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06.06.2017

16:50 Uhr

Peter Bosz beim BVB vorgestellt

„Ich bin stolz“

Peter Bosz soll beim BVB für neue Harmonie sorgen, verließ Ajax Amsterdam aber im Streit. Ähnlich wie sein Vorgänger Thomas Tuchel scheint auch er wenig pflegeleicht. Dennoch gibt es gute Gründe für seine Verpflichtung.

Nachfolger gefunden

Borussia Dortmund stellt neuen Trainer vor

Nachfolger gefunden: Borussia Dortmund stellt neuen Trainer vor

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DortmundBei Borussia Dortmund ist das Lächeln zurück. Nach dem schlagzeilenträchtigen Rosenkrieg mit Trainer Thomas Tuchel wirkten die Dortmunder Führungskräfte bei der Vorstellung von Nachfolger Peter Bosz wie von Lasten befreit. Der lockere und selbstbewusste Auftritt des Niederländers am Dienstag stimmte den zuletzt leidgeprüften Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zuversichtlich. „Bei ihm hatte ich von Beginn der Gespräche an ein sehr gutes Gefühl, dass etwas zusammenwachsen kann. Ich würde die Wahrscheinlichkeit als sehr hoch einschätzen“, kommentierte Watzke voller Hoffnung auf ein harmonischeres Miteinander.

Nur eine Woche nach der krachenden Trennung von Tuchel präsentierte der BVB seinen neuen Trainer. Der 53 Jahre alte Bosz unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. Dem Vernehmen nach einigte sich dessen bisheriger Club Ajax Amsterdam mit dem BVB auf eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. „Ich bin stolz, dass ich für solch einen großen Verein arbeiten darf. Der BVB gehört in Europa zur Top 10“, sagte Bosz. „Ich bin überzeugt, dass es der richtige Schritt für mich ist. Ich freue mich darauf – auch auf die legendäre gelbe Wand.“

Bosz gilt als Talente-Förderer, Offensivfreund und Taktiktüftler. Diese Vorlieben kamen der BVB-Philosophie am nächsten. „Die Art und Weise, wie er seine Mannschaft spielen lässt, ist nicht komplett unähnlich von der, wie wir als Verein und die Fans das sehen wollen“, befand Borussia-Sportdirektor Michael Zorc.

Borussia Dortmunds neuer Trainer Peter Bosz

Persönliche Daten

Geboren am: 21. November 1963 in Apeldoorn

Erste Stationen als Spieler

1981-1984 Vitesse Arnheim
1984-1985 AGOVV Apeldoorn
1985-1988 RKC Waalwijk
1988-1991 Sporting Toulon

Weitere Stationen

1991-1996 Feyenoord Rotterdam
1996-1997 JEF United (Japan)
1998 Hansa Rostock
1998-1999 NAC Breda
1999 JEF United

Länderspiele

Niederländische Nationalmannschaft: 8 Einsätze, 0 Tore (1991-1995)

Erste Stationen als Trainer

2000-2002 AGOVV Apeldoorn
2002-2003 De Graafschap
2004-2006 Heracles Almelo
2010-2013 Heracles Almelo

Weitere Stationen als Trainer

2013-2016 Vitesse Arnheim
2016 Maccabi Tel Aviv
2016-2017 Ajax Amsterdam
seit 2017 Borussia Dortmund

Spielstil

Wie seine Trainer-Vorbilder Johan Cruyff und Pep Guardiola bevorzugt der achtmalige holländische Nationalspieler eine schnelle, offensive Spielweise. „Ich war auf dem Platz ein Zerstörer, aber das macht mir als Trainer keinen Spaß“, bekannte der ehemalige defensive Mittelfeldspieler in der englischen Zeitung „Guardian“.

Jordi Cruyff

Der Sohn von Johan Cruyff ist voll des Lobes: „Peter liebt die Fußball-Philosophie meines Vaters: sehr offensiv, sehr dynamisch. Ein großartiger Typ, sehr beliebt bei den Spielern“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Martin Pieckenhagen

Der Ex-Torwart trainiert sowohl unter Tuchel (Mainz) als auch unter Bosz (Almelo) und stand zudem zusammen mit dem Niederländer im damaligen Hansa-Kader. Er sieht Parallelen zwischen den Fußball-Lehrern. „Beide sind fußballverrückt. Beim Entwickeln eines Matchplans sind sie ähnlich. Was das Sportliche betrifft, kann man sie vergleichen“, sagte er im TV-Sender Sky.

Wie seine Trainer-Vorbilder Johan Cruyff und Pep Guardiola bevorzugt der achtmalige holländische Nationalspieler Bosz eine schnelle, mutige Spielweise. Zudem bewies er Qualitäten im Umgang mit Jungprofis. So führte er den unerfahrenen Kader von Ajax, der ein Durchschnittsalter von lediglich 22,7 Jahren aufweist, in das Europa-League-Finale und in der Eredivisie auf Rang zwei.

Nach der langen und schlagzeilenträchtigen Fehde mit Tuchel, die trotz sportlicher Erfolge zur Trennung geführt hatte, sehnt sich der BVB nach mehr Ruhe. Doch auch Bosz gilt als eigensinniger Fußball-Lehrer. Nach niederländischen Medienberichten schied er im Unfrieden aus Amsterdam.

