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14.11.2015

17:20 Uhr

Nach Terror von Paris

Uefa sorgt sich um EM, doch sie zweifelt nicht

Die Sicherheitslage in Frankreich ist in erster Linie ein Albtraum für alle Bürger. Doch die Nähe zur Europameisterschaft 2016 wirft immer mehr Sicherheitsbedenken für das Turnier auf. Noch bleit

Fassungslosigkeit nach den Anschlägen, die auch den Fußball betreffen. Die Uefa ist besorgt. AFP

Angst vor dem Stadion

Fassungslosigkeit nach den Anschlägen, die auch den Fußball betreffen. Die Uefa ist besorgt.

NyonNach den Terroranschlägen von Paris ist jede Vorfreude auf die Europameisterschaft in sieben Monaten in Frankreich dahin. Anzeichen von Zweifeln an einem derzeit nicht vorstellbaren friedlichen Fußball-Fest gab es von den Organisatoren der Uefa am Samstag aber trotz der gezielten Attacken mit Toten im unmittelbaren Umfeld des wichtigsten Turnierstadions in Saint-Denis (noch) nicht. Dem EM-Gastgeber wurde vom Kontinentalverband jede Hilfe zugesagt.

„Die Uefa ist tief geschockt und traurig über die tragischen Ereignisse und möchte Frankreich und denjenigen, die von diesen schrecklichen Akten betroffen sind, ihre Unterstützung und Solidarität ausdrücken“, teilte der Verband am Samstagmorgen in einer schriftlichen Stellungnahme mit. Für alle anstehenden Länderspiele wurde eine Schweigeminute und Trauerflor für alle Spieler angeordnet.

Reaktionen aus der Sportwelt

Die Erklärung des DFB-Teams

„Wir sind nach Paris gekommen, um das zu tun, was uns alle verbindet. Fußball zu spielen, miteinander, gegeneinander, in Freundschaft. Um gemeinsam mit den Fans einen schönen Abend zu erleben, sportlich ehrgeizig, aber vor allem friedlich und fair. Wir haben uns auf das Stade de France gefreut, auf einen Fußballabend, der für uns alle in einem Alptraum endete. Es war ein dumpfer Knall, der alles verändert hat. Und der die Bilder gebracht hat, die uns noch lange begleiten werden. Wir haben die Nacht im Stadion viel nachgedacht. Wir haben uns gefragt, warum so etwas passieren kann? Wie so viel Unmenschlichkeit möglich ist? Antworten haben wir viele gefunden, aber keine, die diese feigen Anschläge erklären kann. Wir haben am Freitag ein Fußballspiel verloren - und es gibt nichts, was in diesem Moment unwichtiger war.“

Reaktion der Fifa

In Briefen an die Spitzen des deutschen und des französischen Fußballverbandes hat FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou seine Anteilnahme nach den Angriffen am Stade de France ausgedrückt. „Mit Bestürzung und schockiert haben wir von den schrecklichen Terroranschlägen, welche sich gestern in Paris und in der Nähe des Stade de France während des Spiels Frankreich-Deutschland ereignet haben, Kenntnis nehmen müssen“, hieß es in dem Schreiben des Kameruners am Samstag.

Er drücke „allen Mitgliedern des Deutschen Fußball-Bundes sowie allen Fans, welche im Stadion anwesend waren, die Solidarität der internationalen Fußballgemeinschaft“ aus, schrieb Hayatou an das DFB-Präsidium. In dem Schreiben an den französischen Verbandschef Noël Le Graët betonte Hayatou zudem sein Mitgefühl mit den Familien der Opfer der Terroranschläge in Paris.

Reaktionen aus der Bundesliga (1)

„Unsere Gedanken sind bei den Opfern der Anschläge in Paris und ihren Angehörigen. #PrayforParis“, schrieb der deutsche Meister FC Bayern München am Samstagmorgen im Kurznachrichtendienst Twitter. „Ergebnis unwichtig. An alle in #Paris: Passt bitte auf Euch auf. Unsere Gedanken sind bei den Opfern“, twitterte Borussia Dortmund nach der 0:2-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft in Frankreich.

Reaktionen aus der Bundesliga (2)

Fast alle Clubs äußerten in sozialen Netzwerken ihre Sorge und Betroffenheit. „Wenn Fußball so unwichtig ist - Hertha BSC trauert mit den Franzosen!“, hieß es aus Berlin. Hannover 96 twitterte: „#NiemalsAllein: Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer von #Paris.“, von Borussia Mönchengladbach kam die Kurznachricht: „Heute rückt der Fußball in den Hintergrund. Wir trauern um alle Opfer in Paris und wünschen den Angehörigen viel Kraft.“ Clubs wie der FC Schalke 04, der Hamburger SV oder der 1. FC Köln schrieben nach den Angriffen mit mindestens 120 Toten: „#PrayForParis“.

Reaktion aus der Formel 1 (1)

Nach dem Terrorangriff von Paris hat die Formel 1 ihr Mitgefühl mit den Opfern und Hinterbliebenen bekundet. „Unsere Gedanken sind bei allen, die von dieser Tragödie in Paris betroffen sind“, teilte die Formel 1 im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Chefvermarkter Bernie Ecclestone zeigte sich schockiert. „Wir leben in einer bösen Welt mit bösen Menschen“, sagte der 85-Jährige im Fahrerlager. Eine geeignete Maßnahme, den Opfern und Hinterbliebenen Ehre zu erweisen, gebe es nicht. „Was auch immer wir sagen, wird die Menschen nicht zurückbringen.“

Auch der französische Automobil-Weltverbandschef Jean Todt reagierte extrem betroffen. „Die ganze Welt kann nur schrecklich geschockt sein, über das was passiert ist“, sagte Todt. Nach Angaben eines Sprechers des Automobil-Weltverbands FIA ist vor dem Grand Prix am Sonntag (17.00 Uhr/RTL und Sky) eine Schweigeminute geplant.

