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16.03.2016

18:44 Uhr

Nach Kritik wegen WM-Skandal

Franz Beckenbauer beendet Zusammenarbeit mit Sky

Franz Beckenbauer wird künftig nicht mehr für den TV-Sender Sky Fußballspiele erklären. Das zuletzt umstrittene Fußball-Idol löst seinen Vertrag auf. Er war wegen der WM-Affäre beim DFB ins Zwielicht geraten.

Neben dem Wirbel um den WM-Skandal nannte Sky auch einen „schweren privaten Schicksalsschlag“ als Grund für Beckenbauers Rückzug. AP

Franz Beckenbauer

Neben dem Wirbel um den WM-Skandal nannte Sky auch einen „schweren privaten Schicksalsschlag“ als Grund für Beckenbauers Rückzug.

MünchenNach heftiger Kritik an seiner Rolle im WM-Skandal beendet Franz Beckenbauer seine Arbeit als Fußball-Experte für den TV-Sender Sky. Der 70-Jährige habe gebeten, die Zusammenarbeit „auf unbestimmte Zeit nicht fortzuführen“, teilte Sky am Mittwochabend kurz vor dem Champions-League-Achtelfinalrückspiel des FC Bayern gegen Juventus Turin mit. Der Einsatz bei der Partie in München sollte Beckenbauers letzter TV-Auftritt für den Sender sein, hieß es.

Insgesamt hatte der Weltmeister von 1974 rund 25 Jahre für das Bezahlfernsehen gearbeitet. „Ich bin jetzt 70 Jahre alt, stehe seit über 50 Jahren in der Öffentlichkeit und bin für den Fußball - ob als Spieler, Trainer oder Funktionär - zig Mal um die Welt gereist. Nach so langer Zeit möchte ich mir eine Pause gönnen“, wurde Beckenbauer zitiert.

Zuletzt war er wegen seiner Verwicklung in die Sommermärchen-Affäre beim Deutschen Fußball-Bund ins Zwielicht geraten. So hatte Beckenbauer vor der Vergabe der WM 2006 an Deutschland einen dubiosen Vertrag mit dem korrupten Weltverbands-Vizepräsidenten Jack Warner unterzeichnet. Zudem lief eine verdächtige Millionen-Zahlung im Jahr 2002, die letztlich in Katar landete, über eines seiner Konten.

Franz Beckenbauer in der DFB-Affäre um die WM 2006

Schweigsam

Seit dem Auftauchen der Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-WM 2006 ist nicht viel von Franz Beckenbauer zu hören. Der sonst so redselige „Kaiser“ hält sich vorwiegend bedeckt und meldete sich lediglich mit drei knappen Mitteilungen über sein Management zu Wort. Die bisherigen schriftlichen Statements des früheren Weltmeisters:

Sonntag, 18. Oktober

„Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

Donnerstag, 22. Oktober

„Franz Beckenbauer wird sich bis auf Weiteres nicht öffentlich äußern. Er wird zunächst der Bitte der externen Untersuchungskommission des DFB entsprechen und diesem Gremium Rede und Antwort stehen.“

Montag, 26. Oktober

„Ich habe mich bereits vergangenen Donnerstag gegenüber der externen Untersuchungskommission des DFB bereit erklärt, Rede und Antwort zu stehen. Heute gab es diese Anhörung in München, bei der ich sämtliche Fragen der Kommission beantwortet habe.

Erste Klarstellung

„Es ist mir wichtig, folgendes klarzustellen:
1. Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen.“

Zweite Klarstellung

„2. Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung.“

Seitenhieb

„Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern. Damit entspreche ich auch einer Bitte der externen Untersuchungskommission.“

Neben dem Wirbel um den WM-Skandal nannte Sky auch einen „schweren privaten Schicksalsschlag“ als Grund für Beckenbauers Rückzug. Sein Sohn Stephan war im Vorjahr nach langer Krankheit gestorben. „Wir respektieren diesen Wunsch von Franz Beckenbauer und nehmen ihn mit Bedauern zur Kenntnis“, sagte Sender-Chef Carsten Schmidt laut der Mitteilung.

Beckenbauers Abschied von Sky bedeutet für den Sender den zweiten Verlust einer prägenden Figur seiner Fußball-Berichterstattung innerhalb kurzer Zeit. Marcel Reif, der bekannteste Kommentator von Sky, hatte im Januar angekündigt, nach dem Ende der Bundesliga-Saison im Mai aufhören zu wollen.

Von

dpa

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