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31.05.2015

08:54 Uhr

Pokalfinalsieg gegen BVB

VfL macht auch VW glücklich

VonVictor Fritzen

Der ewig Unterschätzte adelt sich selbst: Trainer Dieter Hecking gewinnt mit dem VfL Wolfsburg erstmals den DFB-Pokal. Seine Mannschaft wird damit zum neuen Bayern-Jäger Nummer 1. Vom Erfolg profitiert auch VW.

Freude beim Chef: Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Martin Winterkorn (r.), auf der Tribüne mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (l., SPD). dpa

Winterkorn darf stolz sein

Freude beim Chef: Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Martin Winterkorn (r.), auf der Tribüne mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (l., SPD).

BerlinFrüher, es muss vor etwa zehn Jahren gewesen sein, da habe ihr VfL schon mal gegen Aachen und Mainz verloren. „In einer Saison sind wir sogar fast aus der Bundesliga abgestiegen“, ereiferten sich zwei Anhängerinnen des VfL Wolfsburg nach dem DFB-Pokalfinale im Intercity Richtung Heimat. Und lachten.

Einige Jahre später, im Mai 2015, ist der VfL in der Spitze des deutschen Fußballs angekommen – vor allem auch dank der lukrativen Unterstützung des Sponsors VW. Mit einem 3:1 gegen Borussia Dortmund erfüllten Kevin de Bruyne & Co. ihrem Geldgeber sowie den Anhängern des VfL einen lang gehegten Wunsch: einmal den DFB-Pokal gewinnen. Es ist der zweite große Titel des Vereins nach der Meisterschaft 2009.

Stimmen zum DFB-Pokalfinale

BVB-Spieler Sebastian Kehl

... über das Pokal-Finale: „Besser hätte ich mein Drehbuch eigentlich nicht schreiben können. Nach dieser verkorksten Saison nochmal die Möglichkeit zu haben, einen Titel zu gewinnen. Das war natürlich ein Riesenstrohhalm, an den ich mich geklammert habe. Nachdem wir in München gewonnen haben und nachdem dieser Wettbewerb so perfekt gelaufen ist für uns, hatte ich gehofft, dass wir uns dieses Glück erarbeitet haben. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Man muss am Ende sagen, dass die Wolfsburger über die 90 Minuten besser waren. Deswegen haben sie es auch verdient. Die Tore sind sehr unglücklich und teilweise aus dem Nichts gefallen. Es ist sehr, sehr bitter, die Karriere mit einer Niederlage zu beenden. Aber so ist das im Fußball. Wenn sich das etwas gelegt hat, werde ich meine Familie in den Arm nehmen. Viele Freunde sind da, und dann werde ich ein bisschen zurückblicken auf eine tolle Karriere.“

VfL-Spieler Kevin De Bruyne

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Junior ist immer bei mir. Er war mein Landsmann, er war ein kleiner Bruder von mir. Du weißt, dass es schnell geht im Leben. Er bleibt immer bei mir im Leben.“

VfL-Keeper Diego Benaglio

...über den Pokal-Sieg: „Im Moment ist es pure Freude, aber irgendwie auch noch unreal. Wir haben uns heute belohnt für eine richtig gute Saison. Wir wollten dieses Spiel für Junior gewinnen, das ist uns gelungen. Deshalb ist es umso schöner. Junior ist nach wie vor Teil dieser Mannschaft, und er wird es auch immer bleiben. Junior wird bei uns immer weiterleben.“

BVB-Trainer Jürgen Klopp

... zum Spiel: „Die Enttäuschung ist riesig, weil die Niederlage unnötig war. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir waren im Spiel. So ist Fußball. In der Halbzeit hatte ich das Gefühl, hier wird heute ein Spektakel draus. Wir drehen das Ding noch. Aber wir waren dran. Hätte, wenn und aber. Nie ist es mehr egal als im Finale.“

