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18.02.2016

06:36 Uhr

Premier League gegen Bundesliga

Warum Jürgen Klopp eine Gefahr ist

VonThomas Schmitt

Augsburg gegen Liverpool: Kulttrainer Jürgen Klopp kehrte zum Europa-League-Spiel nach Deutschland zurück. Ein Investor prophezeit ihm eine glänzende Zukunft. Denn die englische Premier League schwimmt im Geld.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp gibt mit Emre Can vor dem Europa-League-Spiel zwischen dem FC Augsburg und dem FC Liverpool in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern) eine Pressekonferenz. dpa

Europa League

Liverpools Trainer Jürgen Klopp gibt mit Emre Can vor dem Europa-League-Spiel zwischen dem FC Augsburg und dem FC Liverpool in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern) eine Pressekonferenz.

Sven Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger ICS Internet Consumer Services GmbH, berät und investiert in Technologieunternehmen. Er sucht hohe Renditen, ist sportbegeistert und kennt England gut.

Herr Schmidt, die Rückkehr von Jürgen Klopp in die Bundesliga ist heute der Kracher in der Europa League. Hat Augsburg überhaupt eine Chance gegen einen Klub wie Liverpool, der in Fernsehgeldern schwimmt?
Heute vielleicht, auf mittlere Sicht leider nein. Selbst für Hoffnung ist es schon zu spät. In absoluten Zahlen ist die englische Liga inzwischen so weit vorne, dass sie nicht mehr eingeholt werden kann. In der nächsten Saison werden die 20 Premier-League-Vereine alleine durch TV-Rechte mehr als vier Milliarden Euro einnehmen. Die 18 Bundesligisten bekommen im besten Fall ab 2017 rund eine Milliarde Euro. Dazu kommen fantastische Sponsorendeals, wie jener von Adidas mit Manchester United: 100 Millionen Euro zahlt der Sportartikelhersteller pro Saison. 

Warum ist dieser gewaltige Abstand so besorgniserregend? 
Es geht um 150 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr für jeden Verein der Premier League – bei 15 der 18 Bundesligisten ist der Gesamtumsatz geringer. Dazu kommen die Skaleneffekte. Die Bundesliga hat – bezogen auf den Umsatz – einen wesentlich höheren „Overhead“. Für England ist festzuhalten: Die Basis steht. Die Stadien sind ausgebaut, die Organisation in den Vereinen ist es ebenfalls. Was nun an neuen Millionen hereinkommt, kann zu einem viel größeren Teil in die Spieler investiert werden als früher – in Form von Transfers oder eben Gehältern. Ökonomisch ausgedrückt: Die sonstigen Kosten skalieren nicht mit.

Jürgen Klopp: Zehn legendäre Sprüche

Spruch 1

„Ich bin, das wird nun überraschen, nicht blöd. Ich merke, wenn ich Glück habe. Der BVB ist ein Geschenk.“

Quelle: Bild am Sonntag

Spruch 2

„Mit schlechtem Fußball habe ich mich lange genug rumgeschlagen – und zwar mit meinem eigenen.“

Spruch 3

„Uefa-Cup-Feeling? Ist das so was wie Sodbrennen?“

Spruch 4

„Diese Meisterschaft ist für die Ewigkeit. Aktuell fühle ich mich irgendwie wie dauerbetrunken.“

Spruch 5

„Manchmal erschrecke ich mich selbst, wenn ich die Bilder im TV sehe.“

Spruch 6

„Das war so großartig. Die Leute freuen sich ein zweites Loch in den Allerwertesten.“

Spruch 7

„Aufgeregt war ich vorm Abitur. Da war ich aber auch scheiße vorbereitet.“

Spruch 8

„Ich an Matthias Sammers Stelle würde jeden Morgen, bevor ich das Bayern-Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass jemand auf die Idee gekommen ist, mich da dazuzunehmen.“

Spruch 9

„Das ist der richtige Moment für eine Veränderung bei Borussia Dortmund. Dafür muss ein großer Kopf weg – und das ist meiner.“

Spruch 10

„Noch einmal mit dem Lastwagen übern Borsigplatz fahren. Das wär' ziemlich lässig.“

Wer einmal oben ist, kann genau deshalb seinen Vorsprung ausbauen?
So ist es: Mehr Einnahmen führen zu besseren Spielern, dies führt zu mehr TV-Zuschauern und die wiederum führen zu mehr Einnahmen. Die sich selbst verstärkenden Effekte vergrößern den Vorsprung weiter. Die Premier League ist eine globale Plattform, die von Netzwerk- und Skaleneffekten profitiert.

Premier League: Die galaktischen TV-Deals

Mega-Deals

Die Premier League verdient nicht nur Geld im Inland, sondern auch massiv im Ausland. Steigerungsraten von 50 bis 100 Prozent sind nicht ungewöhnlich. Daher verfügt die englische Liga über noch mehr Geld als bisher erwartet. Für weitere Millionentransfers und extrem hohe Spielergehälter. Einige Beispiele.

Quellen: Sponsors, Februar 2016, Sven Schmidt

TV-Rechte in den USA

Der TV-Sender NBC zahlt rund 160 Millionen Dollar pro Jahr für die TV-Rechte an der Premier League in den USA. Die Steigerungsrate: etwa 100 Prozent.

