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12.05.2012

22:18 Uhr

Pokalfinal-Debakel für München

Borussia ballert sich gegen Bayern zum Double

Borussia Dortmund ist DFB-Pokal-Sieger 2012. In einem hochklassigen Spiel zeigte der neue und alte Deutsche Meister dem FC Bayern klar die Grenzen auf und bewies dabei zeitweise vor allem brutale Effizienz.

BerlinVielleicht lag es ja wirklich an Norbert Dickels Schuhen. An den Schlappen, die seit dem Pokalsieh von 1989 im Keller des BvB-Stadionsprechers lagen. Am Tag vor dem Finale hat er sie Jürgen Klopp als Glücksbringer mit auf den Weg gegeben. So fanden die Treter den Weg in die Dortmunder Kabine - und haben die junge Mannschaft zum ersten Double der Vereinsgeschichte geführt.

Borussia Dortmund hat den Traum vom ersten Double der Vereinsgeschichte wahr gemacht und Rekord-Champion Bayern München erneut gedemütigt. Wie im Kampf um die Meisterschaft erwies sich der BVB am Samstag auch im Berliner DFB-Pokalfinale als das bessere Team und gewann durch Tore von Shinji Kagawa (3. Minute), Mats Hummels (41./Foulelfmeter) und Robert Lewandowski (45.+1/58./81.) zum 5:2 (3:1) zum dritten Mal nach 1965 und 1989 den begehrten Pott. Mit dem Torfestival gegen den Rekord-Cupsieger stimmten sich die Westfalen zugleich auf die große Titelparty am Sonntag in Dortmund ein.

Das Spiel in Zahlen

Ballbesitz

Dortmund: 52,9 Prozent

Gladbach: 47,1 Prozent

Gewonnene Zweikämpfe

Dortmund: 47,6 Prozent

Gladbach: 52,4 Prozent

Torschüsse

Dortmund: 17

Gladbach: 10

Pässe insgesamt (davon angekommen)

Dortmund: 518 (87,6 Prozent)

Gladbach: 449 (81,1 Prozent)

Ecken

Dortmund: 10

Gladbach: 5

Fouls

Dortmund: 9

Gladbach: 9

Abseits

Dortmund: 1

Gladbach: 2

Karten (Gelb/Gelb-Rot/Rot)

Dortmund: 0-0-0

Gladbach: 1-0-0

Spielerstatistik

Die meisten Ballkontakte:
1. Ilkay Gündogan (94)
2. Marcel Schmelzer (88)
3. Alvaro Dominguez (83)

Vor 75 708 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion waren die Treffer von Arjen Robben (25./Foulelfmeter) und Franck Ribéry (75.) zu wenig für die in der Abwehr anfälligen Münchner, denen nach der Lektion durch den BVB nun sogar eine titellose Saison droht. Anstatt sich wie erhofft Selbstbewusstsein für das Champions League-Finale gegen den FC Chelsea am kommenden Samstag zu holen, gab es für die Bayern eine der höchsten Niederlagen ihrer Pokal-Historie.

Dortmund entwickelt sich für den FC Bayern immer mehr zu einem Schreckgespenst.  "Was die Mannschaft hier heute gemacht, das ist nicht in Worte zu fassen", sagte ein sichtlich bewegter BvB-Trainer Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz und lobte vor allem die Effektivität seiner Mannschaft: "Man könnte meinen: Wir haben vier Jahre nur trainiert, um hier heute jeden Ball reinzuschießen."

Mit dieser Effektivität nutzte der BVB wie schon bei den vier Pflichtspiel-Siegen zuvor seine Chancen eiskalt und deckte die Schwächen in der Münchner Abwehr eine Woche vor deren Saisonhöhepunkt schonungslos auf. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw agierte auch Nationalkeeper Manuel Neuer nicht fehlerfrei und trug Mitschuld an Lewandowskis drittem Tor.

So viel Geld spült der DFB-Pokal in die Vereinskassen

Finanziell attraktiv

Wer im DFB-Pokal weit kommt, kann sich neben dem sportlichen Erfolg auch über zusätzliche Einnahmen freuen. In den letzten Runden winken Millionenbeträge.

