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13.05.2012

10:24 Uhr

Pokalsieg gegen Bayern

Die kleine Dortmunder Wachablösung

VonThorsten Giersch

Nach dem eindrucksvollen Sieg im Pokalfinale mehren sich die Stimmen, das sei die Wachablösung im deutschen Fußball gewesen. In der Tat ist der BVB derzeit überlegen - aber noch nicht auf dem Niveau der Bayern.

Dortmund feiert, Holger Badstuber kann es nicht fassen: Der BVB ist momentan national die Nummer eins Reuters

Dortmund feiert, Holger Badstuber kann es nicht fassen: Der BVB ist momentan national die Nummer eins

BerlinIn Berlin ist viel historisch Wertvolles passiert. Fußball gehörte zumindest auf Vereinsebene selten dazu. Gestern hat der BVB in mehrfacher Hinsicht Geschichte geschrieben: Den FC Bayern in fünf Pflichtspielen hintereinander zu besiegen, wird wohl in absehbarer Zeit keiner Mannschaft mehr gelingen. Und dem Rekordmeister und -pokalsieger in einem Finale fünf Gegentore einzuschenken auch nicht.

Immer wieder wurde BVB-Trainer Jürgen Klopp in den vergangenen Wochen gefragt, warum die Borussia den Bayern in dieser Saison so überlegen ist - und das obwohl die Münchener sich anders als in der Vorsaison wahrlich nicht in einer schlechten Phase befinden. So wollten die Journalisten auch gestern auf der Pressekonferenz nach dem Spiel noch mal wissen, was Klopp über den Erfolg seiner jungen Truppe denkt.

Wie üblich kommen da die in der Tat sehr ernst gemeinten Sätze wie: „Was die Mannschaft hier heute gemacht, das ist nicht in Worte zu fassen.“ Doch dann wird Klopp auch schon präzise und trifft den Nagel auf den Kopf bei der Analyse, inwiefern genau seine Mannschaft in den vergangenen Monaten gewachsen ist: „Man könnte meinen: Wir haben vier Jahre nur trainiert, um hier heute jeden Ball reinzuschießen.“

Genau hier liegt der Grund, warum der BVB in dieser Saison mehr Punkte geholt als je eine Mannschaft zuvor und warum der FC Bayern trotz vieler meisterlicher Leistungen keine Chance hatte: Borussia Dortmund verbindet inzwischen Spielfreude mit Effizienz. Die junge Mannschaft holte vor allem in der Rückrunde auch dann drei Punkte, wenn die Leistung nicht optimal war. Sie sind schlichtweg zu dem geworden, was die Bayern jahrelang waren.

Das Spiel in Zahlen

Ballbesitz

Dortmund: 52,9 Prozent

Gladbach: 47,1 Prozent

Gewonnene Zweikämpfe

Dortmund: 47,6 Prozent

Gladbach: 52,4 Prozent

Torschüsse

Dortmund: 17

Gladbach: 10

Pässe insgesamt (davon angekommen)

Dortmund: 518 (87,6 Prozent)

Gladbach: 449 (81,1 Prozent)

Ecken

Dortmund: 10

Gladbach: 5

Fouls

Dortmund: 9

Gladbach: 9

Abseits

Dortmund: 1

Gladbach: 2

Karten (Gelb/Gelb-Rot/Rot)

Dortmund: 0-0-0

Gladbach: 1-0-0

Spielerstatistik

Die meisten Ballkontakte:
1. Ilkay Gündogan (94)
2. Marcel Schmelzer (88)
3. Alvaro Dominguez (83)

Dazu kommt natürlich die mannschaftliche Geschlossenheit, die gerade bei guten Ergebnissen immer höher sein wird als in Star-Konglomeraten wie in München. Außerordentlich betonen sollte man allerdings, dass in Dortmund auch nach dem schwachen Saisonstart und den unterirdischen Ergebnissen in der Champions League stets Ruhe herrschte – zumindest nach außen.

Ganz praktisch auf dem Platz hat der BVB als Team und jeder einzelne Spieler für sich eine ganz wesentliche Qualität gezeigt, die Jürgen Klopp mit folgenden Worten perfekt umschrieb: „Wenn sie den Ball nicht haben, dann verhalten sie sich so, als ob sie nicht kicken könnten.“ Damit meint der Erfolgstrainer die Bereitschaft seiner „Jungs“, jedem verlorenen Ball mit Hochdruck hinterherzujagen.

Auch im Pokalfinale habe seine Mannschaft „jede Kleinigkeit verteidigt“,  außer natürlich bei den beiden Gegentoren. Da habe man auch gesehen, „wie schwer es ist, diese Bayern zu verteidigen“.

Diese Bereitschaft jedes Akteurs, jeden Meter auch in der Defensivbewegung zu machen, in jeder Szene gedankenschnell und rechtzeitig das Richtige zu tun – das haben die Borussen den Münchenern voraus gehabt. Die zeigten diese Fähigkeiten auch, aber auf höchstem Niveau vor allem in der Champions League.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

13.05.2012, 10:50 Uhr

Nee, ne! Nicht auf dem Niveau der Bayern!

Gott sei Dank!

Unfug

13.05.2012, 11:04 Uhr

Liest sich als hätte den Artikel ein frustrierter Bayern-Fan geschrieben. "Wer in der Vorrunde der Champions League hinter Piräus Gruppenletzter wird, darf sich nicht mit einem Finalisten auf eine Stufe stellen." Wer fünf Mal im direkten Duell eins auf die Mütze bekommt, sollte sich mal in Demut üben. "Erbärmlich" waren die Auftritte der Dortmunder in der Champions League nicht, sondern äußerst unglücklich (insbesondere die Duelle mit Arsenal und Marseille). Erbärmlich ist dagegen der Auftritt von Bayern-Kapitän Lahm gestern. "Wir waren die bessere Mannschaft" Dabei wurde nach dem 4:1 nur noch getreten. Schweinsteiger, Lahm, Gomez. So sehen schlechte Verlierer aus. Man kann nur hoffen, dass sich das bei der EM nicht fortsetzt. Das wäre eine Schande für Deutschland.

double

13.05.2012, 11:45 Uhr

sehe es nicht so drastisch wie der herr ganz oben, aber dass der verfasser des artikels ganz offensichtlich dem süddeutschen fußball nahe steht, lässt sich kaum abstreiten. dass jürgen klopp seinen bvb regelmäßig auf eine stufe mit den bayern stellt und dabei die unterschiede vergisst, ist schlecht recherchierter unfug. dazu gerne auch die kommentare der herren zorc und watze zum vergleich heranziehen.

keine frage: bvb national top, international keine offenbarung. dass dies nach einer 5:2 packung gegen die großen bayern im finale jedoch niemanden juckt, sollte auch dem verfasser klar sein..

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