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23.05.2013

15:59 Uhr

Portrait eines Mythos

Wembley wird (mal wieder) siegen

VonKatharina Slodczyk

Zum ersten Mal spielen am Samstag zwei Bundesliga-Teams um die Krone im europäischen Fußball – und das auch noch auf dem heiligsten aller Rasen im Londoner Nordwesten. Wembley ist für England mehr als nur ein Stadion.

Auf das Finale vorbereitet: Das Wembley-Stadion in London. dpa

Auf das Finale vorbereitet: Das Wembley-Stadion in London.

LondonDie Legende von Wembley hat gut vier Jahrzehnte vor dem Wembley-Tor begonnen. Bereits das erste Spiel in dem Londoner Stadion im April 1923 ist als etwas Besonderes in die Annalen eingegangen – als das „White Horse Final“. Es war ein weißes Pferd, das die Premiere in Wembley überhaupt erst möglich machte: „Billie“ mit einem Polizisten auf seinem Rücken.

Der Schimmel musste eingreifen, weil sich mehr als 240.000 Zuschauer in das Stadion im Londoner Nordwesten gequetscht hatten, das eigentlich nur für etwa die Hälfte gebaut worden war. Die Massen drängten aufs Spielfeld, es drohte Panik auszubrechen. Doch „Billie“ konnte das Schlimmste verhindern. Er zog ganz ruhig und geduldig seine Runden über das Spielfeld und schob die Menschen hinter die Seitenlinien. Das Spiel um den englischen Pokal zwischen den Bolton Wanderers und West Ham United konnte mit 45 Minuten Verspätung beginnen. Am Ende gewannen die Bolton Wanderers mit zwei zu Null.

Es sind Ereignisse wie diese, die den Mythos Wembley begründet haben und im Lauf der Zeit verstärkt haben. Das Stadion ist zu einer Institution geworden, wie das englische Königshaus. Zum Schauplatz unvergesslicher Dramen, zum berühmtesten Fußballplatz der Welt mit dem besten Rasen, reich an Traditionen und Atmosphäre. Ein Ort der großen Worte und der großen Taten. Auch Hunderennen fanden hier früher statt, Boxkämpfe mit Muhammad Ali und Konzerte mit Bob Geldof.

Obendrein ist Wembley auch noch eines der größten Stadien in Europa – mit insgesamt 90.000 Sitzplätzen. Und es ist eines der wenigen großen, berühmten Fußballarenen, die nicht für einen bestimmten Club gebaut wurden. Wembley gehört dem englischen Fußballverband und ist für Heimspiele der englischen Nationalmannschaft bestimmt sowie andere Großereignisse im Fußball, etwa das Finale um den englischen Pokal.

Wembley sei nicht voreingenommen und stets unparteiisch. Damit erklären einige Experten die Popularität des Stadions, das fast wie ein Heiligtum verehrt würde, wie der niederländische Journalist und Buchautor Simon Kuper vor einigen Jahren in der Wirtschaftszeitung „Financial Times“ schrieb.

Für die Engländer steht das Stadion vor allem für den Triumph über Deutschland im Jahr 1966. Im Finale um die Fußball-Weltmeisterschaft schoss Geoff Hurst den Ball in der elften Minute der Verlängerung unter die Latte des deutschen Tores. Ob er dann wirklich hinter der Torlinie landete? Der Schiedsrichter sah es so. Die Engländer wurden durch das Wembley-Tor zum Weltmeister, die Deutschen zum Vize und seitdem um ein Trauma reicher.

Der Sieg der englischen Nationalmannschaft von 1966 steht aber für mehr. Er gilt als Inbegriff des Fair Play dank des Kapitäns Bobby Moore. Er ging nach dem Spiel in die deutsche Kabine und zollte den Gegnern Respekt: „Natürlich sind wir glücklich, gewonnen zu haben. Aber ihr wart großartig, stark genug, um Weltmeister zu werden.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

23.05.2013, 17:49 Uhr

Luminous sound.

You dream
in the sound
of a luminous
darkness, your
delicate care
appears in my
mind like a
loving idea.

Francesco Sinibaldi

Account gelöscht!

23.05.2013, 17:50 Uhr

Luminous sound.

You dream
in the sound
of a luminous
darkness, your
delicate care
appears in my
mind like a
loving idea.

Francesco Sinibaldi

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