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12.06.2014

12:44 Uhr

„Neue Fifa errichten“

Blatter hält sich weiter für Mann der Zukunft

Die Führungsspitze und der größte Kontinentalverband im Zwist und die WM-Vergabe 2018 und 2022 unter der Lupe eines Ex-FBI-Mannes. Zum WM-Start gibt die Fifa kein gutes Bild ab. Präsident Blatter sieht das ganz anders.

Fifa-Präsident Joseph Blatter in Sao Paulo. Er kündigte bereits 2011 an, dass die laufende Amtszeit definitiv seine letzte auf dem Fifa-Thron sein werde. ap

Fifa-Präsident Joseph Blatter in Sao Paulo. Er kündigte bereits 2011 an, dass die laufende Amtszeit definitiv seine letzte auf dem Fifa-Thron sein werde.

Sao PauloMachtmensch, Tyrann oder Heilsbringer des Fußballs - die Lehre aus dem Kongress von São Paulo ist auf jeden Fall einfach. Das System Blatter funktioniert wie eh und je. Mit einer Demonstration von Kalkül und Durchsetzungsvermögen hat Fifa-Präsident Joseph Blatter am Vorabend des WM-Anpfiffs wieder einmal gezeigt, wie der Weltverband nach seiner Pfeife tanzt und dabei auch nicht den endgültigen Bruch mit der wichtigsten Fußball-Konföderation gescheut.

Während Europas Vertreter grummelnd als erste WM-Verlierer von dannen zogen, stilisierte sich der 78-Jährige unter dem Applaus der anderen Konföderationsmitglieder zum wiederholten Male in seiner langen Funktionärskarriere zum Mann der Zukunft.

„Kongress, Du entscheidest, wer diese großartige Institution führen soll, aber ich kann sagen, ich bin bereit, dabei zu sein“, sagte Blatter mächtig pathetisch in seiner cleveren Schlussansprache. Mit unglaublichem Geschick platzierte Blatter seine erneute Kandidatur für den Wahl-Kongress 2015 und stellte seine Gegner aus Europa nur einen Tag nach deren per Verbal-Attacke vorgetragener Rücktrittsforderung schlichtweg ins Abseits.

„Meine Mission ist noch nicht beendet, das sage ich Ihnen. Wir werden die neue Fifa errichten“, versprach Blatter den Delegierten aus 209 Fifa-Ländern in der ihm vorbehaltenen Abschlussrede. Die Kontrahenten hatten laut Protokoll keine Chance mehr zu antworten.

WM in Brasilien: Fifa verteilt Geld

Prämien, Einnahmen und Kosten

Die Weltmeisterschaft in Brasilien ist ein Milliardengeschäft für den Weltfußballverband Fifa. Wie sich Einnahmen, Ausgaben und Prämien verteilen.
Quelle: dpa

Milliardengeschäft

Die WM-Gesamteinnahmen der Fifa belaufen sich auf 4,5 Milliarden Dollar. Nach Abzug der Kosten rechnet der Weltverband mit 2,2 Milliarden Dollar.

Nutznießer

Von der Nettoeinnahme werden 1,624 Milliarden Dollar in die Fußball-Entwicklungshilfe (800) oder andere FIFA-Turniere (524) investiert. 200 Millionen Dollar gehen an die nationalen Verbände und 100 Millionen als WM-Hinterlassenschaft an den Gastgeber Brasilien, der seinerseits rund 11 Milliarden Dollar an Infrastrukturkosten für das Turnier gestemmt hat.


Team-Prämien

Insgesamt schüttet die FIFA mit rund 422 Millionen Euro (576 Millionen Dollar) die höchste Summe der WM-Geschichte aus - in Südafrika waren es 2010 rund 420 Millionen Dollar.

Vereine

Die Vereine, die Spieler zur WM abstellen, bekommen insgesamt rund 70 Millionen Dollar Entschädigung.

Vorrunde

Die 16 Teams, die nach der Vorrunde nach Hause reisen müssen, bekommen eine Garantiesumme von 5,8 Millionen Euro.

Achtel- und Viertelfinale

Das Achtelfinale ist knapp 6,6 Millionen Euro wert, der Einzug ins Viertelfinale bringt 10,2 Millionen Euro.

Vize-Weltmeister

Der unterlegene Finalist streicht immerhin noch 18,3 Millionen Euro ein (25 Millionen Dollar).

Weltmeister

Der neue Fußball-Weltmeister kassiert von der FIFA eine Rekordprämie. Der Sieger des Endspiels am 13. Juli bekommt aus dem Topf des Weltverbandes 25,7 Millionen Euro (35 Millionen Dollar).

Der Wahlkampf begann für Blatter schon vor der Ankündigung zur Kandidatur, der allerdings auch noch ein formaler Akt der neuen internen Präsidenten-Prüfung folgen muss. Den Mitgliedsverbänden versprach er nun auch vor Publikum neue Millionenzahlungen aus dem prall gefüllten WM-Geldtopf von 200 Millionen Dollar.

Und dann verkündete er noch, dass er plötzlich den Video-Beweis im Fußball nicht mehr ausschließt. „Warum geben wir den Trainern nicht die Möglichkeit, zwei Entscheidungen anzuzweifeln, wenn sie anderer Meinung sind?“, fragte Blatter.

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