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19.10.2013

09:19 Uhr

Phantomtor von Kießling

Merk fordert Wiederholungsspiel

Der Ball ging ans Außennetz, rutschte durch ein Loch und der Schiedsrichter gab das Tor. Klingt nach Kreisklasse, ist aber in der Bundesliga passiert. Die Experten sind sich einig: Es muss ein Wiederholungsspiel her.

Ein Loch in den Maschen brachte Leverkusen zwischenzeitlich mit 2:0 in Führung – obwohl der Ball klar ans Außennetz ging. dpa

Ein Loch in den Maschen brachte Leverkusen zwischenzeitlich mit 2:0 in Führung – obwohl der Ball klar ans Außennetz ging.

BerlinNach dem Phantom-Tor von Stefan Kießling im Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen (1:2) fordert der frühere Weltschiedsrichter Markus Merk ein Wiederholungsspiel. „Ich bin kein Justiziar. Es gibt die Tatsachenentscheidung im Fußball. Ich bin aber auch Fußballer mit Leib und Seele. Ich war und bin immer für Gerechtigkeit im Fußball. Für mich kann es nur eine Entscheidung geben: Wiederholungsspiel“, sagte Merk als Experte des TV-Senders Sky.

Am Freitag war beim Spiel in Hoffenheim in der 70. Minute ein Kopfball des Leverkuseners Kießling ans Außennetz gegangen. Durch ein Loch im Netz gelangte der Ball aber ins Tor. Schiedsrichter Felix Brych gab den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 für Bayer. Erst wenige Minuten später, als Hoffenheimer Ersatzspieler den Referee auf das Loch im Netz hingewiesen hatten, wurde Brych bewusst, dass der Ball nicht im Tor war. Brych blieb jedoch bei seiner Tatsachenentscheidung.

„Man kann keinem der Beteiligten einen Vorwurf machen, weder dem Schiedsrichter noch Stefan Kießling. Es ist eine absolut unglückliche Situation“, ergänzte Merk und forderte technische Hilfsmittel für Schiedsrichter: „Ich habe 2007 schon gesagt: Manchmal wären technische Hilfsmittel im Extremfall äußerst vorteilhaft und würden alle Beteiligten aus der Schusslinie nehmen.

Thomas Helmer, bisher der letzte Schütze eines solchen Phantomtores, nahm seinen „Nachfolger“ Stefan Kießling in Schutz. „Es geht um Sekunden, und du weißt als Schütze selbst nicht so genau, ob er drin war. Kießling wird auch überlegt haben: Was mach ich jetzt, was ist passiert. Und diese Sekunden entscheiden darüber, bist du jetzt der liebe Junge oder der böse Bube“, sagte Helmer als Experte des TV-Senders Sport1. Was passiert ist, sei „nicht nur der Fehler des Spielers, sondern auch der Fehler des Schiedsrichters. Es ist keine schöne Geschichte, ich bin sehr gespannt, was jetzt passiert“.

Eine ähnliche Situation wie Kießling war Helmer am 23. April 1994 widerfahren. Beim Spiel zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FC Nürnberg (2:1) hatte Helmer den Ball mit der Hacke am Tor vorbeigelegt. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers entscheidet nach Befragen des Linienrichters Jörg Jablonski auf Tor für die Münchner. Nürnberg legt erfolgreich Einspruch ein, das Wiederholungsspiel gewinnen die Bayern 5:0. Für Helmer ist nach dem Fall Kießling nun unstrittig: „Das Spiel muss wiederholt werden, keine Frage.“

Von

dpa

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