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20.05.2014

07:40 Uhr

Online-Petition

Mehr als 20.000 Fans gehen gegen Torklau vor

VonAnis Micijevic

Das nicht gegebene Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München erhitzt weiter die Gemüter der Fußballfans. Eine Online-Petition fordert eine unabhängige Untersuchung und findet viele Unterstützer.

Die Online-Petition gegen den Torklau von Berlin. Der Pfeil verweist auf den Linienrichter. Die Fahne ist unten. Hat er durch den ausgestreckten Arm auf die Mittellinie gewiesen und damit Tor angezeigt? Fotoquelle: Screenshot der Internetseite, die sich laufend aktualisiert.

Die Online-Petition gegen den Torklau von Berlin. Der Pfeil verweist auf den Linienrichter. Die Fahne ist unten. Hat er durch den ausgestreckten Arm auf die Mittellinie gewiesen und damit Tor angezeigt?

Fotoquelle: Screenshot der Internetseite, die sich laufend aktualisiert.

DüsseldorfDFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, 64. Minute: BVB-Verteidiger Mats Hummels köpft den Ball in Richtung Bayern-Gehäuse, Manuel Neuer ist bereits überwunden, doch Dante klärt auf der Linie. Kein Tor, entscheidet Schiedsrichter Florian Meyer. Die Dortmunder Fans schreien auf, genauso BVB-Coach Jürgen Klopp. Der Ball war doch klar drin, ist sich Schwarz-Gelb einig.

Die Fernsehbilder deuten darauf hin, dass Borussia Dortmund im Recht ist: Aus verschiedenen Perspektiven sieht es so aus, als ob sich der Ball zum Zeitpunkt der Intervention des Bayern-Verteidigers bereits mit vollem Umfang hinter der Linie befindet. Zu diesem Zeitpunkt steht es noch 0:0. Es bleibt Spekulation, ob die Bayern auch einen Rückstand am Ende in einen Sieg umgewandelt hätten.

Die umstrittene Spielszene lässt auch noch zwei Tage später die Netzgemeinde toben: Auf Facebook kursieren hämische Fotos von Dortmund-Fans, die per Bildbearbeitung die Torlinie kurzerhand mitten ins Tor hineinretuschiert haben, um die Entscheidung von Florian Meyer sarkastisch zu legitimieren.

Tor oder nicht Tor? Streit um die richtige Technik

Pokalfinal 2014

Das vermeintliche Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 hat die Diskussionen um die Einführung der Torlinientechnik wieder ausgelöst. Aber selbst wenn die Entscheidung der Clubs im März des Jahres anders ausgefallen wäre, hätte es dem BVB am Samstag nichts genutzt.

Warum gibt es keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März 2014 hatten die 36 Proficlubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweitligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Was denken die Borussen und die Bayern?

Beide Clubs waren für die Einführung der Technik. „Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren. Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen“, hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals erklärt.

Warum war das Votum so eindeutig?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Clubs abgeschreckt. Zwischen 250 000 und 500 000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Was wäre, wenn die Clubs für die neue Technik gestimmt hätten?

Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Dem BVB hätte es am Samstag nichts gebracht. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurclubs wären die Kosten für die Installation zu hoch gewesen. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Wie reagierten die Dortmunder auf die Szene?

Beim BVB saß die Wut noch lange nach dem Spiel tief, Trainer Jürgen Klopp war fassungslos. „Andere Gremien sind gefordert, dass so etwas nicht mehr vorkommt“, rief Nationaltorwart Roman Weidenfeller die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs zum Handeln auf. Hummels selbst schlug vor: „Zwei Videobeweise pro Halbzeit oder pro Mannschaft, das würde alles ein bisschen einfacher machen.“

Ist die Torlinientechnik endgültig vom Tisch?

Für die „nahe Zukunft“ werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden. Das passierte dann auch.

Wo gibt es die neue Technik?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter.

Wer setzt auf Torrichter?

Die UEFA setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter.

Was passiert in anderen Ländern?

In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz - und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr am Handgelenk des Referees vibriert und blinkt. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die UEFA auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.