TV-Rechte in Frankreich

Das multinationale Telekomunternehmen Altice erhält die TV-Rechte für Frankreich von 2016 bis 2019. Es bezahlt etwa 100 Millionen britische Pfund pro Jahr. Steigerungsrate: mehr als 50 Prozent.

TV-Rechte in Skandinavien

In Schweden, Dänemark und Finnland überträgt MTG von 2016 bis 2019 die Premier League. Das spült jährlich 100 Millionen britische Pfund in die Kasse der Liga. Steigerungsrate: 100 Prozent.

Wert der Auslandsverträge

Die Premier League erlöst allein aus den TV-Rechten im Ausland im Jahr künftig etwa 1,5 Milliarden Euro. Das ist etwa 50 Prozent mehr als die Bundesliga voraussichtlich künftig für die Inlandsrechte wohl erlösen wird.

Inlandsdeal

Gemessen an den Möglichkeiten im Ausland könnte sogar bald der fantastische Inlandsdeal verblassen. Zur Erinnerung: Sky (126 Live-Spiele), BT (42 Live-Spiele) und BBC (Zusammenfassung) zahlen ab der nächsten Saison umgerechnet 2,7 Milliarden Euro pro Jahr. Steigerungsrate: 70 Prozent.

Medienrechte insgesamt

Addiert man die TV-Rechte-Deals aus Inland und Ausland ergibt sich eine Summe von 4,2 Milliarden Euro. Diese fantastische Summer erhält die Premier League pro Jahr. Es übertrifft das voraussichtliche Bundesliga-Niveau um mehr als Vierfache.

TV-Einnahmen pro Verein

Bricht man die TV-Milliarden auf die 20 Vereine der Premier League herunter, so ergibt sich: Jeder englische Klub verfügt allein deshalb ab der nächsten Saison 210 Millionen Euro. Ein deutscher Erstligist kommt dagegen im Schnitt wohl nur auf 45 Millionen Euro.

Gigantischer Wettbewerbsvorteil

Aus dem Vergleich der TV-Rechte ergibt sich ein gigantischer Wettbewerbsvorteil für die Premier League: 165 Millionen Euro hat jeder Verein im Schnitt mehr als ein Bundesliga-Konkurrent, um Spieler zu kaufen und höhere Gehälter zu zahlen. Um es in Relation zu setzen: 15 der 18 Erstligisten kommen nicht einmal auf den Umsatz, den englische Klubs allein mit den Fernsehrechten machen.

Investoren kommen

Investoren realisieren diese Zahlen und stecken nun auch massiv Geld in die Klubs der ersten Liga. So investierten die Chinesen bereits 400 Millionen Euro in Manchester City. Denn: Die Premier League hat Fans überall auf der Welt. Eine ideale Plattform für Werber.

Die Bundesliga setzt 2,6 Milliarden Euro um – ein Rekordniveau. Und der Liga-Verband DFL wünscht sich in zehn Jahren mehr als doppelt so viel – 5,5 bis sechs Milliarden Euro Umsatz. Reicht das wirklich nicht?
In der nächsten Saison werden die großen vier englischen Vereine (Manchester United, Manchester City, FC Chelsea und FC Arsenal) allein mehr als 2,6 Milliarden Euro Umsatz machen. Das sagt alles. Und die Bundesliga ist keine Insel. Was helfen 5,5 bis sechs Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2026, wenn die Premier League dann 15 bis 20 Milliarden jährlichen Umsatz macht?

Sie erwarten im Ernst, dass die Premier League in zehn Jahren vier Mal so stark ist wie die Bundesliga?
Nicht nur das! So wie heute kein Nationalspieler mehr in der 2. Liga spielt, wird dann kein Nationalspieler mehr in Deutschland spielen. Sogar der FC Bayern München dürfte 2026 Probleme haben. Wer sich das nicht vorzustellen vermag, muss nur nach Holland oder Schottland schauen. Früher waren Ajax Amsterdam und Celtic Glasgow relevant auf internationaler Ebene, heute fristen sie ein Schattendasein in irrelevanten Ligen. Und so wie die großen fünf Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich die kleineren Ligen abgehängt haben, so wird es die Premier League im nächsten Schritt mit der Bundesliga, der Primera Division, der Serie A und der Ligue 1 machen.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

18.02.2016, 16:49 Uhr

Nix gegen "Kloppo" - wenn der 'ne Gefahr sein soll, hätt' ich gern mehr davon -, aber beim Lesen dieses Artikels (wie lautet das Lied im Film "Cabaret" nochmal: "Money makes the ball - äh, world - go round") krieg' ich echt Sehnsucht nach den alten Zeiten: http://www.11freunde.de/artikel/garrincha-unvergessen.

„Bisher ist Erfolg im Fußball nicht wirklich planbar, auch mit viel Geld nicht. Spiele sind extrem schlecht zu prognostizieren. Immer wieder schlagen Underdogs die Großen und Reichen.“:
Gott sei Dank ist das so. Warum sollte man sonst noch ins Stadion gehen? Langweilen kann man sich zu Hause billiger.

„Die These vieler Bundesliga-Experten, dass die Fans zu ihren Vereinen stehen, halte ich für blauäugig. Letztendlich geht es um die Aufmerksamkeit des Konsumenten.“: Gar nicht wahr. Es geht um die Aufmerksamkeit der Fußballfans.

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