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19.12.2014

14:00 Uhr

Nach internationaler Kritik an Fifa

Exekutivkomitee will Garcia-Report veröffentlichen

Quelle:SID

Die Fifa hat sich für die Publikation des hochbrisanten Garcia-Reports ausgesprochen. Damit dürfte die Diskussion um die Vergabe der Fußballweltmeisterschaften nach Russland und Katar noch einmal neuen Schwung bekommen.

Er hat es faustdick hinter den Ohren, das glauben zumindest einige Beobachter: Fifa-Präsident Sepp Blatter. dpa

Er hat es faustdick hinter den Ohren, das glauben zumindest einige Beobachter: Fifa-Präsident Sepp Blatter.

MarrakeschDas Fifa-Exekutivkomitee hat sich für die Veröffentlichung des hochbrisanten Garcia-Reports ausgesprochen. Das ergab die Komitee-Sitzung am Freitag in Marrakesch. Gleichzeitig wurde ein zweites Gutachten vorgelegt, das bekräftigt, dass die Vergabe an die beiden WM-Gastgeber Russland 2018 und Katar 2022 nicht neu verhandelt werden muss.

Die Länder werden auch in einer zweiten Analyse zum Garcia-Report, der nun öffentlich gemacht werden soll, von schwerwiegenden Korruptionsvorwürfen freigesprochen, wie der Fußball-Weltverband mitteilte. Die erneute Prüfung der Arbeit des inzwischen zurückgetretenen Chefermittlers Michael Garcia hatte der Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission, Domenico Scala, in Auftrag gegeben. Dem Wüstenemirat stellte die FIFA laut der Zeitung „Die Welt“ aber ein Ultimatum zur Verbesserung der Menschenrechte. Bis zum 15. März müsse eine unabhängige Prüfungskommission eingerichtet werden. Aber: „Es bräuchte ein Erdbeben, wirkliche neue Erkenntnisse. Es gibt im Moment absolut keinen Grund, unsere Entscheidung für Katar zu überdenken“, sagte Blatter.

Dem Gutachten zufolge erreichten die „bislang festgestellten Unregelmäßigkeiten klarerweise nicht ein Ausmaß, das geeignet ist, die fraglichen Vergabeverfahren insgesamt als in erheblichem Ausmaß gesetzes- oder statutenwidrig zu qualifizieren“.

Fußball-WM 2022: Katar und seine Probleme

Das Problem

Fünf Millionen Dollar. Das ist die Summe, die der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohammed bin Hammam eines Berichts der britischen Zeitung „Sunday Times“ zufolge an Schmiergeldern an Offizielle des Fußball-Weltverbandes gezahlt haben soll.

Der Ermittler

Belege für den Stimmenkauf - teilweise schon ein Jahr vor dem Zuschlag für Katar im Dezember 2010 - sollen von der Zeitung an FIFA-Chefermittler Michael Garcia gehen. Der frühere FBI-Direktor untersucht die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Der Bericht

Seine Untersuchungen will er bis zum 9. Juni abgeschlossen haben. Sein ursprünglich für September 2013 vorgesehener Bericht soll dann sechs Wochen später fertig sein. Garcia bereist alle Kandidatenländer und wurde zuletzt unabhängig von den neuen Enthüllungen zu Gesprächen mit den Katarern in Oman erwartet.

Im Visier

Als FIFA-Vize und Mitglied des Exekutive gehörte der Katarer Mohammed bin Hammam zum engsten Machtzirkel des Fußball-Weltverbandes. Die Aussage des WM-Komitees, bin Hammam stünde in keiner offiziellen oder inoffiziellen Verbindung zu Katars WM-Bewerbung, ist absurd. Selber abstimmen durfte er bei der Vergabe 2010 zwar nicht, der heute 65-Jährige war aber maßgeblicher Strippenzieher.

Zweifelhafte Karriere

Als Beauftragter für das FIFA-Entwicklungsprogramm Goal verteilte er gerade in armen Ländern immer wieder legale Finanzspritzen des Weltverbandes. Gestürzt wurde bin Hammam 2011 über Bestechungsvorwürfe im Rahmen seiner Kandidatur als FIFA-Präsident gegen Amtsinhaber Joseph Blatter. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob eine lebenslange Sperre auf, später wurde bin Hammam wegen Verfehlungen in seiner Zeit als Chef der asiatischen Föderation erneut von der FIFA mit einem Bann belegt.

Ein Schatten auf der WM

Die neue Vorwürfe kommen für die FIFA zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie werden mit Sicherheit den Kongress der 209 Mitgliedsverbände am 10. und 11. Juni kurz vor dem Eröffnungsspiel in Sao Paulo beschäftigen. Auf der offiziellen Tagesordnung gibt es aber keinen Programmpunkt Katar. Blatter will den Kongress nutzen, um sich als Präsidentschaftskandidat küren zu lassen.

Dauer-Debatte

Das Turnier am Zuckerhut selbst wird durch die Dauer-Debatte um Katar wohl keine Kratzer abbekommen. Die Erfahrung zeigt: Wenn der Ball einmal rollt, rückt der Sport in den Fokus und hohe Wellen schlägt das Thema hauptsächlich in England, Australien und Japan, die alle in den jüngsten WM-Vergaben unterlegen waren, und Deutschland.

Dilemma

Prinzipiell kann die FIFA die Austragungsrechte wieder aberkennen. Zuständig wäre der Kongress als höchste Instanz. Allerdings müssten zunächst Beweise für klare Verstöße gegen die Bewerbungsrichtlinien vorliegen. Und Katar bliebe der Rechtsweg offen. Ein juristischer Streit könnte für die FIFA lang und sehr, sehr teuer werden.

Neue Ausschreibung

Lieber heute als morgen hätte FIFA-Präsident Joseph Blatter das Problem vom Tisch. Doch eine endgültige Lösung ist nicht in Sicht. Legt der Garcia-Bericht eine Neu-Ausschreibung nahe, ist mit einem Gang durch alle Instanzen der Sport- und Zivilgerichtsbarkeit zu rechnen. Bleiben die Vorwürfe ohne Beleg und Konsequenz wird ohnehin weiter über die Katar-WM debattiert werden.

Menschenrechte

Mit Argusaugen beobachten Menschenrechtsorganisationen die umstrittenen Arbeitsbedingungen für Bau- und Gastarbeiter am Golf. Und: Noch ist nicht geklärt, wie die FIFA den durch die extreme Hitze notwendigen Winter-Termin gegen den Widerstand der Top-Ligen in Europa durchsetzen kann.

Der frühere US-Bundesanwalt und inzwischen zurückgetretene Chefermittler Michael Garcia hatte in den vergangenen beiden Jahren die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar untersucht. Öffentlich geworden war bislang nur die stark verkürzte und weltweit kritisierte Auswertung des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert (München).

Jetzt soll zumindest in Teilen der 430-Seiten-Bericht Garcias an die Öffentlichkeit gelangen. Welche Abschnitte vor allem des Zeugenschutzes wegen „geschwärzt“ werden müssen, soll die Ethikkommission in den kommenden Wochen entscheiden.

Die tiefe Krise im Fußball-Weltverband sorgt auch in der Bundesliga für Kopfschütteln. „Es versteht kein Mensch mehr, was bei der Fifa derzeit los ist“, sagte Bayern Münchens Präsident Karl Hopfner dem Münchner Merkur (Samstags-Ausgabe): „Eigentlich sollte doch die oberste Institution den Fußball schützen. Aber im Moment geht es genau in die andere Richtung. Das derzeitige Image der Fifa ist schädlich, ich habe kein Verständnis mehr dafür.“

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