Reaktion aus der Formel 1 (2)

„Ich bete für alle, die in Paris betroffen sind“, schrieb Weltmeister Lewis Hamilton in der Nacht zu Samstag. Sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg zeigte sich ebenso erschüttert. „Sprachlos über die Tragödie in Frankreich. Meine Gedanken sind mit euch“, teilte Rosberg am Rande des Grand Prix von Brasilien in São Paulo mit.

„Das ist eine Tragödie für Paris, für Frankreich und für die ganze Welt“, erklärte McLarens französischer Renndirektor Eric Boullier. „Wir werden zusammenstehen, um diese Tragödie zu überwinden“, teilte die Formel-1-Abteilung von Renault mit. „Ich bin im Herzen bei jenen, die von dieser schrecklichen Tragödie betroffen sind“, schrieb der ehemalige Formel-1-Weltmeister Jenson Button.

Für die französischen EM-Macher und die Uefa ist die Anschlagsserie vom Freitagabend an der Seine mit deutlich mehr als 100 Toten nur vier Wochen vor dem Mega-Event der EM-Gruppenauslosung ein wahr gewordener Alptraum. „Es wurden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen, aber wir müssen sehen, dass Terroristen jederzeit zuschlagen können. Wir hatten Sorge wegen der EM, jetzt ist die Sorge noch größer“, sagte der Präsident des französischen Verbandes, Noël Le Graët, laut Medienberichten mit Blick auf das Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in neun französischen Städten von Lille bis Toulouse.

DFB-Team im Terror von Paris: Der Sport ist nicht einmal mehr Nebensache

DFB-Team im Terror von Paris

Der Sport ist nicht einmal mehr Nebensache

Die Nacht mit 70 Menschen im Kabinentrakt verbracht, lange Ungewissheit, mittendrin im Terror: Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft endet eine albtraumhafte Nacht in Frankfurt, in Sicherheit.

Bereits vor einigen Wochen hatte der Chef des Organisationskomitees, Jacques Lambert, betont: „Von Beginn an wussten wir, dass die Sicherheitsfrage der Schlüssel für ein erfolgreiches Turnier sein wird.“ Angesichts der Anschläge auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ im Januar dieses Jahres hatte Lambert angemerkt, Terrorismus sei kein theoretisches Risiko mehr, sondern ein mögliches. Das wurde nun auf fürchterliche Weise belegt.

Schon in ihrer EM-Bewerbung hatten die Franzosen die Sicherheitslage als eines von zwölf Risiken benannt. Nun ist tatsächlich das Stade de France als Eröffnungs- und Endspielarena zum Ziel einer Attacke geworden. Näher kam der Terrorismus dem Fußball bislang nicht.

Reaktionen der Nationalspieler

Mats Hummels

„Zurück in Deutschland. Unglaublich, was gestern passiert ist. Diese Welt ist jetzt wirklich beschissen. Meine Gedanken sind bei denjenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben.“

Ilkay Gündogan

„Wir sind sicher angekommen. Nach einer schockierenden Nacht sind unsere Gedanken bei all den Leuten, die von den Attacken betroffen sind.“

André Schürrle

„Was für eine schreckliche Nacht. Meine Gedanken sind bei den Familien, die ihre Liebsten verloren haben.“

Mario Götze

„Unglaublich - was für eine Tragödie. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Toni Kroos

„Was ist das für eine kranke Welt?“

Antonio Rüdiger

„Wir sind gesund zurück, aber was bleibt, ist ein Schock und die Trauer über all die Opfer und ihre Familien.“

Bernd Leno

„Wir sind daheim gesund angekommen und können nun zu unseren Familien. Meine Gedanken sind aber bei den Opfern und deren Familien.“

Paul Pogba

„Das ist kein Angriff auf Paris, das ist eine weitere Attacke auf die Menschheit. Menschen aus einigen Religionen und Ländern hassen die Freiheit und die Werte des Westens. Sie wollen herkommen, um andere Menschen zu töten. Diese Terroristen werden wir besiegen. Die Kraft der Franzosen und der ganzen Welt muss steigen. Steht auf und sagt nein zu diesen Terroristen und Religionen. Baut keinen Hass auf, seid gute Menschen und verändert die Welt positiv.“

Antoine Griezmann

„In Gedenken an die Opfer der Attacken. Ich danke Gott, dass es meine Schwester rechtzeitig aus dem Bataclan geschafft hat. Meine Gebete gelten den Opfern und ihren Familien.“

Laurent Koscielny

„Keine Worte. So traurig. Beten.“

Die Sorgen für die Uefa, die durch die Korruptionsaffären im Weltfußball ohne ihren derzeit suspendierten Präsidenten Michel Platini dasteht, sind nun ganz konkret. In genau vier Wochen, am 12. Dezember, ist im riesigen Le Palais de Congrès de Paris an der Porte de Maillot im Westen der Stadt die feierliche Auslosung der EM-Gruppen terminiert. Die Fußball-Prominenz des ganzen Kontinents wird erwartet. Unter anderem DFB-Teammanager Oliver Bierhoff soll dann die Lose ziehen. Überlegungen, die Veranstaltungen abzusagen, gibt es kurz nach den Schock-Ereignissen in Paris offenbar nicht.

Von

dpa

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