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27.05.2011

17:38 Uhr

Noch keine WM-Euphorie

„Die Frauen kicken in einer anderen Liga“

VonRafael Bujotzek, Marc Renner

ExklusivIn gut einem Monat beginnt die Frauen-Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Die Wirtschaft scheint das Thema bislang kalt zu lassen. Dabei sehen Experten gute Chancen für Unternehmen, das Turnier für sich zu nutzen.

Das Maskottchen der Frauen-Fußball-WM: Karla Kick. Quelle: dpa

Das Maskottchen der Frauen-Fußball-WM: Karla Kick.

DüsseldorfFrauenfußball ist in Deutschland beliebt. Knapp 18 Millionen Deutsche interessieren sich dafür. Das hat das Kölner Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Sport+Markt ermittelt. "Das meiste Interesse wird dabei über die Nationalmannschaft generiert", erklärt Alexander Krause, Head of PR bei Sport+Markt, im Gespräch mit Handelsblatt Online. Und die hat in exakt einem Monat ihren ersten großen Auftritt: Denn dann wird im Olympiastadion in Berlin das Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM 2011 zwischen der DFB-Auswahl und Kanada angepfiffen. Und vier Wochen später am 17. Juli wollen nicht nur die Spielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid am liebsten ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen. Auch so manches Unternehmen möchte sich nur allzu gerne zu den Gewinnern zählen.

Der Fußball "Speedcell" von Adidas ist der offizielle Spielball der Frauen Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Quelle: dapd

Der Fußball "Speedcell" von Adidas ist der offizielle Spielball der Frauen Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland.

Der Panini-Verlag zum Beispiel, dessen Sammelalben für Abziehbilder schon seit Generationen Kult sind. Erstmals überhaupt bringen die Italiener ein Album mit den Fotos der 16 Frauen-Mannschaften in den Handel, ab Dienstag sind die Bildchen zu haben. Auch die Sportartikelindustrie will das Event für sich nutzen und hofft auf den großen Mode-Kick. Nike, Adidas & Co. bieten unter anderem spezielle Trikots mit femininen Schnitten und Designs an, wollen zugleich ihre Damen-Kollektionen insgesamt stärker in den Markt drücken. "Die Frauen-WM ist eine große Chance, unsere Marke beim weiblichen Geschlecht gezielt nach vorne zu bringen", kündigte Markus Baumann, Vice President der Geschäftseinheit Fußball bei Adidas, schon vor einiger Zeit im Interview mit Handelsblatt Online an. Und auch Brauerein und die Fähnchen-Produzenten wollen wieder einen Reibach machen.

Frauen-Fußball-WM 2011: Sportartikler hoffen auf den großen Mode-Kick

Frauen-Fußball-WM 2011

Sportartikler hoffen auf den großen Mode-Kick

Die Frauen-Fußball-WM bietet eine enorme Chance, die Brücke von Sport zur Mode zu schlagen. Die Trikothersteller versuchen das Event für sich zu nutzen. Das Balgen um Stars und Marketingstrategien hat längst begonnen.

Doch außerhalb der sportlichen Standard-Maschinerie passiert bislang recht wenig, was nach einem Großereignis aussieht. Bei einer Fußball-Weltmeisterschaft der Männer etwa läuten Hersteller von Unterhaltungselektronik regelmäßig neue Produktzyklen ein, Elektronik-Handelsketten werben schon Wochen vor dem ersten Anpfiff mit eigenen WM-Prospekten, Brauereien bringen Bierfässer in Schwarz-Rot-Gold auf den Markt. 2011 ist von alldem bislang kaum etwas zu sehen. Sportsponsoring-Experte Krause wundert das nicht: "Man darf einfach nichts im Sport mit einer Männer-WM im Fußball vergleichen", sagt er. "Das, was wir 2006 erlebt haben, und der Männerfußball im Allgemeinen schweben in komplett anderen Sphären als der restliche Sport in Deutschland. Sie werden nichts finden, was annähernd diesen Hype und diese Euphorie erzeugen kann. Die Frauen kicken", urteilt Krause, "was die Aufmerksamkeit angeht einfach in einer andere Liga. Daran wird auch diese WM auf lange Sicht nichts ändern."

Dennoch sieht der Sportsponsoring-Experte gute Chancen für Unternehmen, das Event erfolgreich für die Positionierung von Werbebotschaften zu nutzen. "Die Spiele der deutschen Mannschaft bei der WM sind ja auch schon seit geraumer Zeit ausverkauft. Das alleine ist beeindruckend und zeigt ein großes Interesse", urteilt Krause. Auch der Alleinstellungsfaktor sei für Werbetreibende bei der Frauen-WM höher.

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