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15.06.2014

08:15 Uhr

Niersbach gegen Zwanziger

Fußball-Funktionäre werfen mit Schlamm

Zwischen DFB und Ex-Chef Theo Zwanziger ist es zum offenen Bruch gekommen. Das Präsidium weist die heftige Kritik an Nachfolger Wolfgang Niersbach zurück und fordert persönliche Konsequenzen. Das lehnt Zwanziger ab.

Theo Zwanziger (l.) und Wolfgang Niersbach bei einer Pressekonferenz: Verbalattacke und Rücktrittsforderung. dpa

Theo Zwanziger (l.) und Wolfgang Niersbach bei einer Pressekonferenz: Verbalattacke und Rücktrittsforderung.

BerlinIn einem bisher einmaligen Vorgang hat das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) das deutsche FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger zum Rücktritt aufgefordert. Das Gremium reagierte damit auf die heftige Verbalattacke des früheren DFB-Präsidenten, der seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach in einem Interview der „Rhein-Zeitung“ (Samstag) die Vorbildfunktion abgesprochen und Heuchelei vorgeworfen hatte.

Das DFB-Präsidium warf Zwanziger vor, persönliche Motive über die Interessen des Fußballs zu stellen. „Da er nach Einschätzung des Gremiums auch in der FIFA nicht die Interessen des deutschen Fußballs angemessen vertritt, fordert das Präsidium des DFB Theo Zwanziger auf, von seinem Amt im Exekutivkomitee des Weltverbandes zurückzutreten“, hieß es in einer Presseerklärung vom Samstag.

Zwanziger, dessen Amtszeit in der FIFA-Exekutive noch bis Mai 2015 läuft, lehnte dies im Internetportal Sport1 ab. Er werde „natürlich nicht“ zurücktreten. Niersbach könne ja mit FIFA-Präsident Joseph Blatter einmal darüber sprechen. Zur Kritik des DFB meinte er: „Darüber kann ich nur lachen.“

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Milliardengeschäft

Die WM-Gesamteinnahmen der Fifa belaufen sich auf 4,5 Milliarden Dollar. Nach Abzug der Kosten rechnet der Weltverband mit 2,2 Milliarden Dollar.

Nutznießer

Von der Nettoeinnahme werden 1,624 Milliarden Dollar in die Fußball-Entwicklungshilfe (800) oder andere FIFA-Turniere (524) investiert. 200 Millionen Dollar gehen an die nationalen Verbände und 100 Millionen als WM-Hinterlassenschaft an den Gastgeber Brasilien, der seinerseits rund 11 Milliarden Dollar an Infrastrukturkosten für das Turnier gestemmt hat.


Team-Prämien

Insgesamt schüttet die FIFA mit rund 422 Millionen Euro (576 Millionen Dollar) die höchste Summe der WM-Geschichte aus - in Südafrika waren es 2010 rund 420 Millionen Dollar.

Vereine

Die Vereine, die Spieler zur WM abstellen, bekommen insgesamt rund 70 Millionen Dollar Entschädigung.

Vorrunde

Die 16 Teams, die nach der Vorrunde nach Hause reisen müssen, bekommen eine Garantiesumme von 5,8 Millionen Euro.

Achtel- und Viertelfinale

Das Achtelfinale ist knapp 6,6 Millionen Euro wert, der Einzug ins Viertelfinale bringt 10,2 Millionen Euro.

Vize-Weltmeister

Der unterlegene Finalist streicht immerhin noch 18,3 Millionen Euro ein (25 Millionen Dollar).

Weltmeister

Der neue Fußball-Weltmeister kassiert von der FIFA eine Rekordprämie. Der Sieger des Endspiels am 13. Juli bekommt aus dem Topf des Weltverbandes 25,7 Millionen Euro (35 Millionen Dollar).

Zwanziger hatte in dem Interview gegen Niersbach mächtig vom Leder gezogen. Man könne sich „doch nicht bei Hunderttausenden von Menschen, die unter Ehrenamt im Fußball etwas ganz anderes verstehen, aus der Kasse des DFB Vergütungen in einer deutlich sechsstelligen Größenordnung zahlen lassen“, kritisierte er seinen Nachfolger und fügte hinzu: „Das ist Heuchelei. Der DFB ist schließlich ein gemeinnütziger Verband.“

Für Zwanziger sei eine Vorbildfunktion Niersbachs, „die man gemeinhin an einen ehrenamtlichen Präsidenten knüpft, nicht gegeben. So zu tun, als sei man aus einem Hauptamt ausgeschieden und wäre jetzt quasi der Heilsbringer der Nation und verzichte auf viel Geld; nein, das hat mir damals nicht gefallen und gefällt mir auch heute nicht“, begründete er seine Abkehr vom DFB.

Der 69-Jährige bemängelte, dass beim Wechsel an der DFB-Spitze „ein Weg gewählt wurde, den ich nicht akzeptiert habe. So wurde offenbar, wie es der DFB in einer Presseerklärung eingeräumt hat, über eine Betriebsrente ein Ausgleich zwischen der Aufwandsentschädigung für einen DFB-Präsidenten und dem Gehalt eines Generalsekretärs gesucht.“ Diesen Posten hatte Niersbach zuvor bekleidet. In Sport1 meinte Zwanziger: „Ich empfehle, die Höhe dieser Rente einmal zu nennen. Da müssen andere Ehrenamtler lange für stricken.“

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