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14.03.2014

13:25 Uhr

Nach Verurteilung

Adidas-Boss übernimmt Vorsitz im Bayern-Aufsichtsrat

Adidas-Chef Herbert Hainer wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern München. Der Aufsichtsrat votierte einstimmig dafür. Hoeneß' Rücktritt sei „mit Respekt und größter Hochachtung“ zur Kenntnis genommen worden.

Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas, Herbert Hainer, ist als Nachfolger des zurückgetretenen Hoeneß bis auf weiteres Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG. dpa

Der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Adidas, Herbert Hainer, ist als Nachfolger des zurückgetretenen Hoeneß bis auf weiteres Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG.

München/HamburgAdidas-Chef Herbert Hainer ist als Nachfolger des zurückgetretenen Uli Hoeneß bis auf weiteres Aufsichtsratsvorsitzender der FC Bayern AG. Das teilte der deutsche Fußball-Rekordmeister am Freitag mit. Dieser Beschluss sei einstimmig vom Aufsichtsrat gefasst worden. Das Gremium nahm den Rücktritt von Hoeneß „mit Respekt und größter Hochachtung“ zur Kenntnis.

„Uli Hoeneß hat mit seinen Führungsqualitäten, seinem hohen persönlichen Einsatz und seiner herausragenden Lebensleistung immer dem Wohle des FC Bayern München gedient“, erklärt Hainer in einer Mitteilung des Aufsichtsrats. „Er ist wesentlich mit dafür verantwortlich, dass der FC Bayern München zu einem der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten und attraktivsten Vereine der Welt geworden ist. Dafür gilt ihm unser ganzer Dank.“

FC Bayern: Der Skandal rund um Uli Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll ihn mit Millionen unterstützt haben.

Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an. Die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird außer Vollzug gesetzt - gegen Zahlung einer hohen Kaution.

20. April 2013

Der „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Vereinspräsident aus. Die Kritik an ihm nimmt zu. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rückt von ihm ab, zeigt sich „enttäuscht“.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro.

1. Mai 2013

Hoeneß erklärt in einem „Zeit“-Interview Reue und gibt Einblick in sein Seelenleben. Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister schließt der Bayern-Präsident darin aus.

6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

25. Mai 2013

Selbst im Moment des großen Triumphes des FC Bayern steht Hoeneß unter dem Eindruck der Steueraffäre. Fast schüchtern greift er im Londoner Wembleystadion nach dem 2:1 im Finale gegen Borussia Dortmund nach dem Champions-League-Pokal.

30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

4. November 2013

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II lässt die Anklage gegen den Bayern-Präsidenten „unverändert“ zu.

13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern von den Mitgliedern gefeiert. Er vergießt Tränen und kündigt an, nach seinem Steuerstrafprozess auf einer außerordentlichen Versammlung die Mitglieder über seine Zukunft entscheiden zu lassen.

23. Januar 2014

Die Staatsanwaltschaft München lässt bayerische Finanzbehörden wegen des Verdachts der Verletzung des Steuer- und des Dienstgeheimnisses durchsuchen. Es geht um die Frage: Wer gab Dokumente aus Hoeneß' Steuerakte an die Presse weiter?

10. März 2014

Begleitet von einem riesengroßen Medieninteresse beginnt in München der Prozess im „Strafverfahren gegen Ulrich H.“ Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird immer höher. Hoeneß soll sogar mindestens 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

12. März 2014

Die schwindelerregende Steuerschuld hält die Hoeneß-Verteidigung für „sachgerecht“. Die Selbstanzeige habe sämtliche Zahlen bereits enthalten.

13. März 2014

Uli Hoeneß wird zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Landgericht München spricht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung schuldig.

14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München zurück.

20.September 2014

Uli Hoeneß bekommt nach dreieinhalb Monaten Haft das erste Mal Ausgang. Die Hafterleichterung hängt einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge mit der vollständigen Begleichung seiner Steuerschuld zusammen. Hoeneß soll zuvor gut 30 Millionen Euro an das Finanzamt Miesbach überwiesen haben.

31. Dezember 2014

Zweiter Urlaub für Hoeneß. Er darf den Jahreswechsel zu Hause verbringen. Schon zu Weihnachten hatte Hoeneß Urlaub erhalten und durfte zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen. Seit Jahresbeginn 2015 ist Hoeneß Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Schlafen in die JVA, darf tagsüber außerhalb des Gefängnisses einer geregelten Arbeit nachgehen.