1. Runde

Für das Erreichen der ersten Runde gibt es für jeden Verein 72.000 Euro. Darüber freuen sich vor allem die Vereine aus den niedrigen Spielklassen, die sich für die Teilnahme qualifiziert haben.

2. Runde

Für das Erreichen der zweiten Runde bekommt jeder Verein 183.000 Euro.

3. Runde

In der dritten Runde erhalten die Vereine jeweils 431.000 Euro.

Viertelfinale

Bereits im Viertelfinale des DFB-Pokals wird die Millionengrenze überschritten: 820.000 Euro kassiert jeder Verein, der so weit kommt.

Halbfinale

Die letzten vier Mannschaften im DFB-Pokal erhalten jeweils 1.250.000 Euro.

Finalist

Im Endspiel in Berlin erhält der Zweitplatzierte immerhin 2,2 Millionen. Dazu kommen noch die Zuschauereinnahmen und möglicherweise Geld für eine Übertragung im Free-TV.

Pokalsieger

Die Mannschaft, die am Schluss den Pott holt, kann sich über 2.500.000 Euro freuen. Allein aus der Verwertung erhält der Sieger der Medienrechte insgesamt 6,256 Millionen Euro.

Wo kommt das Geld her?

Die Summe, die in jeder Runde an die Teams geht, setzt sich aus dem gestaffelten TV-Honorar zusammen.

Zusätzliche Fernsehgelder

Darüber hinaus gibt es für die Pokalteilnehmer neben der Hälfte der Zuschauer-Netto-Einnahmen durch die Live-Übertragungen beim Pay-TV-Sender Sky zwischen 10.000 und 90.000 Euro pro Runde. Übertragungen bei ARD oder ZDF können bis zu 621.000 Euro einbringen.

Eine herausragende Rolle in dem in 150 Länder übertragenen Duell zwischen Meister und Vizemeister spielte der von englischen Clubs umworbene Japaner Kagawa. Unter den Augen von Manchester Uniteds Trainer Sir Alex Ferguson glänzte der 23-Jährige in seinem womöglich letzten Spiel für den BVB aus Torschütze und Vorbereiter. Dagegen konnten Ribéry und Robben dem Spiel der Münchner kaum Impulse geben.

Das hochklassige Gipfeltreffen des deutschen Fußballs begann mit einem Paukenschlag. Nach nicht einmal drei Minuten erlief Jakub Blaszczykowski einen verunglückten Rückpass von Luiz Gustavo und legte den Ball quer auf den mitgelaufenen Kagawa. Der Japaner traf unbedrängt zum 1:0. Bis dahin hatten die Bayern einen guten Eindruck gemacht und kurz vorher selbst einen gefährlichen Angriff gefahren.

Kommentare (12)

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12.05.2012, 23:16 Uhr

Herzlichen Glückwunsch zum Double lieber BVB. Da entzaubert eine Mannschaft zum fünften male in Folge den FCB.

Schwarzgelber

13.05.2012, 05:53 Uhr

BallspielVereinBorussia entzaubert Standfußballertruppe aus Bayern. Ach wie froh ich (Merkel) wär', gäb's doch nur ein schwarzgelbes Mee(h)r.

winter

13.05.2012, 06:22 Uhr

Weshalb Effizienz brutal sein soll, das weiß wahrscheinlich nur jemand, der sich selbst nicht als effizient ansieht.
Ich halte die gestrige "Effizienz" des BVB für Spielintelligenz, die bei keiner anderen deutschen Mannschaft so gespielt wird und wahrscheinlich die Ursache für den besten deutschen Meisters der Bundeskigageschichte ist. Die Tore 1, 3 und 4 des BVB waren geistesgegenwärtig und in beeindruckender "Effizienz" herausgespielt, dass die Bayernabwehr wohl erst nachdem der Ball im Tor war, gemerkt hatte, was gespielt wurde - Fußball in allerhöchster Präzision.

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