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14.09.2016

12:16 Uhr

Neuer Uefa-Präsident

Slowene wird Nachfolger von Platini

Das ging schneller als gedacht: Am Mittwochvormittag einigten sich die Delegierten der Landesverbände beim Uefa-Kongress in Athen auf einen Nachfolger von Michel Platini. Dabei setzte sich der Favorit durch.

Aleksander Ceferin (re.) heißt der neue Vorsitzende der Uefa. AFP; Files; Francois Guillot

Der neue Uefa-Chef

Aleksander Ceferin (re.) heißt der neue Vorsitzende der Uefa.

AthenAleksander Ceferin ist mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Uefa-Präsident Michel Platini gekürt worden. Der neue starke Mann der Europäischen Fußball-Union setzte sich am Mittwoch beim außerordentlichen Uefa-Kongress in Athen gegen Michael van Praag aus den Niederlanden mit 42:13-Stimmen durch. Der 48-Jährige krönte damit seine Blitzkarriere vom bislang nur Insidern bekannten slowenischen Verbandschef zu einer der einflussreichsten Figuren im internationalen Fußball-Geschäft.

„Wir sind die Wächter des schönen Spiels. Diese Verantwortung ist mein Kompass und ich möchte die Balance zwischen allen Akteuren bewahren“, sagte Ceferin in seiner eher sachlichen Wahlrede. In seiner ersten Amtszeit muss er die Uefa angesichts der Skandalwirren um Vorgänger Platini und der Unzufriedenheit vieler kleiner Verbände im Verteilungskampf um die Champions-League-Milliarden nach innen wie außen stabilisieren.

Auch der Deutsche Fußball-Bund um Präsident Reinhard Grindel hatte sich für Ceferin ausgesprochen und erwartet von ihm mehr Transparenz und einen moralischen Neuanfang. Der neue Uefa-Chef wurde nur bis zum Frühjahr 2019 gewählt. Dann hätte das Mandat des wegen Ethikvergehen gesperrten Platini eigentlich geendet. In Ceferins verkürzter Amtszeit wird auch die EM-Gastgeberrolle 2024 bestimmt, um die sich der DFB bewerben will.

Aleksander Ceferin: Die wichtigsten Daten und Stationen

Geburtsdatum

Aleksander Ceferin wurde am 13. Oktober 1967 in Ljubljana geboren.

Sein Wahlmotto

Ceferin ging mit dem Motto „Creating the Perfect Balance“ (Die perfekte Balance schaffen) in den Wahlkampf um das höchste Amt im europäischen Fußballverband.

Sein Beruf

Der Slowene ist eigentlich Rechtsanwalt. Er ist Vorsitzender der familieneigenen Kanzlei. Sein Großvater war Jura-Professor, sein Vater gilt als einer der angesehensten Anwälte des Landes.

Seine Funktionärs-Laufbahn

Ceferin ist ein Quereinsteiger: Als Jurist vertrat er Athleten und Sportvereine. Hierdurch entstand der Kontakt zum Fußball. Er gehörte zum Führungsgremium bei Olimpija Ljubljana und wurde 2011 Präsident des slowenischen Verbands. Als Vize-Chef der Rechts-Kommission wirkte er schon bei der Uefa und war ist Mitglied der Disziplinar-Kommission der FIFA. Seit 2016 ist er der Präsident der Europäischen Fußball-Union.

Das Besondere

Ceferin spricht fünf Sprachen fließend, unter anderem Italienisch und Englisch. Außerdem trägt Ceferin beim Karate den schwarzen Gürtel.

Vor der Wahl beschäftigte sich die Uefa aber mit ihrer Vergangenheit. Noch einmal durfte der unfreiwillig scheidende Chef Platini reden, zeigte sich dabei weiter keiner Schuld bewusst und wurde von den Delegierten mit freundlichem Applaus verabschiedet. „Sie müssen nur wissen, dass ich ein ruhiges Gewissen habe und ich überzeugt bin, keinen einzigen Fehler gemacht zu haben“, sagte der Franzose bei seiner rund achtminütigen Ansprache.

Van Praag hatte in seiner Rede die Delegierten nicht mehr überzeugen können. Mit Zitaten von Rolling Stones Frontmann Mick Jagger versuchte er Skepsis aufgrund seines Alters zu entkräften. Programmatisch hatte der 68-Jährige allerdings keine revolutionären Ideen parat. Sein Vorschlag das Alterslimit von 70 auf 75 Jahre anzuheben, steht den sonstigen Reformbestrebungen in der von Skandalen erschütterten Funktionärswelt entgegen.

Ceferin deutete einen Vier-Punkte-Plan an, der unter anderem die Diskussion über Mandatsbeschränkungen und die Einführung einer Compliance-Abteilung vorsieht. Kritik an fehlender Erfahrung im Funktionärsbusiness wies er zurück. „Wenn man immer laut sagt, ein Anführer zu sein, ist man es wahrscheinlich nicht“, betonte der Rechtsanwalt. „Ich bin kein Showman, keine Egomane und kein Mann unhaltbarer Versprechen“, ergänzte er.

Berichte, nur ein vorgeschobener Kandidat anderer Führungskräfte zu sein, hatte er immer energisch zurückgewiesen. „An einem Tag bin ich die Marionette von (FIFA-Präsident Gianni) Infantino, am nächsten Tag die Marionette von Platini, am dritten Tag eine russische Marionette. Die Leute haben offensichtlich ein Problem damit, zu verstehen, dass ich unabhängig bin.“

Von

dpa

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