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08.11.2013

11:31 Uhr

Olaf Bodden

Vom Modellathleten zum Pflegefall

Früher war Olaf Bodden der Modellathlet unter den Fußballern: 1,92 Meter groß, 95 Kilo schwer – allein schon mit seiner Statur imponierte er den Gegenspielern. Inzwischen kommt er ohne fremde Hilfe nicht aus dem Bett.

Olaf Bodden (r.) noch zu seinen besten Zeiten. Inzwischen ist der ehemaliger Stürmer von 1860 München bettlägerig. dpa

Olaf Bodden (r.) noch zu seinen besten Zeiten. Inzwischen ist der ehemaliger Stürmer von 1860 München bettlägerig.

MünchenDer langjährige Profi des TSV 1860 München ist zum Pflegefall geworden. Schon seit fast 16 Jahren leidet Bodden am Chronischen Erschöpfungssyndrom, seit mehr als einem halben Jahr kommt er ohne fremde Hilfe nicht mehr aus dem Bett. Die Behandlungen sind aufwendig und teuer, Boddens Psyche ist am Boden. Für etwas Auftrieb soll am Sonntag (18.15 Uhr) ein Benefizspiel sorgen, das frühere Münchner Weggefährten für ihn organisiert haben.

Thomas Häßler, Horst Heldt, Olaf Marschall und Thorsten Fink haben sich wie Reiner Calmund und Friedhelm Funkel im Grünwalder Stadion angesagt, um Bodden zu unterstützen. Alle Einnahmen aus dem Gute-Zweck-Kick in München-Giesing kommen dem 45-Jährigen zugute, der mit dem einstigen Kraftprotz Bodden längst nichts mehr gemeinsam hat. „Vor 18 Jahren bin ich dort im ersten und letzten Bundesligajahr, das wir mit 1860 im Grünwalder Stadion gespielt haben, eingelaufen. Jetzt werde ich wahrscheinlich im Bett hineingeschoben“, kommentiert er.

Das Drama beginnt im Jahr 1996. Die deutsche Nationalmannschaft ist gerade in England Fußball-Europameister geworden, als Boddens Körper erstmals streikt. Er erkrankt am Pfeifferschen Drüsenfieber und muss monatelang aussetzen, anstatt für die Münchner „Löwen“ in der Bundesliga auf Torejagd zu gehen. Im Frühjahr 1997 gibt er sein Comeback, sorgt mit einem Dreierpack gegen Arminia Bielefeld nicht nur bei seinem Trainer Werner Lorant für Begeisterung. Diese 90 Minuten aber werden seine letzten wirklich erfolgreichen bleiben.

Kommentare (1)

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Medizinprofessor

08.11.2013, 12:29 Uhr

Es ist Zeit, dass in deutschen Medien mehr über dieses schwere Leiden berichtet wird. Leider wird es nach wie vor viel zu sehr mit psychischen Ursachen in Verbindung gebracht.
In Deutschland wäre es längst überfällig ein Schwerpunktzentrum für dieses umfassende und vielseitige Krankheitsbild in einem großen medizinischen Zentrum umzusetzen. Leider fehlt auch vielen Ärzten bisher der Mumm und auch die nötige Zivilcourage, sich gegen die eigene Standesvertretungen durchzusetzen.
Es bleibt zu hoffen, dass insbesondere mit Unterstützung der Medien sich in naher Zukunft für diese schwerkranken Menschen, mehr tun wird, was zur Klärung wesentlicher Ursachen dieser Krankheit beiträgt.
Vielschichtig dürfte sicher die Verursacherliste sein. Von Impfstoffen über Viren bis zu Unverträglichkeiten bestimmter Narkotika und anderer Nahrungszusatzmittel wie Glutamat, die daran in der einen oder anderen Weise beteiligt sind, werden wir noch manche Überraschung und Bestätigung erfahren, wie sie auch in jüngerer Zeit vom Amerikaner Lipkin, als altem erfahrenen Virusjäger, veröffentlicht wurden.

>>Insbesondere mancher deutscher Kollege wird sich in nächster Zeit darauf einstellen müssen, diese schwerkranken CFS-Patienten endlich ernst zu nehmen und für die Zukunft einigermaßen annehmbare und vertretbare Therapien diesen zu zu führen, die sicherlich nicht in einer Einweisung in eine psychiatrische Klinik, wie bisher oft üblich, Sinn machen!.<<

Ich wünschte mir mehr solcher neutralen Veröffentlichungen über die CFS-Krankheit in Deutschland und beglückwünsche das Handelsblatt zu diesem Artikel.

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