24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle. Im Mai beginnt das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel „Uli Hoeneß - Der Patriarch“.

3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe möglich - zum 29. Februar 2016.

21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10 000 Euro.

18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar ausgesetzt wird. Hoeneß erhält eine dreijährige Bewährungszeit.

Der 61-jährige Karl Hopfner, 1. Vizepräsident des Vereins und Mitglied des Aufsichtsrates, wurde ebenfalls einstimmig bis auf weiteres in den Präsidialausschuss des Aufsichtsrates gewählt.

Unterdessen spricht der bekannte Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate nach der Verurteilung von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß von einem milden Urteil und vermutet „informelle Absprachen“. „Hoeneß kann sich über dieses Urteil freuen. In Bayern gibt es bei diesen Hinterziehungssummen in der Regel eine Freiheitsstrafe zwischen acht bis zehn Jahren“, sagte Strate dem Hamburger Abendblatt (Samstag).

Zum Verzicht Hoeneß' auf Revision sagte Strate: „Das ist für mich ein untrüglicher Hinweis auf informelle Absprachen.“ So relaxt, wie sein Verteidiger agiert habe, als die Summe der hinterzogenen Steuern von 3,5 Millionen Euro auf 27 Millionen Euro korrigiert wurde, könne man sich eigentlich nur verhalten, wenn man „den Sturm schon hinter sich und sein Schiff bereits in den Hafen gesteuert hat“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat „hohen Respekt“ für die Entscheidung von Uli Hoeneß geäußert, das Hafturteil wegen Steuerbetrugs zu akzeptieren und nicht in Revision zu gehen. „Ich kommentiere natürlich Gerichtsentscheidungen nicht, kann aber sagen: Die Tatsache, dass Uli Hoeneß jetzt dieses Urteil so angenommen hat, nötigt mir hohen Respekt ab“, sagte Merkel am Freitag bei einem Termin mit den großen Wirtschaftsverbänden in München.

Die Allianz zollt der Entscheidung ebenfalls Respekt. „Wir danken Uli Hoeneß für seine außerordentlichen Verdienste beim FC Bayern“, hieß es am Freitag bei dem Versicherer in München. Die Allianz ist ein Sponsor und wie andere Unternehmen an der FC Bayern München AG beteiligt. „Und wir haben großen Respekt vor seiner Entscheidung“, hieß es in der Erklärung weiter.

Von

dpa

Kommentare (6)

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14.03.2014, 12:44 Uhr

Lasst doch mal Typen "Intelligent und Fair" nach vorne und nicht immer "Bullerig und Vierschrötig".

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14.03.2014, 14:16 Uhr

Die Bayern lassen ja regelmäßig ihr Image in der Öffentlichkeit von einer Unternehmensberatung/PR-Agentur ermitteln und sich von diesen marketing-strategisch beraten. Die Ergebnisse der letzten Jahre durchgängig: arrogant, überheblich, rücksichtslos usw., also ein Image, was sich keine AG wünschen würde. Aber die PR-Leute haben den Bayern geraten, dieses Image von Rücksichtslosigkeit und Großkotzigkeit unbedingt beizubehalten, immer wieder zu unterstreichen und ggf. weiter auszubauen. Es wäre das "Markenzeichen" des FC Bayern! Und der gesamte Aufsichtsrat, also inkl. Winterkorn usw., hat dieser Strategie zugestimmt...

Na, heute kann man wohl sagen, dass diese Strategie absolut voll aufgegangen ist! Glückwunsch! Karl-Heinz "Rolex" Rummenigge ein verurteilter Uhren-Schmuggler - und die Krönung dieser Image-Kampagne: Hoeneß geht in den Knast... lol... (mit "Würde" und "Anstand", versteht sich...)

PS: Häme? Iwo - Tatsachen!

Gruß aus Potsdam! Schönes Segelwetter!

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14.03.2014, 14:39 Uhr

Merkels Aeusserung ist einer Kanzlerin nicht wuerdig. Da haette sie besser den Mund gehalten.

Schlimmer noch, dass unsere Bundesregierung, nachdem dieses milde Urteil gesprochen wurde, jetzt nicht alle Hebel in Bewegung setzt und schaerfere Gesetze verabschiedet sowie die strafbefreiende Selbstanzeige in Gaenze abschafft. Zusaetzlich waeren Abkommen zu beschliessen, die Banken in Steueroasen verpflichten, Finanzanlagen Deutscher jaehrlich offenzulegen.

Dies waeren die korrekten Schlussfolgerungen, Merkel ziehen muesste.

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