte kürzlich, Spanien werde vielleicht erst 2018 aus der Krise kommen. Die EU-Kommission mahnt zu weiteren Liberalisierungen im Arbeitsrecht und Kürzungen bei den Renten. Der Fußball hätte ein ersehnter Lichtblick sein können. Doch es kam ganz anders.

Die sonst so arroganten „Königlichen“ übten sich nach dem Spiel in ungewohnter Selbstkritik. „Es hat uns an Haltung gefehlt, an Intensität, Aggressivität, an Spielrhythmus“, sagt ein deprimierter Sergio Ramos. „Noch haben wir 90 Minuten, aber es wird schwierig gegen die Deutschen ein 3:0 zu schaffen.“

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die Doppelniederlage gegen Borussia und Bayern dürfte auch die Stimmung gegen Deutschland weiter anheizen, auch wenn sich die Medien mit Attacken vornehm zurückhielten. Doch schon seit einiger Zeit ist viel von „Germanophobie“ zu hören in Spanien. Viele sehen in Angela Merkel, der „neuen Eisernen Lady Europas“, wie es in Spanien heißt, die Hauptschuldige am harten Sparkurs in Spanien, der die Rezession und die Arbeitslosigkeit zusätzlich verschärfte.

Am Donnerstag steht aber in Spaniens Hauptstadt vor allem Trauerarbeit und Resignation auf dem Tagesplan. Nur Torwart Diego Lopez gab sich etwas kampfbereiter: „Wir werden leiden müssen, aber dieser Klub hat sich noch nie in seiner Geschichte ergeben, und am wenigsten im eigenen Stadium.“

Kommentare (2)

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25.04.2013, 14:53 Uhr

Nicht jedem wird dieser Artikel 100% behagen, war es doch eine gesamtheitliche Betrachtung eines Sportereignisses mit Bezug auf die Wirtschaft, doch ich finde ihn gut!

Leser

25.04.2013, 14:56 Uhr

"...noch nie im eigenen Stadium". Schööööön! Es lohnt sich also doch, einen Deutschkurs in das eigene Wochenprogramm zu intrigieren...

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