Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.10.2012

17:40 Uhr

Oliver Bierhoff im Interview

„Vieles wurde oberflächlich bewertet“

VonMichael Rosentritt
Quelle:Tagesspiegel

Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden nutzt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff die Chance, mit einigen Vorwürfen aufzuräumen. Verweichlichung, Überversorgung gäbe es nicht – und auch keine Probleme mit Jogi Löw.

Oliver Bierhoff spricht zur Lage der Nationalelf. AFP

Oliver Bierhoff spricht zur Lage der Nationalelf.

BerlinHerr Bierhoff, wann haben Sie das letzte Mal ein Spiel der Nationalelf genossen?
Bei der EM gegen Griechenland, der Sieg bedeutete den Einzug ins Halbfinale.

Und das 6:1 in Dublin nicht?

Auch, schon, aber wenn man gegen Ende so klar gewinnt, ist die Freude manchmal geringer, so widersprüchlich das auch klingt. Wichtig war, dass wir das Spiel kontrolliert und bestimmte Dinge einfach gut umgesetzt haben. Aber Genuss hängt für mich nicht nur davon ab, dass alles perfekt läuft, sondern auch, wenn man sich ein Ergebnis auch mal erkämpft, so wie wir das bei der EM gegen Portugal und Holland gemacht haben.

Gegen Griechenland war es etwas spektakulärer, damals natürlich in der Hoffnung, dass es einen Schub geben kann.

Gab es nicht, vielmehr folgte das EM-Aus. Seitdem herrscht eine große Schwierigkeit der Einordnung: Was war die EM denn nun: ein gutes oder ein schlechtes Turnier?

Hier ist die Bewertung zugegeben schwer. Die Erwartungshaltung war sehr hoch, auch bei uns. Ich bleibe bei meiner ersten Einschätzung: Die EM war erfolgreich, aber das Ausscheiden enttäuschend. Nun müssen wir sehen, dass wir einen neuen Anlauf starten. Wir dürfen uns nicht davon zurückwerfen lassen, dass wir mal wieder unter den letzten Vier gewesen sind. Das für sich ist ein Erfolg.

Das Scheitern gegen Italien hatte lange Ausläufer. Auch weil man den Eindruck hatte, dass sich Team und Trainer nicht richtig mit dem Aus auseinandergesetzt haben. Täuscht der Eindruck?

Ich nehme die Reaktion der enttäuschten Fans ernst, ich halte sie auch für normal. Es gibt dafür genügend Beispiele in der Fußball-Geschichte. Die emotionale Bindung unserer Fans zur Mannschaft ist groß, denn nichts anderes bedeutet ja die Reaktion der Enttäuschung. Diese war nicht von den Medien geschürt, sondern sie wurde von jedem Fan gelebt. Das habe ich auch in meinem Freundes- und Familienkreis so erfahren und miterlebt.

Den Enttäuschten fehlte eine verständliche Erklärung.

Ich finde, dass in der Analyse und Nachbetrachtung vieles oberflächlich bewertet wurde. Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns in der Leitung intensiv mit dem Aus beschäftigt haben, uns auch selbst hinterfragt haben und dies weiterhin tun. Natürlich haben wir uns nach der heftigen Kritik gefragt, was gut war, was schlecht und wo man noch Luft hat. Bei aller Diskussion ist es jetzt wichtig, konzentriert zu arbeiten und nach vorne zu schauen.

Die öffentliche Aufarbeitung des Ausscheidens durch den Bundestrainer wurde als unglücklich empfunden. Wie haben Sie den Trainer erlebt?

Joachim Löw hat schon im Flieger zurück von der EM gesagt, dass sein Plan nicht aufgegangen ist und er dafür die Verantwortung übernimmt. Insofern hat er ja ein paar Dinge angesprochen, aber es ist irgendwie nicht angekommen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

svebes

17.10.2012, 09:19 Uhr

na ja, Herr Bierhoff. Das hier eine Krähe der anderen kein Auge aushackt îst eh klar. Trainer werden an Erfolgen gemessen, bei dem Löw sind seit Jahren keine Erfolge zu verzeichnen und das trotz besten Spielern. Ihre Affinität zu dem Löw ist sicherlich auch in der gemeinsamen Zweitklassigkeit zu finden. Über andere konnten sie ja auch mit am Tellerrand des Erfolgs schnuppern. Wie der Löw als Cotrainer. Jetzt haben sie beide auch einen leistungsunabhängigen Job - klar gefällt das wenn man nicht bringt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×