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07.01.2009

12:11 Uhr

Nach der Finanzkrise

Premier League übt sich in Bescheidenheit

Roman Abramowitsch muss sparen. Rund 14 Milliarden Euro hat der russische Mulitmilliardär durch die Finanzkrise verloren. Das bekommt auch sein Club Chelsea London zu spüren. 15 Talentscouts wurden entlassen, maximal ein neuer Spieler soll im Winter kommen. In der englischen Premier League ist ungewohnte Bescheidenheit eingekehrt.

Das Chelsea-Team um Superstar Didier Drogba wird vorerst nicht erweitert. Foto: AP ap

Das Chelsea-Team um Superstar Didier Drogba wird vorerst nicht erweitert. Foto: AP

DÜSSELDORF. Ungewohnt zurückhaltend zeigen sich die englischen Fußballklubs während der aktuellen Transferperiode. Gaben die Vereine der Premier League im vergangenen Jahr noch die Rekordsumme von umgerechnet 240 Mio. Euro aus, so üben sie sich nun in Bescheidenheit.

Der russische Ölmilliardär Roman Abramowitsch, Eigentümer des Chelsea FC, hat nach Angaben der russischen Zeitung „Iswestija“ im Zuge der Finanzkrise rund 14 Mrd. Euro verloren. Sein Verein muss nun sparen. Erstes Indiz: Der Vizemeister soll ohne Neuzugang im Januar auskommen. „Es ist eine schwierigere Zeit für Chelsea“, klagt Trainer Luiz Felipe Scolari: „Wenn sich keiner mehr verletzt, dann werden sie wohl höchstens noch einen Neuen holen, denn ich brauche ja einen neuen Spieler. Einen Stürmer.“

Auch Manchester United spart. Der englische Meister verpflichtete als einzigen neuen Spieler für die restliche Saison den 21-jährigen Serben Zoran Tosic. „Das war es erstmal mit unseren Neuzugängen. In diesem Monat werden wir definitiv nicht mehr aktiv“, erklärte ManU-Team-Manager Alex Ferguson.

Auch Tabellenführer Liverpool steht finanziell unter Druck: Die Royal Bank of Scotland and Wachovia hat dem Verein gerade einen halbjährigen Aufschub eingeräumt, um einen umgerechnet 370 Mio. Euro schweren Kredit zurückzuzahlen.

Bayern-Präsident Franz Beckenbauer sieht die schwierige Situation als Chance für eine Normalisierung der Marktpreise. „Gott sei Dank trägt die allgemeine Finanzkrise als Nebeneffekt dazu bei, dass die absurde Preistreiberei in Europa aufhört. 20 oder mehr Millionen Euro für Durchschnitts-Spieler? Das war Wahnsinn und wird sich hoffentlich ändern“, sagte Beckenbauer in „Bild“.

Bayern-Coach Jürgen Klinsmann ergänzt: „Es wird spannend sein zu verfolgen, was bei den großen Klubs passiert, wenn die Investoren nicht mehr das nötige Kleingeld haben.“ Neun der 20 Premier-League-Klubs sind im Besitz ausländischer Investoren. Vor allem West Ham United droht Ungemach, weil der Verein in isländischer Hand ist. In Island hat die Finanzkrise zum Staatsbankrott geführt. „Hammers“-Besitzer Björgolfur Gudmundsson ist davon direkt betroffen und muss den Klub so schnell wie möglich verkaufen.

Chelsea-Besitzer Abramowitsch, der seit der Übernahme des FC Chelsea vor fünfeinhalb Jahren rund 500 Mio. Euro in die „Blues“ investiert haben soll, hat bereits reagiert. Im November hat er 15 der 25 Talentspäher entlassen, darunter den ehemaligen deutschen Nationalspieler Rainer Bonhof, der in Deutschland und Österreich Talente für Chelsea gesucht hatte.

Ganz auf Transfers verzichten die Verantwortlichen der Premier League freilich nicht. So wechselte der englische Nationalspieler Jermain Defoe gerade für umgerechnet 16,5 Mio. Euro von Portsmouth zu den Tottenham Hotspurs. Die Hälfte des Geldes hatte Tottenham jedoch vor gut einem Jahr mit dem selben Spieler verdient – damals wurde er an Portsmouth verkauft.

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