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17.02.2014

16:16 Uhr

Nach teurem Trainerwechsel

Rücktrittswelle im HSV-Aufsichtsrat

Der Machtkampf beim Hamburger SV endet im Chaos: Von elf Mitgliedern des Aufsichtsrats sind bis Montagmittag fünf zurückgetreten, weitere könnten folgen. Ihr letzter Akt: die Verpflichtung von Trainer Mirko Slomka.

Wirft hin: HSV-Aufsichtsratsmitglied Manfred Ertel legte am Montagmorgen sein Amt nieder. dpa

Wirft hin: HSV-Aufsichtsratsmitglied Manfred Ertel legte am Montagmorgen sein Amt nieder.

Düsseldorf/HamburgErst den Slomka-Deal beschlossen, dann hingeschmissen: Der Hamburger SV verliert als Folge des internen Machtkampfes seine Aufsichtsratsmitglieder. Von den elf Mitgliedern waren bis Montagmittag fünf zurückgetreten, wie der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow auf einer Pressekonferenz am Mittag mitteilte.

„Der HSV-Aufsichtsrat besteht derzeit nur aus sechs Personen. Fünf Räte sind zurückgetreten.“ Um geschäftsfähig zu sein, muss der Rat mindestens aus vier gewählten Mitgliedern bestehen. Das Gremium sei handlungsfähig, betonte Jarchow.

Der Aufsichtsrat des klammen Traditionsclubs hatte den kostspieligen neuerlichen Deal abgesegnet. Slomka soll rund eine Million Euro pro Saison verdienen, zudem eine satte Nichtabstiegsprämie kassieren. Van Marwijk erhält zudem eine Abfindung von drei Millionen Euro.

Die fünf Modelle für eine Strukturreform beim HSV

1. „HSV Plus“

Konzept von Ex-Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff. Kern: Ausgliederung der Profi-Abteilung aus dem Gesamtverein, Bildung einer Aktiengesellschaft. Anteile sollen an Investoren verkauft werden, zunächst bis 24,9 Prozent. Später bis zu 49,9 Prozent. Aufsichtsrat soll verkleinert werden. Wird unterstützt von ehemaligen Profis.

2. „HSV - Zukunft mit Tradition“

Initiator Ex-Präsident Jürgen Hunke. Kern: Keine Ausgliederung, kein Anteilsverkauf. Hunke: „Wir dürfen auf keinen Fall die Seele des Vereins verkaufen.“ Stattdessen: Intensivierung des Sponsorenmodells. Verkleinerung des Aufsichtsrates, aber mehr Macht für ihn. Minimale Unterschiede zu „HSV-Reform“.

3. „HSV-Reform“

Initiative der Abteilung Supporters. Kern: Keine Ausgliederung, kein Anteilsverkauf. Reformierung der Satzung. Verkleinerung des Aufsichtsrates. Dessen Rolle soll abgewertet werden. Aufwertung des Vorstands: Er soll mehr operative Freiheiten erhalten, beispielsweise bei Transfers.

4. „HSV 21“

Modell von Volkswirtschaftler Wolfgang Müller-Michaelis. Kern: Bildung eines Stiftungsvereins HSV mit drei selbstständigen Säulen: Profis, Amateure, Supporter. Jede Sparte kann ihre eigene Rechtsform wählen, Profis als AG möglich. Mitglieder haben bei Zustiftung von mindestens 100 Euro eine Stimme in Stifterversammlung.

5. „Initiative Rautenherz“

Vorschlag von Rechtsanwalt Rainer Ferslev. Ausgliederung der Profis und Bildung einer GmbH und Co. KG auf Aktienbasis. Sanftere Form im Vergleich zu „HSV Plus“. Verkauf von Anteilen. Mitglieder haben Mitbestimmungsrecht über Vertreter in Beirat und Aufsichtsrat. Einführung der Briefwahl für alle Mitglieder.

Unter den zurückgetretenen Mitgliedern des Aufsichtsrates ist Manfred Ertel. „Ich habe mich in den letzten Tagen manipuliert, instrumentalisiert und genötigt gefühlt“, schreibt der freie Journalist auf seiner Facebook-Seite.

„Ich bin unter Vortäuschung falscher Tatsachen in eine Personaldebatte über eine mögliche Zusammenarbeit mit Felix Magath getrieben und anschließend durch gezielte Indiskretionen über Medien, durch die Verbreitung von Halbwahrheiten und auch Fehlinformationen genötigt worden, der Personalie um jeden Preis zuzustimmen.“

Verantwortlich für das Chaos macht Ertel „... (kleine) Teile im Aufsichtsrat und Vorstand in Zusammenarbeit mit Kräften außerhalb des Vereins“. Am Montagmorgen um 8.02 Uhr hat er demnach sein Amt zur Verfügung gestellt – mit der Zustimmung zur Verpflichtung von Mirko Slomka als letzten Akt. Zu den fünf Mitgliedern, die jetzt das Handtuch warfen, könnten sich weitere Amtsträger gesellen.

Der Aufsichtsrat war vor allem über die Frage zerstritten, wer den HSV aus der Krise führen könnte und wie teuer eine Verpflichtung von Felix Magath sein könnte. Die nötige Zweidrittelmehrheit in dem zerstrittenen Kontrollgremium war allerdings nicht zustande gekommen, Magath sagte dem HSV daraufhin ab und wechselte zum FC Fulham in die englische Premier League.

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