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13.12.2012

18:03 Uhr

Neues Sicherheitskonzept

Fans und Vereine sind jetzt am Ball

Das umstrittene Sicherheitskonzept für den deutschen Profifußball ist durch, allerdings steht der Handschlag mit den Fans noch aus. In den Stadien sind weitere Proteste geplant. Jetzt sind die Vereine gefragt.

„Wollt ihr das?“ Proteste in Leverkusen gegen das neue Sicherkeitskonzept. dpa

„Wollt ihr das?“ Proteste in Leverkusen gegen das neue Sicherkeitskonzept.

Frankfurt am MainDas Sicherheitskonzept ist durch, der Frieden im deutschen Fußball muss aber erst wieder hergestellt werden. Nachdem die 36 Proficlubs das umstrittene und modifizierte Sicherheitskonzept abgesegnet haben, sind weitere Proteste in den Bundesliga-Stadien geplant. „Ja, die wird es geben, auch weil die Debatte im Vorfeld so symbolisch überhöht war und das Ergebnis aus Fan-Perspektive nicht zufriedenstellend ist“, sagte Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), der Nachrichtenagentur dpa.

Gabriel geht davon aus, dass der Widerstand auch weiterhin beeindruckend und konstruktiv sein wird. „Das bedeutet: Hallo, wir sind da, wir wollen eingebunden und ernst genommen werden. Das ist der Subtext, der in den Protesten steckt. Wir hoffen, dass dieses Signal angekommen ist“, erklärte er. Der Sprecher der „12:12“-Kampagne in Dortmund warnte vor einer Trotzreaktion radikaler Fans. „Damit werden die Hardliner bestätigt, die sagen, wir müssen radikaler vorgehen“, sagte Jan-Henrik Gruszecki der Nachrichtenagentur dpa. „Das wäre das Dümmste, was passieren könnte. Aber es ist natürlich schwer zu argumentieren, warum sollten wir uns zurückhalten, wenn die sowieso mit uns machen, was sie wollen.“

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Der sichtlich erleichterte Ligapräsident Reinhard Rauball hatte nach der Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt/Main versprochen: „Wir werden die Prävention und den Dialog weiter verbessern, das steht klar im Vordergrund.“ Der bezahlte Fußball wird sich zudem mit weit mehr als den bisher drei Millionen Euro jährlich an Fanprojekten beteiligen, die Politik hatte 10 Millionen gefordert. Eine konkrete Summe nannte Rauball nicht. „Es hat keinen Zweck, dass wir unsere Beiträge signifikant erhöhen und sich die öffentliche Hand zurückzieht“, meinte der Präsident von Meister Borussia Dortmund.

Die 600 Fans aus verschiedenen Vereinen, die bei Eiseskälte stundenlang vor dem Tagungshotel ausgeharrt hatten, gaben sich - bis auf einen Böllerschuss - friedlich. „Ich gehe davon aus, dass ab morgen, wenn der letzte Spieltag der Hinrunde beginnt, auf jeden Fall noch einmal zwölf Minuten und zwölf Sekunden geschwiegen wird“, sagte Philipp Markhardt, Sprecher von „ProFans“ und der „12:12“-Kampagne am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Alles weitere müsse man in der Winterpause sehen. Mit der von der Ultra-Szene initiierten Schweigeaktion hatten Anhänger an den vergangenen drei Spieltagen beeindruckt.

Über die bevorstehende Winterpause dürfte so mancher Funktionär heilfroh sein. Denn in den vergangenen Monaten wuchs die Kluft zwischen den Großverdienern und Entscheidern an der Spitze der Proficlubs und Verbände sowie den Anhängern in den Kurven. „Der Ligaverband muss jetzt den Fans erst einmal vermitteln, dass sie großen Anteil daran hatten, dass die Maßnahmen moderater als ursprünglich geplant ausfallen“, sagte Axel Hellmann. Das Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt saß in der Kommission, die den ersten, so hart kritisierten Entwurf ausgearbeitet hatte.

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