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06.05.2011

12:18 Uhr

Nationalcoach Blanc unter Beschuss

Rassismus-Skandal erschüttert Frankreichs Fußball-Welt

VonHolger Alich

Sie waren zum Symbol des weltoffenen Frankreichs geworden: Spieler wie Lilian Thuram, Laurant Blanc und vor Zinedine Zidane. Frankreichs bunte Fußballtruppe „Black-blanc-beur“ gewann 1998 die Fußball-WM im eigenen Land und galt fortan als Musterbeispiel für Integration. Nun fallen die Champions von einst übereinander her wegen einer Rassismus-Affäre, die dem heutigen Nationaltrainer Blanc den Job kosten könnte.

Laurent Blanc bei einer Pressekonferenz: Frankreichs Nationaltrainer steht heftig unter Beschuss. Quelle: dapd

Laurent Blanc bei einer Pressekonferenz: Frankreichs Nationaltrainer steht heftig unter Beschuss.

ParisAufgedeckt hat den Skandal Frankreichs Online-Dienst Mediapart, der sich auf investigativen Journalismus spezialisiert hat. Die News-Seite veröffentlichte vergangene Woche einen Mitschnitt einer internen Beratungsrunde vom 8. November beim französischen Fußballverband FFF.

Die Diskussion drehte sich um die Nachwuchs-Förderung von Spielern ab zwölf Jahren. Viele von Frankreichs Nachwuchshoffnungen sind Kinder oder Enkelkindern von Einwanderern, und haben daher oft zwei Staatsbürgerschaften. Sprich, nachdem sie sich in Frankreich haben ausbilden lassen, könnten sie für die Nationalmannschaft des Herkunftslandes ihrer Eltern auflaufen. Daher gebar die Runde der Fußball-Funktionäre, an der auch Nationaltrainer Blanc teilnahm, die Idee einer Quote. Nur noch eine bestimmte Zahl an Plätzen wäre dann für Einwanderer-Kinder in Frankreichs Nachwuchsprogramm offen gewesen. Ein klarer Fall von Diskriminierung.

Ein Auszug aus der Diskussion: Nationaltrainer Blanc: „Mich stört das enorm. Meiner Ansicht nach müssen wir versuchen, das auszulöschen. Dabei gibt es keine rassistischen Nebentöne. Wenn die Leute das Nationaltrikot mit 16, 17, 18, 19 und 20 Jahren tragen, und danach für eine nordafrikanische oder afrikanische Mannschaft spielen, das stört mich enorm.“ Dazu Eric Mombaerts, Trainer der Nachwuchsmannschaft: „Wir brauchen also eine Quote von 30 Prozent?“ Antwort von Francois Blancart, technischer Direktor des französischen Fußball-Verbandes: „Nicht einmal. Müssen ein Projekt aufziehen. (…). Ideal wäre es, wenn wir, aber nicht offiziell, nicht mehr so viele Kids nehmen, die ihre Staatsbürgerschaft ändern können.“ Im Klartext, eine Quote. 

Und Blanc fügt an. „Man hat in Frankreich den Eindruck, dass wir denselben Prototyp eines Spielers heranziehen: Groß, kräftig, stark. Und wer ist derzeit groß, kräftig und stark? Die Schwarzen.“ 

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