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22.01.2007

10:00 Uhr

Neue Fußballtrainer erfüllen oft nicht die Erwartungen

Was der 1. FC Köln falsch macht

VonOlaf Storbeck

Wenn die Leistungen einer Fußballmannschaft nicht mehr stimmen, muss als erstes meistens der Trainer gehen. Doch die Hoffnungen, dass ein neuer Übungsleiter das Ruder herumreißt, sind demnach fast immer überzogen, zeigt eine ökonomische Studie.

ap

Die Erwartungen waren gewaltig: Zum ersten Heimspiel unter der Ägide von Christoph Daum brachten Anhänger des 1. FC Köln eine Nachbildung der DFB-Meisterschale mit ins Stadion. Daum, so ihre Hoffnung, werde den Traditionsverein aus dem Niemandsland der 2. Bundesliga wieder ganz an die Spitze des deutschen Profi-Fußballs führen. Bislang fehlt vom Daum-Effekt aber jede Spur: Der FC ging beim ersten Spiel unter Daum zuhause gegen den MSV Duisburg mit 1:3 unter und holte aus vier Liga-Spielen nur zwei Punkte; auch aus dem DFB-Pokal ist der Verein ausgeschieden.

Köln ist überall, zumindest im Profifußball – das ist das Ergebnis einer » Studie des niederländischen Wirtschaftswissenschaftlers Bas ter Weel. Akribisch hat der Ökonom der University of Maastricht analysiert, ob kriselnde Fußballmannschaften nach Trainerwechseln wieder erfolgreicher spielen.

Der Wissenschaftler stellt fest: Neue Besen kehren keineswegs besser als die alten. Nur ganz kurzfristig – im ersten Spiel unter einem neuen Trainer – verbessert sich die Leistung der Mannschaft spürbar, danach verschlechtert sie sich in aller Regel wieder deutlich.

Die Hoffnungen, dass ein neuer Trainer das Ruder herumreißt, weil der Spieler zu höheren Leistungen motivieren kann, sind demnach fast immer überzogen „Es gibt so einen Effekt, aber er hält nur sehr kurz an“, schreibt ter Weel. Basis der Untersuchung sind Daten aus der niederländischen Profiliga für die Jahre 1986 bis 2004. In dieser Zeit hat es dort 81 Trainer-Rauswürfe gegeben, bei 103 Fußballlehrern wurde ein auslaufender Vertrag nicht verlängert. „Das Berufsrisiko für Trainer ist groß“, schreibt Ter Weel. „In einer durchschnittlichen Saison tauschen mehr als 50 Prozent der Vereine den Trainer aus, und 44 Prozent der Wechsel erfolgen unfreiwillig.“

Nach einer längeren Serie von Niederlangen steigt die Wahrscheinlichkeit eines Trainer-Wechsels erheblich – wenn eine Mannschaft vier Spiele in Folge spürbar schlechter spielte als im Durchschnitt der Saison, dann muss der Fußballlehrer um seinen Job zittern. Besonders wahrscheinlich ist sein Rauswurf, wenn er vor dem Leistungsabfall des Teams besonders viele neue Spieler geholt hat oder wenn sein Vertrag ohnehin nicht mehr lange läuft. Wenn sich durch eine Serie von Niederlagen der Tabellenplatz des Vereins im Vergleich zum historischen Durchschnitt deutlich verschlechtert, sitzen die Trainer ebenfalls auf einem besonders heißen Stuhl.

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