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08.11.2013

14:26 Uhr

Nationalmannschaft

Löw beruft erstmals BVB-Torwart Weidenfeller

Gegen England oder Italien könnte BVB-Keeper Roman Weidenfeller mit 33 Jahren zum ältesten Torwart-Debütanten werden. Er erhielt erstmals eine Einladung in das Nationalteam. Fehlen wird hingegen Bastian Schweinsteiger.

Hat nach 300 Bundesligaspielen und 14 Jahren als Profi endlich die langersehnte Einladung ins Nationalteam erhalten: Roman Weidenfeller. Reuters

Hat nach 300 Bundesligaspielen und 14 Jahren als Profi endlich die langersehnte Einladung ins Nationalteam erhalten: Roman Weidenfeller.

MünchenIm beinahe überreifen Alter von 33 Jahren darf der lange verschmähte Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller erstmals ins Fußball-Nationaltrikot schlüpfen. Mit der späten Berufung für die Länderspiel-Klassiker gegen Italien und England eröffnete Joachim Löw dem einzigen Neuling im 24 Spieler umfassenden Kader zugleich eine echte Chance auf die erste WM-Teilnahme 2014 in Brasilien. „Ich bin froh und glücklich über diese Einladung“, äußerte Weidenfeller, der sich für „das mir entgegengebrachte Vertrauen“ bedankte und dieses „als Ansporn“ für die nächsten Wochen und Monate betrachtet.

„Roman Weidenfeller haben wir nun seit längerer Zeit beobachtet und seine konstant starken Leistungen für Borussia Dortmund in der Bundesliga und der Champions League registriert“, begründete Löw die Entscheidung, den BVB-Profi als dritten Torwart neben Platzhirsch Manuel Neuer sowie dessen erstem Stellvertreter René Adler vom HSV zu nominieren. Er wolle Weidenfeller „näher kennenlernen“, äußerte Löw am Freitag in einer Pressemitteilung des DFB.

Eine Einsatzgarantie in einem der letzten zwei Länderspielen des Jahres am kommenden Freitag in Mailand und vier Tage später in London gab es vom Bundestrainer vorab nicht. Weidenfeller würde in diesem Fall der älteste Torwart-Debütant in der Geschichte der DFB-Auswahl. Nur Toni Turek, einer der „Helden von Bern“ beim ersten deutschen WM-Triumph 1954, war mit 31 noch älter beim ersten Länderspiel.

In Dortmund wurde die Einladung Weidenfellers mit Genugtuung registriert. „Selten war eine Nominierung so gerechtfertigt. Von Flensburg bis Garmisch gibt es dazu keine zweite Meinung. Ich freue mich unheimlich für Roman, weil es ganz allein seine Leistung ist“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Nachrichtenagentur dpa. Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc sprach von einer „extrem verdienten“ Berufung: „Roman hat in den vergangenen Jahren sein Potenzial voll ausgeschöpft und ist bei uns zu einem Führungsspieler geworden.“ Gerade in der Champions League konnte er auftrumpfen.

Weidenfeller könnte die Hierarchie im Tor durcheinanderwirbeln. Fix ist ein halbes Jahr vor dem WM-Turnier allein, dass Bayern-Profi Neuer „unsere klare Nummer eins“ ist, wie Löw bekräftigte. „Wir wissen auch, was wir an René Adler oder jüngeren Torhütern wie Ron-Robert Zieler oder Marc-André ter Stegen haben“, bemerkte der Bundestrainer

Deutsche Torwart-Titanen

Sepp Maier - der lustige Revoluzer des Torwartspiels

Der Weltmeister von 1974 revolutionierte das Torwartspiel im Strafraum. Kein anderer wagte sich so weit aus seinem Gehäuse heraus, um so sicher so viele Flanken und Eckbälle abzufangen. Maier stand 95 Mal für Deutschland im Tor und spielte 473 Bundesligapartien für den FC Bayern. Wurde es ihm zwischen den Pfosten zu langweilig, kehrte er auch im Spiel den bayerischen Gaudibub heraus. Einmal setzte er im Münchener Olympiastadion zum Pläsier der Kameraleute einen Hechtsprung nach einer verirrten Ente an. Das Tier entkam.

