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18.05.2014

11:39 Uhr

Pokalfinale

„Das war Tor, weil der Ball hinter der Linie war“

VonLukas Bay

Bayern feiert den 17. Pokalsieg der Vereinsgeschichte – doch Deutschland debattiert über ein Tor, das nicht gegeben wurde. Dortmunds Trainer Klopp geht mit den Schiedsrichtern hart ins Gericht.

War dieser Ball hinter der Linie? Es war die strittigste Szene im Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Dante vom FC Bayern klärt den Ball und steht mit dem rechten Fuß auf der Torlinie, im Hintergrund gestikuliert Bayern-Torwart Manuel Neuer. Der Schiedsrichter gab den Treffer nicht. dpa

War dieser Ball hinter der Linie? Es war die strittigste Szene im Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Dante vom FC Bayern klärt den Ball und steht mit dem rechten Fuß auf der Torlinie, im Hintergrund gestikuliert Bayern-Torwart Manuel Neuer. Der Schiedsrichter gab den Treffer nicht.

BerlinIrgendwie kann einem Pep Guardiola manchmal ein bisschen leid tun. Nach der schnellsten Meisterschaft aller Zeiten diskutierte Deutschland erst über die Langeweile der Liga und dann über die Schattenseiten seines ballbesitzbetonten Spiels. Nun gewinnt der Katalane mit Bayern in einem dramatischen Match den Pokal – und alle diskutieren über ein Tor, das nicht gegeben wurde.

Es war die 64. Spielminute, als Dortmunds Mats Hummels den Ball per Kopf Richtung Bayern-Tor drückte und Verteidiger Dante gedankenschnell reagierte und den Ball wegschlug. Doch der hatte wohl schon die Torlinie überschritten. Trotzdem gab Schiedsrichter Florian Meyer das Tor nicht.

Ein Umstand, der nach dem Spiel vor allem Dortmunds Trainer Jürgen Klopp in Rage versetzte. Bei jedem Interview musste sich Klopp spürbar beherrschen, um nicht die Fassung zu verlieren. Interviews nach dem Spiel nutzte er – nach der obligatorischen Gratulation an die Bayern – für einen Rundumschlag gegen das Schiedsrichtergespann.

Umstrittene Tor-Entscheidungen in der Fußball-Geschichte

Das Wembley-Tor

Das 3:2 des Engländers Geoff Hurst im Endspiel der WM 1966 gegen Deutschland ist ein Mythos. Bis heute ist ungeklärt, ob der Ball nach dem Schuss von Hurst an die Unterkante der Latte mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie aufsprang. Der sowjetische Linienrichter Tofik Bachramow hatte den Ball hinter der Linie gesehen.

Die Revanche

Deutschland „revanchiert“ sich gegen England 44 Jahre später bei der WM in Südafrika im Achtelfinale. Frank Lampards Schuss schlägt von der Lattenunterkante klar hinter der Torlinie auf. Schiedsrichter Jorge Larrionda aus Uruguay lässt aber weiterspielen. Es wäre das 2:2 gewesen. Deutschland siegt am Ende 4:1.

Phantom-Tor I

Beim Zweitliga-Spiel zwischen Borussia Neunkirchen und den Stuttgarter Kickers (4:3) am 21. Oktober 1978 erkennt der Schiedsrichter ein Tor der Saarländer an, obwohl der Ball durch ein Loch im Seitennetz ins Tor gelangt. Nach einem Einspruch der Kickers und einer Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht wird der TV-Beweis zugelassen und das Spiel wiederholt. Stuttgart gewinnt 1:0.

Helmers Phantom-Tor

Im Bundesliga-Spiel zwischen Bayern München und dem 1. FC Nürnberg am 23. April 1994 drückt Thomas Helmer den Ball neben das Tor. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers („Das war der Supergau“) entscheidet nach Befragen des Linienrichters Jörg Jablonski auf Tor zum 1:0 für die Münchner. Nürnberg protestiert mit Erfolg, das Wiederholungsspiel gewinnen die Bayern 5:0.

