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27.01.2010

17:17 Uhr

Nach Rekordumsatz 2008/09

Bundesliga rechnet mit einem Dämpfer

VonStefan Merx

Die Fußball-Saison 2008/2009 hat der Deutsche Fußball Liga (DFL) noch steigende Erlöse beschert. Doch jetzt brechen harte Zeiten an.

DFL-Chef Christian Seifert: "Es wird schwer werden, die Erfolgsstory bei der erreichten Flughöhe weiterzuschreiben." Reuters

DFL-Chef Christian Seifert: "Es wird schwer werden, die Erfolgsstory bei der erreichten Flughöhe weiterzuschreiben."

FRANKFURT. Die DFL legte am Mittwoch für die Saison 2008/2009 eine Rekordbilanz vor. Der Umsatz der 36 Erst- und Zweitligaklubs stieg um 5,3 Prozent auf 2,03 Mrd. Euro. "Es war finanziell das beste Jahr, das es je gab", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. "Es wird schwer werden, die Erfolgsstory bei der erreichten Flughöhe weiterzuschreiben."

Ein Dämpfer droht: Erst in der laufenden Saison werde sich der volle Effekt der Wirtschaftskrise zeigen. Seifert erwartet jedoch "keinen dramatischen Einbruch". Profitabel war das Geschäft nur in der ersten Liga: Hier betrug das Ergebnis nach Steuern 31 Mio. Euro, während die 18 Zweitligisten 19,7 Mio. Euro Miese einfuhren. Es trennt sich die Spreu vom Weizen: Ein positives Ergebnis wiesen nur elf Erstligisten und fünf Vereine der zweiten Liga aus. Zwei Jahre zuvor schrieben noch alle 18 Erstligisten schwarze Zahlen und immerhin zwölf Zweitligisten.

Dennoch sieht Seifert den deutschen Lizenzfußball in "robuster Verfassung", während andere europäische Top-Ligen mit erdrückenden Schulden kämpfen. Ein Grund für den Optimismus: Die Erlöse stammen im Wesentlichen aus drei ähnlich starken Quellen, die jeweils auf Rekordniveau sprudelten - den TV-Geldern (594 Mio. Euro), Werbung (573) und Spieltagseinnahmen (425). "Unser Drei-Säulen-Modell mag wenig glamourös sein, aber es macht uns einigermaßen krisenresistent", sagte Seifert. "Die englische Premier League erzielt eine Milliarde mehr Umsatz als wir, muss aber drei Milliarden Schulden aufnehmen, um über die Runden zu kommen. Das Spiel wird nicht auf der Habenseite, sondern auf der Sollseite entschieden."

Die vorgelegten Zahlen wertet Arnd Hovemann, Sportexperte der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young, als Indiz für "das vernünftige Wirtschaften der Klubs, obwohl vorrangiges Ziel nicht die Maximierung des Gewinns, sondern des sportlichen Erfolgs ist". Hier zeigten sich die Bundesligamanager vorsichtiger als ihre Kollegen in anderen europäischen Ligen. Zwar werde die Krise nicht spurlos an den Vereinen vorbeigehen. "Der Profifußball wird aber weniger stark betroffen sein als kleinere Sportarten oder der gesamte Werbemarkt", sagt Hovemann.

Trotz der guten Rahmenbedingungen stiegen auch bei den deutschen Profiklubs die Schulden deutlich an: Mehr als 610 Mio. Euro an Verbindlichkeiten hatten die Erstligisten Ende Juni 2009. Den höchsten Schuldenstand seit Jahren erklären die Ligaverantwortlichen auch mit Investitionen in Spielerkader. Für Transfers gaben die Klubs rund 250 Mio. Euro aus - ein Drittel mehr als vor Jahresfrist. "Diese Investitionen liegen im Ermessen der Klubs, aber bei einer Lohnkostenquote von nur 40 Prozent geschieht das noch mit Augenmaß", sagt Seifert.

Das Interesse am Bundesliga-Kick jedenfalls ist ungebrochen: 42 000 Zuschauer besuchen im Schnitt ein Erstligaspiel, hinzu kommen 13,6 Millionen Fans jeWochenende am Bildschirm. "Bei 92 Prozent Stadionauslastung sind die Spieltagseinnahmen kaum noch zu steigern, wenn man wie wir moderate Ticketpreise bevorzugt", sagt Seifert. Potenzial sieht er beim Pay-TV und dem Rechteverkauf an neue Medien. "Auch Google, Apple und Microsoft werden sich künftig mit dem Bezahlinhalt Fußball beschäftigen", prophezeit der DFL-Chef.

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