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01.01.2012

12:22 Uhr

Polen und Ukraine

EM-Gastgeber hoffen auf modernes Image

VonIngmar Höhmann

Polen und die Ukraine verkaufen sich bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 als moderne Länder. Die Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur sorgen bereits für eine Sonderkonjunktur.

Das Olympiastadion in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. dpa

Das Olympiastadion in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

KölnFür den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch läuft alles bestens: Gerade erst hat ein Berufungsgericht die siebenjährige Gefängnisstrafe für seine Rivalin bestätigt. Die wegen Amtsmissbrauchs verurteilte Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ist damit vorerst aus dem Weg. Auch die Vorbereitungen für die Fußball-Europameisterschaft liegen im Plan, die große Werbeveranstaltung für die Ukraine – beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jahr 2012.

Die Ukraine inszeniert sich als kommendes Mitglied der Europäischen Union – und zeigt dabei, wie weit das Land noch von westlichen Standards entfernt ist. Korruption ist weit verbreitet, das Rechtssystem bestenfalls als problematisch zu bezeichnen. So hat die EU das Urteil gegen Timoschenko als politisch motiviert kritisiert und darauf die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens verweigert.

Die Vorbereitungen auf die Fußball-EM, die vom 8. Juni bis 1. Juli in der Ukraine und in Polen stattfinden wird, laufen ähnlich holprig: Die Tourismus-Infrastruktur etwa lässt erheblich zu wünschen übrig – bis heute ist das Land nicht auf die Fanmassen vorbereitet. Weil Hotels fehlen, sollen EM-Touristen nun auf Campingplätze und Studentenwohnheime umsteigen. Und weil die Ukraine beim Stadionbau lange weit hinter dem Zeitplan lag, brachte der Chef des europäischen Fußballverbands Michel Platini sogar mehrfach Deutschland als Ersatzgastgeber ins Gespräch.

Doch die Ukraine will sich als modernes Land präsentieren – und hat schließlich doch noch die Zügel angezogen, um die EM-Chance nicht verstreichen zu lassen. Rund zehn Milliarden Euro gibt der Staat aus, um die Infrastruktur rechtzeitig vor dem Turnier auf Vordermann zu bringen. Das ist immerhin die Hälfte der Summe, die das von der EU geförderte Nachbarland und Mitgastgeber Polen investiert.

Bei den Stadien zumindest haben die Ukrainer nun den Zeitrückstand wettgemacht. Der Staat stellte neue Mittel bereit, die Arbeiter legten Nachtschichten ein. Das zahlte sich aus: Schon acht Monate vor EM-Start konnte die deutsche Nationalmannschaft im vergangenen November ein Testspiel gegen die ukrainische Nationalelf im umgebauten Stadion der Hauptstadt Kiew absolvieren. 70.000 Zuschauer finden dort nun Platz, fast 600 Millionen Euro kosteten die Bauarbeiten.

Die Ukraine schaffte ein respektables 3:3 gegen Favorit Deutschland, ein Erfolg. Für das Stadion ist nach der EM zwar kaum eine wirtschaftliche Nutzung möglich – doch zumindest das Image haben die Turnier-Organisatoren damit vorerst gerettet.

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