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07.01.2016

18:17 Uhr

PR-Desaster für FC Bayern

„Ist der Sportwelt die Moral abhandengekommen?“

VonThomas Schmitt

Tatort Katar: Wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden, kicken derzeit die Stars der Bundesliga. Menschenrechtler, Fans und Politiker finden das übel. Doch die Bayern ignorieren die Kritik und schweigen.

Fans aus Katar beobachten das Training der Stars des FC Bayern München. dpa

Trainingslager

Fans aus Katar beobachten das Training der Stars des FC Bayern München.

DüsseldorfNicht nur die Fußballverbände Fifa und DFB sind in den Dunstkreis von Korruption und dunklen Machenschaften geraten. Auch die besten deutschen Fußballer aus der Bundesliga beweisen dieser Tage, wie instinktlos und losgelöst von der gesellschaftlichen Realität sie agieren. Anlass für massive Kritik an den Fußballmillionären ist eine Reihe von Trainingslagern im Nahen Osten. Menschenrechtler, Amateur-Funktionäre, Fans und Politiker kritisieren vor allem Rekordmeister FC Bayern München, der sich seit Mittwoch mal wieder im Emirat Katar auf die Rückrunde der Bundesliga-Saison vorbereitet.

Der kleine Wüstenstaat, Ausrichter der WM 2022, steht seit Jahren massiv unter Beschuss, weil er die Menschenrechte von Arbeitern mit Füßen tritt. Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sagte nach einer Katar-Reise einmal süffisant, er habe dort keinen einzigen Sklaven gesehen. Diese Meinung vertritt er relativ exklusiv.

FC Bayern München: Fakten für Fußball-Fans

Gründungsjahr

1900.

Heimatstadion

Allianz Arena, 2005 errichtet und für 30 Jahre an den Namen des Versicherungskonzerns gebunden.

Deutsche Meistertitel

26, zuletzt 2015/2016.

Pokalsiege

18 Siege, zuletzt 2015/2016 gegen Borussia Dortmund

Champions-League-Siege

5, zuletzt 2012/2013.

Wertvollste Spieler

Thomas Müller (75 Millionen Euro), Robert Lewandowski (75 Millionen Euro), Jérôme Boateng (45 Millionen Euro), Manuel Neuer (45 Millionen Euro), David Alaba (45 Millionen Euro)

Kader

Wert des Kaders für die Saison 2016/17: rund 580 Millionen Euro
Quelle: Transfermarkt.de, August 2016

Umsatz

Konzernumsatz

432,8 Millionen Euro (2012/13)

528,7 Millionen Euro (2013/14)

523 Millionen Euro (2014/15)

626,8 Millionen Euro (2015/16)

Reingewinn

Gewinn nach Steuern:
14 Millionen Euro (2012/13), Steuern: 131,9 Millionen Euro

16,5 Millionen Euro (2013/14), Steuern: 174,4 Millionen Euro

23,8 Millionen Euro (2014/15)

33 Millionen Euro (2015/16)

Betriebsgewinn

Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda)

98,7 Millionen Euro (2013/14)

111,3 Millionen Euro (2014/15)

142,5 Millionen Euro (2015/16)

Eigenkapital

405 Millionen Euro (2013/14)

411 Millionen Euro (2014/15)

424,6 Millionen Euro (2015/16)

Trainingslager am Persischen Golf sollten daher eigentlich Tabu sein. Doch das interessiert den FC Bayern genauso wenig wie Eintracht Frankfurt oder Borussia Dortmund. Dem Landessportbund (LSB) Hessen gefällt das gar nicht: „Sport-Organisationen und Klubs haben eine politische Verantwortung. Gerade Fußballspieler werden häufig als Vorbilder verehrt und sollten sich auch wie solche verhalten“, sagte LSB-Präsident Rolf Müller.

„Wenn Klubs also in Länder wie Katar oder Abu Dhabi reisen, erwarte ich zumindest eine kritische Einordnung von Seiten des Vereins“, forderte Müller. Das ist nur in Maßen geschehen, wie auch die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk findet. Die Frankfurter Rechtsanwältin warf dem Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge eine „erschreckende Verharmlosung der Probleme“ vor Ort vor.

An der Achtung der Menschenrechte und der Arbeitsrechte hapere es in Katar nach wie vor, sagte Schenk. „Wer wie der FC Bayern (beziehungsweise die gesamte Bundesliga) für sich eine wichtige gesellschaftliche Rolle in Anspruch nimmt, trägt auch gesellschaftliche Verantwortung - und die hört nicht an Landesgrenzen auf.“

Außenstehende fragten sich: „Ist der Sportwelt die Moral abhandengekommen?“, stellte Müller fest. Der frühere hessische Regierungssprecher und langjährige CDU-Landtagsabgeordnete hält es „für ein vollkommen falsches Signal, wenn deutsche Bundesligisten nun wiederholt in solche Länder reisen“. Denn: „Hinter uns liegt ein Jahr, in dem diverse Skandale das Vertrauen in den organisierten Sport erschüttert haben. Besonders der Fußball war betroffen.“

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