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18.01.2017

09:44 Uhr

Offener Brief an Lukas Podolski

Komm nach Japan, Poldi-kun!

VonMartin Kölling

Ein Wechsel nach China? Lieber Lukas Podolski, kommen Sie vom Bosporus doch lieber nach Japan! Es gibt so viele Gründe für das Land der aufgehenden Sonne – auch sportlich. Ein offener Brief an einen Weltmeister.

Für welches Land wird sich der Weltmeister entscheiden? dpa

Lukas Podolski

Für welches Land wird sich der Weltmeister entscheiden?

Lieber Lukas Podolski,
der Bild-Zeitung entnahm ich, dass nicht nur die Chinesen um Sie buhlen, sondern auch der japanische Club Vissel Kobe. Falls das stimmt und Sie noch schwanken sollten, hier ein unerbetener Rat aus der ostasiatischen Ferne von einem China-Kundler, der in Japan lebt: Wählen Sie Japan.

Ich weiß ja nicht, wie viel Geld die Chinesen auf den Tisch legen. Vielleicht ja sogar noch mehr als die acht Millionen Euro pro Jahr, die laut Bild Kobe bietet. Aber bei all meiner Liebe zu China, für einen Fußballer ist Japan die bessere Wahl. Mit Abstand.

Die Luft ist viel besser, das Essen fantastisch. Kein Land hat mehr Sterne-Restaurants als Japan. Das Internet rast und kriecht nicht dahin wie in China; zudem sind Facebook, Twitter und westliche Zeitungen nicht geblockt.
Und dann sind da noch die fantastisch hingebungsvollen Fans, besonders die weiblichen, die ihre Mannschaften selbst bei bitteren Niederlagen anfeuern. Selbst Pierre Littbarski und Guido Buchwald wurden hier zu Idolen – und die sind nicht einmal halb so cool wie Sie.

Poldi auf japanisch: So funktionieren Anreden

Nachname vor Vorname

In Japan wird der Nachname grundsätzlich vor dem Vornamen genannt, aus Lukas Podolski würde also Podolski Lukas. Personen mit dem Vornamen anzusprechen, ist dabei nur unter Familienmitgliedern und sehr engen Freunden üblich und gilt andernfalls – auch mit Namenszusatz – als grob unhöflich.

Nachsilben

In Japan wird gesellschaftliche Stellung, Grad der Vertrautheit und persönliche Beziehung durch an den Namen angehängte Suffixe ausgedrückt. So würde Lukas Podolski in Japan von Fans wohl „Poldi-kun“ gerufen – was in diesem Kontext die selbe Funktion erfüllt, wie ihn im Deutschen „Poldi“ zu nennen, nämlich Zuneigung auszudrücken.

Alltag

Im Alltag würde man ihn allerdings mit „Podolski-san“ ansprechen, was schlicht einem „Herr Podolski“ entspricht. Einige Suffixe im Überblick.

-sama

Das Suffix, das größtmögliche Höflichkeit ausdrückt und am ehesten mit „verehrte/r“ übersetzt werden kann. Benutzt wird es beispielsweise gegenüber höher stehenden Persönlichkeiten und Autoritätspersonen, aber auch von Angestellten und Ladeninhabern gegenüber Kunden.

-san

Das „Alltags-Suffix“ das in der normalen Anrede unter Erwachsenen verwendet wird und in etwa dem normalen Siezen im Deutschen entspricht. Unter Freunden kann ein -san auch an den Vornamen angehängt werden.

-kun

Das Suffix „-kun“ stellt die normale Anrede von Jugendlichen untereinander dar, auch Lehrer reden ihre Schüler mit „-kun“ an. Und natürlich Fußballfans beliebte Spieler ihres Teams.

-chan

Verniedlichungsform, eigentlich nur gegenüber kleinen Kindern benutzt. Allerdings gibt es Ausnahmen: -chan nennen sich auch eng befreundete Mädchen und Frauen untereinander, als Suffix wird es auch für niedliche Tiere gebraucht.

Weitere Anreden (1)

Im japanischen gibt es noch mehrere weitere Namenszusätze, beispielsweise für verschiedene Positionen in einer Firma, Geschwister oder die Eltern. Der akademische Doktortitel etwa wird in Japan durch ein an den Namen angehängtes -hakase kenntlich.

Weitere Anreden (2)

Auch im Deutschen relativ bekannt ist das -sensei, das sowohl als Suffix als auch als eigenständige Anrede benutzt werden kann und soviel wie „Meister“ bedeutet. In Deutschland eigentlich nur für Kampfsportlehrer verwendet, findet es im japanischen auch Anwendung bei Ärzten oder Künstlern, grundsätzlich also Leuten, die bestimmte Fertigkeiten haben.

Ich kann mir schon ausmalen, was Ihnen hier blüht: Die Japaner werden Sie Poldi-kun rufen. Kun ist ein Wort, dass gerne an die Namen von Jungen aber auch Männern angehängt wird, um Vertrautheit auszudrücken.

Japanischer Milliardär Hiroshi Mikitani: Mann mit Mission – und Poldi-Faible

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Premium Mann mit Mission – und Poldi-Faible

Ein japanischer Provinzverein will Lukas Podolski verpflichten. Geld dürfte kein Problem sein, denn dahinter steckt der Milliardär Hiroshi Mikitani. Er ist so etwas wie die japanische Antithese von Amazon-Chef Bezos.

Die weiblichen Fans werden „kawaii“ kreischen, was so viel heißt wie „Ach, ist der süß.“ Und womöglich wird es Maskottchen und Manga-Zeichnungen von Ihnen geben.

Auch fußballerisch wäre für mich Japan die erste Wahl. Die Plätze sind genauso groß wie in Europa, die Spieler aber im Schnitt kleiner. Das müsste Ihnen als Klassestürmer entgegenkommen.

Gleichzeitig ist das Niveau der J. League höher als anderswo in Asien. Japan hat schließlich schon viele gute Spieler exportiert.

Kommentare (3)

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Herr Percy Stuart

18.01.2017, 13:32 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Percy Stuart

18.01.2017, 13:35 Uhr

AsianScientist (Jan. 17, 2017) - Nocturnal local winds were responsible for transporting radioactive material over 200km from the Fukushimia Daiichi nuclear accident to the Tokyo metropolitan area. These findings by researchers from the University of Tokyo have been published in Scientific Reports. Read more from Asian Scientist Magazine at: http://www.asianscientist.com/2017/01/in-the-lab/winds-radioactive-materials-fukushima-tokyo/

http://www.asianscientist.com/2017/01/in-the-lab/winds-radioactive-materials-fukushima-tokyo/

Herr Percy Stuart

18.01.2017, 13:41 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich

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