Das Ukraine-Tor

Bei der Europameisterschaft 2012 hat England wieder Glück. Der Ukrainer Marko Devic schießt beim Stand von 0:1 Englands Torhüter Joe Hart an, John Terry kann den Ball erst hinter der Linie klären. Die TV-Bilder sind eindeutig, Referee Viktor Kassai aus Ungarn lässt die Partie weiterlaufen. Auch der Torrichter reagiert nicht.

Das Duisburger Witztor

Beim 5:0 des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt in der 2. Liga am 17. Januar 2010 prallt ein Schlenzer von Christian Tiffert gegen die Latte, der Ball springt nach Berechnungen des TV-Senders Sky 1,3 Meter vor der Linie auf. Schiedsrichter Marco Fritz gibt dennoch Tor zum 5:0, weil dies sein Assistent anzeigt.

Hoffenheimer Torklau I

Beim Saisonauftakt 2009/10 gegen Bayern München prallt ein Kopfball von Josip Simunic an den Innenpfosten und von dort über die Torlinie. Schiedsrichter Babak Rafati erkannte das Tor nicht an, weil der Assistent falsch lag. Die Partie endete 1:1.

Hoffenheimer Torklau II

Vier Jahre später erwischt es die Kraichgauer erneut. Kevin Vollands Heber im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg landet klar hinter der Torlinie, doch Referee Thorsten Kinhöfer und sein Assistent Detlef Scheppe sehen es nicht. Das kostet Hoffenheim beim 2:2 den Sieg.

Kießlings Phantom-Tor

Am 18. Oktober 2013 geht ein Kopfball des Leverkuseners Stefan Kießling ans Außennetz des Hoffenheimer Tores. Durch ein Loch im Netz gelangt der Ball ins Tor. Schiedsrichter Felix Brych entscheidet auf Tor. Leverkusen gewinnt das Spiel 2:1, Hoffenheim legt Einspruch ein, der jedoch abgewiesen wird.

Hummels Tor

Im DFB-Pokalfinale 2014 zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund ist der Ball nach einem Kopfball des BVB-Verteidiger Mats Hummels in der 64. Minute scheinbar hinter der Linie. Schiedsrichter Florian Meyer gibt den Treffer nicht, der BVB verliert in der Verlängerung mit 0:2.

„Alle meine Ersatzspieler standen schlechter als der Linienrichter und haben gesehen, dass der Ball drin war. Selbst Manuel Friedrich – und der lügt nie“, erklärte er in der ARD. Und auch auf der anschließenden Pressekonferenz hatte Klopp sich noch nicht beruhigt.

Dante habe mit dem rechten Bein auf der Strafraumlinie gestanden. „Um den noch vor der Linie rauszuhauen, müsste er zum Aufgebot des Cirque du soleil gehören.“ In internationalen Wettbewerben gebe es darum auch Torrichter. „Aber die waren heute wohl alle schon im Urlaub“, so Klopp weiter.

Es ist fast eine Ironie des Schicksals, dass das deutsche Pokalfinale durch die Aberkennung eines regulären Treffers maßgeblich beeinflusst wurde. Noch zu Beginn der Saison hatte sich die Bundesliga mehrheitlich gegen die Einführung der Torlinientechnik ausgesprochen. Borussia Dortmund hatte dafür gestimmt. Eine Diskussion, auf die Klopp sich nicht einlassen wollte. „Das hätte man auch ohne Torlinientechnik sehen müssen.“

Kommentare (1)

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19.05.2014, 10:21 Uhr

... ganz so sicher wäre ich da nicht:
wie man auf diversen Fotos sieht, steht Dante zwar mit dem rechten Bein auf der Tor-Linie - aber nicht senkrecht, sondern in einem Winkel von fast 45 Grad nach außen geneigt. Bewanderte "Winkel"-Akrobaten = Geometriebewanderte könnten nun aus den Bein-Maßen von Dante und anderen Maßen näherungsweise berechnen, wo sich der linke Dante-Fuß im Moment des Ballkontakts befunden hat. Durch die eingenommenene Schräglage könnte es durchaus sein, dass der Ball die Torlinie doch nicht im geforderten Maß überschritten hat um als Tor zu zählen!

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