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06.06.2013

11:00 Uhr

Neue Details

Steuerfahnder half Hoeneß bei Selbstanzeige

Während eine Morddrohung gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß eingeht, werden weitere Einzelheiten mit Geschmäckle zu seiner Steueraffäre bekannt: Ein Steuerfahnder in Alterszeit hat ihm bei der Selbstanzeige geholfen.

Morddrohung gegen Uli Hoeneß: Der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München bei der Abschiedspressekonferenz von Trainer Jupp Heynckes teil. dpa

Morddrohung gegen Uli Hoeneß: Der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München bei der Abschiedspressekonferenz von Trainer Jupp Heynckes teil.

MünchenIn der Steueraffäre von Bayern-Präsident Uli Hoeneß sind neue Details ans Licht gekommen: Wie die Süddeutsche Zeitung (Donnerstagausgabe) berichtet, hat ein Münchner Steuerfahnder dem Präsidenten des FC Bayern bei dessen Selbstanzeige im Januar geholfen.

Demnach soll es sich um einen ehemaligen Sachgebietsleiter der Steuerfahndung München gehandelt haben, der mit Hoeneß bekannt sei. Der Fahnder sei nicht mehr regulär aktiv im Dienst gewesen, aber in Altersteilzeit und damit nicht pensioniert. Neben dem Steuerfahnder hätten ein Steuerberater und ein Steueranwalt an der Selbstanzeige mitgewirkt.

Die Steuer-Affäre um Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010

Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012

Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012

Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012

Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

12. Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe.

20. April 2013

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0.

1. Mai 2013

Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Seinen FC Bayern, dessen Spiel er am Abend in Barcelona bejubelt, nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. Frühzeitig verlässt er das nächtliche Bankett.

4. Mai 2013

Hoeneß verzichtet auf einen Besuch des brisanten Bundesliga-Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund. Stattdessen schaut er sich das Playoff-Match seiner Basketballer gegen Alba Berlin an.

6. Mai 2013

In München ist eine Aufsichtsratssitzung des FC Bayern angesetzt. Dort geht es auch um die Zukunft des allmächtigen Vereinspatrons gehen. Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Hoeneß und lässt ihn im Amt – bis möglicherweise neue Erkenntnisse vorliegen.

11. Mai 2013

Die Anwälte von Uli Hoeneß erstellen Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die Schuldigen, die Informationen über die Steuerhinterziehung haben durchsickern lassen, werden auch in der Münchner Staatsanwaltschaft gesucht.

1. Juni 2013

Mit dem Sieg im DFB-Pokal holt sich der FC Bayern endlich das ersehnte Triple. Hoeneß ist auf der Tribüne mit dabei und wirkt angespannt. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören.

13. Juli 2013

Der SPIEGEL meldet, dass Uli Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann. Die meisten der Straftaten seien nämlich mittlerweile verjährt.

Die Ermittler sollen laut der SZ mittlerweile davon ausgehen, dass Hoeneß im Zuge eines geplanten Steuerabkommens mit der Schweiz anonym seine Steuern nachzahlen wollte. Die Bank soll im Herbst 2012 im Auftrag von Hoeneß die zu zahlende Summe ermittelt haben. Das sind angeblich zwischen 5,8 und 6,8 Millionen Euro – also deutlich mehr, als die Summen, die ursprünglich in der Berichterstattung auftauchten.

Derzeit sind immer noch Einstellung des Ermittlungsverfahrens als auch eine Anklage möglich. Noch immer ist nicht klar, ob die Ermittler die Selbstanzeige anerkennen. Im Fall der Anklage sei es laut SZ aber unwahrscheinlich, dass Hoeneß Haft ohne Bewährung drohe. Gegen Hoeneß liegt noch immer noch ein Haftbefehl vor, der nur gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von fünf Millionen Euro außer Kraft gesetzt wurde.

Drahteln zum Diktat

Hoeneß vor der Steueraffäre: „Ich brauche keine Berater“

Drahteln zum Diktat: Hoeneß über sein Geld: "Ich brauche keine Berater"

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Zudem hat die Münchner Staatsanwaltschaft I im Zusammenhang mit dem Fall Hoeneß ein Verfahren wegen des Verdachts der Bedrohung eingeleitet. Ein Unbekannter habe Hoeneß im Mai eine Morddrohung geschickt. Das Schreiben sei an die Geschäftsstelle des FC Bayern an der Säbener Straße geschickt worden.

Hoeneß sei „allerorten zum Abschuss freigegeben", habe der Unbekannte geschrieben. Außerdem: „Dich haben wir im Fadenkreuz.". Auf dem Schreiben befänden sich zwei gekreuzte Patronen mit dem Zusatz „Hoeneß, diese Patronen sind für Dich bestimmt".

Von

deli

Kommentare (33)

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teer_schweinstueck

06.06.2013, 11:20 Uhr

...ja, der dicke Ulli, der weiß, wen man in der Finanzverwaltung und der bayerischen Staatsregierung schmieren, äh, ansprechen muß...

Steckt den Kerl endlich in den Knast!

Account gelöscht!

06.06.2013, 11:46 Uhr

Hoenoeß "wollte" nachzahlen ???

Wenn das Steuerabkommen in Kraft getreten wäre, dann hätte ihm die Bank das Geld automatisch abgezogen.

Von "wollen" kann m.E. also keine Rede sein.

Vermutlich hat Hoeneß von seiner Bank einfach nur wissen wollen, wieviel man ihm die Bank aufgrund des Abkommens abzieht...

Fred

06.06.2013, 11:47 Uhr

Ganz genau... fasse es nicht, wenn ich hier Sätze lese, wie: "Demnach soll es sich um einen ehemaligen Sachgebietsleiter der Steuerfahndung München gehandelt haben, der mit Hoeneß bekannt sei." oder "Die Ermittler sollen mittlerweile davon ausgehen, dass Hoeneß ... seine Steuern nachzahlen wollte." Es ist eine Frechheit, wie hier wieder mal ein Promi nur wegen seines Vermögens und Einfluß seiner gerechten Strafe entkommt. Diese ganze Politiker- und Richterkaste ist doch korrupt bis ins Mark und gehört aufgeknüpft!Und uns Kleinen greift man immer dreister in die Taschen, bevor wir noch piep sagen können. Seit Jahren verspricht man Steuervereinfachungen und die Abschaffung der ungerechten kalten Progression, welche jede noch so kleine Alibi-Lohnerhöhung im Handumdrehen auffrißt. Dazu eine sich ständig verstärkende Inflation, über deren wahres Ausmaß wir auch nur belogen werden... Und die, die es nun wirklich so dicke haben, dass sie nicht mehr wissen, wohin damit, die betrügen im ganz großen Stil und gehen straffrei aus. Kann gar nicht so viel essen...

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