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17.06.2011

19:46 Uhr

Nationalelf

Gekränkter Ballack gibt Löw einen Korb

Michael Ballack verzichtet freiwillig auf seinen letzten Einsatz mit der DFB-Elf gegen Brasilien. Der "Capitano" fühlt sich von Bundestrainer Joachim Löw enttäuscht: Das geplante Abschiedsspiel sei eine Farce.

Löw (l.) schickt Ballack fort. SID

Löw (l.) schickt Ballack fort.

FrankfurtMichael Ballack schlägt zurück und verzichtet auf das ihm angebotene Abschiedsspiel gegen Brasilien: Einen Tag nach seiner Ausbootung aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft attackierte der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen Bundestrainer Joachim Löw. Löw hatte am Donnerstag erklärt, dass er in der DFB-Auswahl in Zukunft nicht mehr mit Ballack plane.

Der langjährige Kapitän habe am Donnerstag im Urlaub von der Pressemitteilung des Deutschen Fußball-Bundes erfahren und sei über „Form und Inhalt der Nachricht“ enttäuscht und überrascht. „Wenn jetzt so getan wird, als sei man mit mir und meiner Rolle (...) jederzeit offen und ehrlich umgegangen, ist das an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten“, heißt es in einer Erklärung, die am Freitag im Auftrag von Ballacks Berater Michael Becker von einer Hamburger Kanzlei verbreitetet wurde.

"Ein längst vereinbartes Freundschaftsspiel jetzt als Abschied zu deklarieren, ist aus meiner Sicht eine Farce. Ich weiß, dass ich meinen Fans dieses Spiel eigentlich schuldig bin, aber ich kann dieses Angebot nicht annehmen", sagte Ballack.

Der DFB hatte ihm in Aussicht gestellt, am 10. August gegen Brasilien zum Abschluss seiner Länderspiel-Karriere sein 99. Länderspiel zu absolvieren.  Löw hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass er nicht mehr mit Ballack plane.

Die Länderspielkarriere des Michael Ballack

Das Debüt

Michael Ballack feiert sein Debüt in der Nationalmannschaft im Alter von 22 Jahren als Spieler des 1. FC Kaiserslautern. Beim 0:1 gegen Schottland wird der gebürtige Görlitzer am 28. April 1999 in Bremen von Teamchef Erich Ribbeck für Dietmar Hamann eingewechselt.

Der erste Sieg

Ballacks erster Sieg im sechsten Länderspiel: Beim 3:2-Heimsieg im EM-Testspiel gegen Tschechien wird er wieder für Hamann eingewechselt.

Der erste Tiefpunkt

Beim deutschen EM-Debakel in Belgien und den Niederlanden wird Ballack beim abschließenden 0:3 gegen Portugal ausgewechselt - sein neuntes Länderspiel.

Das erste Tor

14. Spiel: Beim 4:2-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Griechenland in Athen erzielt Ballack per Foulelfmeter sein erstes Länderspieltor. Insgesamt trifft er in der Nationalmannschaft zehnmal vom Punkt.

Der Matchwinner

21. Länderspiel: Mit seinem ersten „Doppelpack“ im Nationaltrikot führt Ballack die DFB-Elf im entscheidenden K.o.-Spiel gegen die Ukraine in Dortmund zum 4:1-Sieg und damit zur WM 2002 in Japan und Südkorea.

Der tragische Held

Ballack wird in seinem 28. Länderspiel zur tragischen WM-Figur. Im Halbfinale gegen Gastgeber Südkorea erzielt er 2002 das 1:0-Siegtor, sieht aber wegen eines taktischen Fouls die Gelbe Karte und ist im Finale gegen Brasilien (0:2) gesperrt.

Der Viererpack

39. Länderspiel - Ballack im Torrausch: Beim 7:0 im EM-Test gegen Malta erzielt er in Freiburg zum einzigen Mal vier Tore in einem Länderspiel.