Oliver Kahn - der tragische Held

„Das kahn doch nicht wahr sein“, kalauerten Boulevard-Medien nach Kahns Patzer im WM-Finale 2002. Sein erster Fehlgriff nach gefühlten Jahrzehnten besiegelte die deutsche Niederlage gegen Brasilien. Tragisch: Mit spektakulären Paraden hatte der damalige Bayern-Keeper die eher durchschnittliche deutsche Mannschaft überhaupt erst ins Finale geboxt. Der größte Fehler im wichtigsten Spiel, dieses Schicksal teilt der „Titan“ mit seinem Vorbild …

Toni Schumacher - der Besessene

Der langjährige Torwart des 1. FC Köln leistete sich im WM-Finale 1986 einen seltenen kapitalen Fehlgriff: Wie ein Kanarienvogel segelte der Europameister von 1980 im gelben Dress unter einer Flanke hindurch und leitete damit die deutsche 2:3 Niederlage gegen Argentinien ein. Schumacher war Opfer seines unbändigen Ehrgeizes geworden: „Ich hatte während des gesamten Spiels noch keinen Ball gehalten und wollte diese Flanke unbedingt haben.“ Zuviel gewollt.

Toni Turek - der leichtsinnige Fußballgott

Der liebe Gott kommt aus Duisburg! Zumindest wenn es nach Reporterlegende Herbert Zimmermann geht. „Turek, du bist ein Fußballgott“, trällerte er selig ins Mikro, als Toni die ungarischen Spieler mit unzähligen Rettungstaten im WM-Finale von Bern 1954 schier zu Verzweiflung brachte. Turek rief im wichtigsten Spiel seiner Karriere sein gesamtes Potenzial ab. In 19 weiteren Länderspielen blieb er eher blass. Mit seinen spektakulären Ausflügen manchmal bis in des Gegners Hälfte verzückte er die Fans. Dem Bundestrainer Sepp Herberger gefielen diese Volten weniger. Er nannte Turek, der 1984 verstarb, einen „leichtsinniger Bruder“.

Rudi Kargus - die unschlagbare ewige Nummer zwei

Die ganz große Karriere blieb dem langjährigen Torwart des Hamburger SV verwehrt, weil er an Sepp Maier im Nationaldress nie vorbeikam. Gerade einmal drei Länderspiele stehen für Kargus zu Buche. Dennoch ist er unschlagbar: Von 70 Bundesliga-Elfmetern parierte er 23 – Rekord. Zum Vergleich: Sepp Maier entschärfte nur neun von 69.

Uli Stein - der Verschmähte

Einem anderen Torwart des Hamburger SV ging es nicht besser. Was Sepp Maier für Rudi Kargus, war Toni Schumacher für Uli Stein. Beim Versuch, den Kölner aus dem Nationaltor zu verdrängen, biss Stein bei Teamchef Franz Beckenbauer auf Granit. Das schmeckte dem Verschmähten nicht und er hieß Beckenbauer einen „Suppenkasper“. Der Kaiser schickte Stein schnurstracks von der WM in Mexiko nach Hause. Sechs Länderspiele hatte der sonst zuverlässige Stein bis dahin bestritten - und mehr als 500 Mal in der Bundesliga zwischen den Pfosten gestanden.

Bert Trautmann - der missachtete Aussöhner

In England haben Sie ihm ein Denkmal gesetzt. Von 1949 bis 1964 bestritt der Bremer 545 Spiele für Manchester City – und wenn es sein musste, riskierte er dabei sogar sein Leben. Kurz nach seiner Wahl zum Spieler des Jahres in England sprang ihm im Pokalfinale 1956 gegen Birmingham ein Gegner in den Nacken und brach ihm dabei das Genick. Trautmann hielt die verbliebene Viertelstunde durch. Der knochenhart erkämpfte 3:1-Erfolg ist nur ein Verdienst des weltbesten Torhüters. Mit seinen Leistungen und seinem fairen Spiel trieb er die Aussöhnung zwischen Deutschen und Engländern nach dem Krieg voran. Ein Auftritt in der Nationalmannschaft blieb ihm verwehrt. Trainer Sepp Herberger berücksichtigte Auslandsprofis nicht.  