Die Bayern-Fans hingegen verweisen auf die mutmaßliche Abseitsstellung von Hummels, kurz bevor er zum Kopfball ansetzte. BVB-Fans kontern mit dem Argument, dass nur seine Hand im Abseits war, also ein Körperteil, mit dem man keine Tore erzielen darf, was folglich bedeute, dass Hummels gar nicht im Abseits stand.

Das nicht gegebene Tor hat nun sogar dazu geführt, dass ein langjähriger Dortmund-Fan eine Online-Petition gestartet hat, die eine unabhängige Untersuchung des DFB fordert. Die Petition läuft seit Sonntagabend und hat knapp zwei Tage später bereits mehr als 22.000 Unterzeichner gefunden.

Es verwundert kaum, dass die meisten aus Dortmund kommen, dennoch scheint die Aktion auch in anderen Teilen der Republik einen Nerv zu treffen. Davon zeugt auch die Popularität von Internetportalen, die Ergebnisse und Tabellen bereinigt von Fehlentscheidungen veröffentlichen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.05.2014, 12:23 Uhr

Warum eigentlich nicht der Video-Beweis? Heutzutage gibt es ja Sorftware (oft auch bei Sport1 gezeigt) mit der man Objekte am Spielfeld perspektivisch aus unterschiedlichen Richtungen ansehen kann.

Über Genauigkeiten kann ich nichts sagen, aber bei Einführung einer solchen Technik, sollte man mal wissen, wie die entsprechende Spec des Systems aussieht.

Aber zum Spiel Dortmund-Bayern. Da gabe es zuvor eine Szene, da wurde ein Angriff der Bayern wegen Abseits abgepfiffen... und es war eindeutig kein Abseits. Die BVB-Abwehr war ausgespielt. Zwei Bayern-Spieler allein vor Weidenfellner. Ich würde sagen, dass ist mit 80% Wahrscheinlichkeit ein Tor...

nach dem direkten Frust der Niederlage sollten auch bei den Dortmundern auch diese Szenen wieder etwas präsenter sein... Die Entscheidung mit dem Tor mag falsch sein... verpfiffen wurde der BVB aber nicht!

Account gelöscht!

20.05.2014, 13:11 Uhr

#TomXXX

An die Nicht-Abseitsstellung von Bayern-Spielern kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber nach meinem Empfinden haben die Bayern verdient den Pokal gewonnen.
Ich war vom BVB (bin Fan seit ca. 35 Jahren) sehr enttäuscht. Trotz (oder gerade weil?) der erheblichen Schwächung der Bayern durch viele kurzfristig Verletzte fand der BVB keine Ruhe, fand keinen Zugang und hatte viel Glück, dass die Bayern bei ihren vielen Chancen nur Weidenfeller anschossen. Zudem ließen sie den Bayern viel Platz (kaum Pressing) und bekamen den gut aufgelegten Robben nie in den Griff (Müller sowieso immer Unruheherd). Dagegen war der BVB im Spiel nach vorn äußerst schwach... Schade, und etwas enttäuschend... Erinnerte mich sehr an das CL-Hinspiel in Madrid...

Insgesamt fand ich das gesamte Spiel aber auch lange nicht so berauschend, wie es von den TV-Kommentatoren wieder einmal gemacht wurde. Aber das ist ja schon seit Jahren so, dass die TV-"Journalisten" aus Nix ein Riesen-Spektakel machen. Na klar, verdienen ja an dem Fussball-Zirkus in erheblichem Maße mit. Mit objektiver Berichterstattung oder Sport-"Journalismus" hat das alles seit Jahren nix mehr zu tun. Weder im Radio, noch im TV. Wenn ich schon das dösige Gerde der sog. "Experten" höre (Ausnahme Scholl), krieg ich nen Schreianfall... Massenverblödung. Auf niedrigstem Pöbel-Niveau. Finanziert mit Zwangs-Gebühren...

Werden die WM-Spiele eigentlich wieder auf EUROSPORT übertragen? Wenn ja ist das ein Tipp an alle, die die dümmlichen Kommentare in ARD und ZDF nicht (mehr) ertragen können...

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