Der Capitano

Jürgen Klinsmann befördert Ballack als Nachfolger von Oliver Kahn zum Kapitän. Der Einstand als Spielführer verläuft in seinem 45. Länderspiel mit einem 3:1-Erfolg in Wien gegen Österreich erfolgreich.

Der Nervenstarke

Elfmeter-Drama im WM-Viertelfinale gegen Argentinien: Die deutschen Schützen verwandeln nervenstark - auch Ballack in seinem 69. Länderspiel. Und Jens Lehmann hält in Berlin die Schüsse von Ayala und Cambiasso.

Die größte Enttäuschung

70. Länderspiel: Das Sommermärchen endet in Tränen. Ohne den gesperrten Frings verlieren Ballack & Co. in Dortmund das Halbfinale gegen Italien durch zwei späte Tore in der Verlängerung mit 0:2. Beim 3:1 gegen Portugal im Trostspiel um Platz drei ist Ballack nur noch Zuschauer.

Der Löw-Retter

84. Länderspiel: Mit einem mächtigen Freistoß sorgt der Kapitän im Vorrundenfinale gegen Österreich in Wien für den 1:0-Sieg und sichert den Einzug ins Viertelfinale der EURO 2008. Bei einem Ausscheiden wäre Trainer Löw in arge Bedrängnis geraten.

Der letzte Tiefpunkt

86. Länderspiel: Das 0:1 im EM-Finale gegen Spanien. Wieder bleibt dem deutschen Leitwolf die Krönung mit einem internationalen Titel versagt.

Der vorerst letzte Einsatz

Beim 0:1 in München gegen Argentinien führt Ballack die DFB-Auswahl in seinem 98. Länderspiel zum 55. Mal als Kapitän an. Nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale verpasst er wegen einer schweren Fußverletzung danach allerdings die WM in Südafrika. Der Abschied auf Raten des Capitano hat begonnen.

Das Abschiedsspiel?

„Wir alle möchten, dass Michael Ballack in seinem 99. Länderspiel einen würdigen Abschied von der Nationalmannschaft am 10. August im Klassiker gegen Brasilien feiern und dort ein letztes Mal unser Team als Kapitän aufs Feld führen kann. Diese Überlegungen sind ihm seit längerem bekannt. Wir hoffen, dass er dieses Angebot annimmt“, erklärte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

„In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat“, hatte er auf der DFB-Homepage erklärt. „Im Interesse aller“ sei nun eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht, so Löw.  

Ballack hatte die WM 2010 in Südafrika wegen einer Fußverletzung verpasst: Kevin-Prince Boateng hatte den Nationalkapitän 2010 im englischen Pokalfinale rüde gefault. Seitdem hat der 34 Jahre alte Profi des Bundesligisten Bayer Leverkusen kein weiteres Länderspiel bestritten. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Akteuren wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben. Boateng, der Deutscher ist, lief bei der WM in Südafrika für die ghanaische Nationalelf auf und traf während des Turniers auf die deutsche Nationalmannschaft.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

18.06.2011, 08:29 Uhr

Ballack, der ewige Egomane, hat in Löw endlich seinen Meister gefunden. Friede seiner gekränkten Seele, die vorher ohne Rücksicht auf andere austrat und unterdrückte. Er ist da, wo er wegen seines Charkters hingehört: in der Versenkung.

zephyroz

18.06.2011, 12:16 Uhr

Endlich! Ballack ist nie der gewesen, für den die schreibende Zunft ihn hochstilisiert hat. Ballack war zeitweise gut, aber andere sind das auch. Das hat man in Südafrika gesehen. Und jetzt noch beleidigt zu sein, sieht ihm ähnlich.

Wolfgang

18.06.2011, 12:20 Uhr

Schade das sich die Diva Ballack so zurückzieht und nicht akzeptiert, dass seine Zeit in der Nationalmanschaft abgelaufen ist. Aber es ist letzlich seine Entscheidung.

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