Hauptgrund für den vorzeitigen Abschied soll ein Konflikt im Trainerstab gewesen sein. Vor allem Assistent Dennis Bergkamp soll mit der Vision und Arbeitsweise von Bosz und seinem anderen Assistenten Hendrie Krüzen nicht einverstanden gewesen sein, berichtet die Fußballzeitschrift „Voetbal International“.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc über die Trennung von Tuchel

Interview im Kicker

Drei Wochen lang hat BVB-Sportdirektor Michael Zorc kein Interview gegeben und öffentliche Erklärungen vermieden. Einen Tag nach der Entlassung von Trainer Thomas Tuchel spricht er im Kicker.
(Quelle: Kicker, Donnerstagsausgabe, 1. Juni 2017)

Intrigenspiel oder Schmierenkomödie?

Zorc: „Diese Beschreibungen und Vorwürfe sind nicht richtig. Ich weise sie für uns komplett zurück. Wir haben uns in dieser Sache regelkonform verhalten.“

Die Mär vom Konflikt

Dass die Trennung von Tuchel auf einen persönlichen Konflikt zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und dem Trainer heruntergebrochen, möchte der 54-Jährige so nicht stehen lassen. „Mit dieser Mär möchte ich aufräumen. Die Trennung war das Resultat eines längeren Prozesses“, betont Zorc.

Kein Alleingang von Watzke

„Und wenn ich das auch mal sagen darf, um von dieser Personifizierung wegzukommen: Beim BVB gibt es im sportlichen Bereich keine Entscheidung, die nicht von mir getroffen und/oder inhaltlich komplett mitgetragen worden wäre. Deshalb ist es völlig falsch, von einem Alleingang von Aki Watzke zu sprechen.“

Bewusste Zurückhaltung

Während Watzke in der Öffentlichkeit stets präsent war, hatte sich Zorc zurückgehalten. „Noch mehr Unruhe als ohnehin schon machte in der Endphase der Meisterschaft keinen Sinn“, erklärt Zorc.

Sportliche Ziele

Zorc ordnete sein Tun zuletzt dem sportlichen Erfolg unter: „Die Aufgabe bestand vor allem darin, in der täglichen Arbeit die Saison mit Thomas Tuchel so gut wie möglich zuende zu bringen – und unsere Ziele zu erreichen. Das ist uns trotz der Unruhe auch gut gelungen.“

Kein Vertrauen zu Tuchel

Auf die Frage, ob die Trennung alternativlos war, sagt Zorc: „Uns fehlte in dieser personellen Konstellation das Vertrauen, perspektivisch erfolgreich zusammenzuarbeiten und mit einem ‚Weiter so‘ in die neue Saison gehen zu können.“

Hat er sich aufgerieben?

Kein Kommentar zu den Hintergründen. Nur dies: „Was wir nicht brauchen, sind gegenseitige Verurteilungen und Bewertungen, wer welche Fehler gemacht hat.“

Das erklärte Ziel?

„Ruhe im Karton“ – „Das ist unabdingbar.“ „Der Eindruck, den wir in den vergangenen Monaten gemacht haben, war untypisch für uns.“

Demnach habe Bosz das Angebot aus Dortmund ursprünglich nicht annehmen wollen. Doch die Amsterdamer Clubleitung unter Direktor Edwin van der Sar soll sich geweigert haben, sich im Assistenten-Streit eindeutig hinter Bosz zu stellen.

Bei seinem ersten Auftritt in Dortmund verspürte er wenig Lust, auf die jüngsten Schlagzeilen in Holland einzugehen: „Ich will jetzt nach vorne schauen und mich nicht mit dem beschäftigen, was hinter mir liegt.“

Dass Bosz bislang weder als Profi noch als Trainer bei internationalen Topvereinen tätig war, bewertete die BVB-Führung nicht als Nachteil - wie schon bei den erfolgreichen Vorgängern Jürgen Klopp und Tuchel.

Der neue Coach hat eine abwechslungsreiche Vita. So lief der EM-Teilnehmer von 1992 in seiner Heimat für Apeldoorn, Arnheim, Waalwijk, Breda und Feyenoord Rotterdam auf. In Frankreich spielte Bosz für Sporting Toulon, in Japan für JEF United Ichihara und in der Bundesliga für Hansa Rostock, wo er in der Rückrunde 1997/98 14 Mal zum Einsatz kam. Trainererfahrungen sammelte er bisher in Apeldoorn, Arnheim, De Graafschap, Almelo und Tel Aviv.

Borussia Dortmund und Tuchel: Warum Watzke den BVB erneut gerettet hat

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Warum Watzke den BVB erneut gerettet hat

Thomas Tuchel erhält nach seiner Entlassung viel Zuspruch im Netz. Trauer mischt sich mit Häme über die BVB-Führung. Hans-Joachim Watzke steht als Buhmann da. Das ist eine kurzsichtige Einstellung. Ein Kommentar.

Der entwicklungsfähige Dortmunder Kader ist ganz nach dem Geschmack von Bosz, der nicht nur Deutsch, sondern auch Englisch, Französisch und Japanisch spricht. Talente wie Ousmane Dembélé, Christian Pulisic, Julian Weigl, Felix Passlack sowie die Neuzugänge Mahmoud Dahoud (Mönchengladbach) und Dan-Axel Zagadou (Paris St. Germain) verheißen eine erfolgreiche Zukunft.

Eine konkrete Aussage über seine Saisonziele mit dem BVB ließ sich Bosz jedoch nicht entlocken: „Ich will den Menschen guten Fußball zeigen. Über alles weitere werde ich mit den Herren Watzke und Zorc sprechen.“

Von

dpa

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