Heiner Stuhlfauth - der dritte Verteidiger

Zwischen 1918 und 1922 verlor der 1. FC Nürnberg von 104 Verbandsspielen keines. Großen Anteil daran hatte Heiner Stuhlfauth, mit dem die Franken in den 20er-Jahren fünf deutsche Meisterschaften errangen. Der 21-malige Nationalspieler gilt als Pionier des spielenden Torwarts. Die Journalisten priesen ihn als dritten Verteidiger.

Jürgen Croy - der Sepp Maier des Ostens

Mit Sachsenring Zwickau machte er kaum Furore. Doch nach eigenem Bekunden hätte er auch bei Bayern München im Tor stehen können. Für den Ostdeutschen Jürgen Croy stand fest: Torhüter in der DDR waren genauso stark wie die Top-Torhüter der 70er-Jahre im Westen. Ein Wechsel in den Westen sei für ihn nie in Betracht gekommen, schon zum Schutz seiner Familie. So bleiben in der Bilanz des erfolgreichsten DDR-Torhüters 94 Einsätze in der Nationalmannschaft, drei Wahlen zum DDR-Fußballer des Jahres und natürlich der 1:0-Sieg der DDR über die Bundesrepublik Deutschland bei der WM 1974. Damals im Tor der Westdeutschen: Sepp Maier.

Jens Lehmann - zwischen Genie und Wahnsinn

Mit 41 Jahren sucht Jens Lehmann wieder einen neuen Verein. Eigentlich war der WM-Torhüter von 2006 schon in Fußball-Rente. Doch auch wenn er jetzt keinen Job mehr bekommen sollte, an Lehmann wird man sich noch lange erinnern. Zum einen wegen einer weitgehend fehlerfreien WM 2006, in deren Vorfeld er Oliver Kahn als Nummer eins verdrängte. Und zum anderen wegen einiger haarsträubender Fehlgriffe, die er nur Sekunden später regelmäßig mit Weltklasseparaden wiedergutmachte.

Löw erklärte ausdrücklich: „Weder auf der Torhüter – noch auf einer anderen Position müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt Entscheidungen treffen. Die Nominierung für das Turnier in Brasilien steht erst im Mai 2014 an.“ Immerhin: Zur WM 2010 in Südafrika nahm Löw den damals auch schon 32 Jahre alten Jörg Butt nach einer starken Saison beim FC Bayern als dritten Schlussmann mit. Weidenfeller hatte erklärt, auch eine klaglose Nummer drei bei der WM abzugeben. „Ich lasse alles in Ruhe auf mich zukommen“, erklärte der Spätberufene am Freitag.

Löw will den letzten Doppelspieltag der Nationalmannschaft vor der WM-Nominierung im kommenden Mai noch einmal zu personellen Tests nutzen. „Der Konkurrenzkampf auf einzelnen Positionen wird in den nächsten Monaten sicher härter“, kündigte der 53-Jährige an.

Fehlen wird einmal mehr Bastian Schweinsteiger. Der Vize-Kapitän vom FC Bayern muss ein weiteres Mal an seinem rechten Fuß operiert werden. Löw hofft, dass der 100-malige Nationalspieler nach dem Eingriff „wieder komplett beschwerdefrei Fußball spielen“ kann. Als Aufmunterung übermittelte er an Schweinsteiger, dass dieser „eine feste Größe“ für ihn bleibe, „auch in Hinblick auf die WM“.

Von den Kandidaten für Brasilien 2014 werden auch Mario Gomez, Lukas Podolski und Ilkay Gündogan weiterhin aus Verletzungsgründen fehlen. Wieder dabei sind unter anderem Torjäger Miroslav Klose von Lazio Rom und der Dortmunder Marcel Schmelzer. Dessen formstarker Vereinskollege Kevin Großkreutz wurde nicht berücksichtigt.

Von

rtr

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