... über seinen Abschied von Borussia Dortmund: „Mir geht nicht viel durch den Kopf. Aber der Abschiedsschmerz kommt. Das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, allen Spielern meinen Dank auszudrücken. Es fällt schwer sie loszulassen. Meine Gefühle sind gerade relativ wirr. Das Leben wird weitergehen, aber ich brauche erstmal ein paar Minuten, um das zu verdauen. So haben wir keine Pokal-, sondern eine Abschiedsfeier.“

VfL-Manager Klaus Allofs

... über die Bedeutung des Titels: „Das ist eine Riesenbedeutung. Wenn man sich entwickeln will, dann gehören solche Erfolge, solche Titel auch dazu. Sie haben nach dem schnellen Rückstand toll reagiert. Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es sind super Jungs, super Jungs.“

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Wir haben das heute mit unserem Trikot ausdrücken wollen. Wir wollten das nicht in den Vordergrund stellen, aber zeigen dass er uns die gesamte Rückrunde begleitet hat. Dass alle ihn im Kopf hatten. Der Trainer hat es auch gesagt, dass wir auch für ihn spielen. Ich glaube, dass das auch ein paar Kräfte freigesetzt hat.“

... über die Rolle von Trainer Dieter Hecking: „Er ist ein Baustein dieser Mannschaft. Man hat gesehen, dass die Mannschaft 90 Minuten Gas geben kann, dass sie taktisch immer vorbereitet ist. Das ist die Arbeit von Dieter Hecking.“

VfL-Trainer Dieter Hecking

... über die Bedeutung des Titels:

„Das ist die Krönung einer herausragenden Saison.“

„Ich bin einfach mächtig stolz auf meine Mannschaft heute. Es war das Spiel, was wir erwartet haben. Dortmund mit viel Zug zum Tor, früher Rückstand für uns. Wichtig war, dass Marco Reus das 2:0 nicht macht. Dann wäre es richtig schwer geworden. Mit dem Ausgleich haben wir dann plötzlich den Mut gehabt, waren in den Zweikämpfen aggressiver, bissiger. Von daher war es ein verdienter Sieg heute.“

... über seine Mannschaft: „Sie ist vom ersten Tag an unwahrscheinlich kameradschaftlich miteinander umgegangen, sie haben einen unwahrscheinlichen Teamgeist entwickelt. Diesen Sieg widmen wir natürlich Junior Malanda.“

Der Macher des sportlichen Erfolgs gilt als akribisch, gleichwohl bescheiden. Doch in dieser Samstagnacht durfte auch er ausnahmsweise einmal dick auftragen. Neben dem obligatorischen Siegershirt trug VfL-Trainer Dieter Hecking eine Mütze mit der Aufschrift „King“, zu deutsch: König. Er ist der HecKING.

Eine Bezeichnung, die eigentlich so gar nicht zu dem demütigen und bodenständigen Arbeiter passt, der sich als Trainer über Verl, Lübeck, Aachen, Hannover und Nürnberg nun in die Champions League vorbeigearbeitet hat. Einer Spielklasse, in der weitere Akteure des Kalibers de Bruyne benötigt werden. Wenigstens ein „Kracher“ soll im Sommer kommen. Klaus Allofs uns Dieter Hecking werden jedoch betont sachlich auf die Suche gehen – wohl wissend, dass ihr finanzieller Background besser ist als bei anderen Klubs. 

„Es wissen doch alle in Deutschland, dass wir mit VW einen sehr guten Sponsor und damit Möglichkeiten haben, die andere Vereine vielleicht nicht haben“, sagte Hecking nach dem Spiel, gleichfalls betonend: „Wir müssen trotzdem immer schauen, dass wir Eigengewächse haben. Jungs wie Timm Klose oder Maximilian Arnold haben sehr gute Leistungen angeboten. Wenn du Erfolg haben willst, brauchst du aber auch die de Bruynes, die Schürrles, die Gustavos. Eben gestandene Spieler.“ Und die kosten eben Geld. Zur Not auch mehr als branchenüblich.

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