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10.02.2015

20:45 Uhr

Premier League

TV-Rechte für 6,9 Milliarden Euro verkauft

Der Fußball bleibt eine Boom-Branche, besonders in England. Die Klubs der Premier League werden von 2016 an 13,45 Millionen Euro pro Spiel kassieren. Insgesamt fließen fast sieben Milliarden Euro.

Der englische Spitzen-Fußball wird noch lukrativer. Ab 2016 kassieren die Vereine der Premier League pro Spiel über 13 Millionen Euro. AFP

Premier League

Der englische Spitzen-Fußball wird noch lukrativer. Ab 2016 kassieren die Vereine der Premier League pro Spiel über 13 Millionen Euro.

LondonIm englischen Fußball sprudelt das Geld weiter in selbst von Experten nicht für möglich gehaltener Weise. Die Premier League gab am Dienstag bei einer Pressekonferenz ihren neuen TV-Vertrag für die Inlandsvermarktung bekannt und konnte für ihre 20 Klubs einen Mega-Deal verkünden.

Von 2016 bis 2019 zahlen Sky und BT Sport insgesamt 5,136 Milliarden Pfund - umgerechnet etwa 6,9 Milliarden Euro. Fünf der insgesamt sieben TV-Pakete gingen für 4,2 Milliarden Pfund an Sky. BT Sport zahlt für die anderen beiden Pakete 960 Millionen Pfund.

Damit wurde die Rekordmarke für die Jahre 2013-2016 in Höhe von 3,018 Milliarden Pfund deutlich übertroffen. Insider hatten für den neuen TV-Vertrag mit 4,4 Milliarden Pfund gerechnet, die nun klar überboten wurden. Im Vergleich zur Premier League fallen die nationalen TV-Geschäfte der deutschen Bundesliga geradezu bescheiden aus, obwohl im April 2012 ein eigener Rekordvertrag abgeschlossen wurde.

TV-Rechte: Was Fernsehsender für den Fußball zahlen

Bundesliga I

In der Bundesliga fließt Geld an die Klubs seit 1965. Am Anfang waren es mit umgerechnet gut 330.000 Euro, doch dieser Betrag erhöhte sich Schritt für Schritt. Einen richtig großen Sprung machte Bundesliga aber erst Ende der achtziger Jahr mit einem Volumen von mehr als 20 Millionen Euro.

Bundesliga II

In den neunziger Jahren wurde die Marke von 100 Millionen Euro pro Saison gerissen. In den folgenden Jahren vervierfachte sich der Betrag bis 2013 auf mehr als 400 Millionen Euro.

Bundesliga III

Aktuell sind folgende Erlöse für die 1. und 2. Bundesliga vereinbart, wie auf der Internetseite Fußball und Geld nachzulesen ist:
2014/2015: 642 Millionen (1. Bundesliga: 513,6 / 2. Bundesliga: 123,4)
2015/2016: 663 Millionen (1. Bundesliga: 531 / 2. Bundesliga: 132)
2016/2017: 673 Millionen (1. Bundesliga: 539 / 2. Bundesliga: 134)

Bundesliga IV

Ein neuer Vertrag muss also vorerst nicht ausgehandelt werden. Allerdings kursiert bereits die Erwartung, dass die Einnahmen aus TV-Rechten spätestens 2017 die Milliardengrenze erreichen.

Premier League

Vorbild dafür ist die englische Premier League, die bereits über die Milliardengrenze gesprungen ist. Mehr noch: Ab 2016 steigen dort die TV-Einnahmen auf mehr als zwei Milliarden Euro pro Saison - allein aus dem Inland.

Serie A

In Italien wurde ein Vertrag für den Zeitraum 2015 bis 2018 geschlossen. Die Serie A erhält danach 943 Millionen Euro. Das sind 114 Millionen mehr als im Zeitraum von 2011 bis 2014.

Ligue 1

Der französische Profifußball hat einen neuen Vertrag ab 2016 geschlossen. Danach kassiert die Liga pro Saison 748,5 Millionen Euro – also deutlich weniger als in Italien und vor allem England.

Primera Division

Anders ist die Situation in Spanien. Dort vermarktet sich nicht die Liga, sondern es verkaufen die Klubs ihre TV-Rechte einzeln. Deshalb schaffen beliebte Vereine wie Madrid und FC Barcelona seit Jahren hohe Millionenbeträge, während die meisten anderen deutlich weniger erlösen.

Fifa

Schon 2011 hat die Fifa für die von ihr veranstalteten Weltmeisterschaften TV-Rechte vergeben. Dies betraf den Zeitraum 2015 bis 2022. Es ging dabei um einen von 1,85 Milliarden US-Dollar.

2,5 Milliarden Euro erlösen die Profivereine aus den vier Jahre laufenden Kontrakten der Inlandsvermarktung. Das sind durchschnittlich 628 Millionen Euro bis zur Saison 2016/17. Fast 80 Prozent davon zahlt der TV-Sender Sky, der alle Bundesliga-Spiele live zeigen darf.

Pro Saison zeigt Sky in England von der übernächsten Spielzeit an 126 Partien, BT Sport 42 im Internet. Somit belaufen sich die Rechtekosten auf etwa 13,45 Millionen Euro pro Spiel. Premier-League-Chef Richard Scudamore versicherte, die Vereine würden dennoch alles tun, damit die Fans auch weiterhin in die Stadien gingen. Unklar war zunächst, ob der englische Sender Sky seine Abo-Preise für die Premier League erhöhen wird.

Geliebt, gehasst, gebraucht – Investoren im deutschen Profi-Fußball

Die 50+1-Regel

Die 50+1-Regel soll den Einfluss von Geldgebern bei den deutschen Profivereinen begrenzen. Dabei handelt es sich um einen Paragrafen in den Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL), wonach Kapitalanleger grundsätzlich nicht die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen dürfen. Erlaubt ist jedoch, dass sich die Mehrheit des Kapitals im Besitz privater Investoren befindet. In den vergangenen Jahren wurde die Regel jedoch zunehmend aufgeweicht. Immer mehr Clubs suchen neue Wege für ihre Finanzierung.

Quelle: dpa

Hamburger SV

Im Januar verkündete der Hamburger SV nach langem Hin und Her, dass Spediteur Klaus-Michael Kühne als erster Investor in die Fußball-AG des klammen Traditionsvereins einsteigt. Dazu wird ein Darlehen von 18,75 Millionen Euro in Anteile der Gesellschaft umgewandelt, was Kühne eine Beteiligung von 7,5 Prozent bringt. Ähnliche Modelle gibt es bereits bei vielen anderen Vereinen – oder sie sind in Planung.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ ließ schon länger Investoren zu, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg.

1899 Hoffenheim

Im vergangenen Dezember überarbeitete und präzisierte der Ligaverband die Statuten für den Umgang mit Ausnahme-Anträgen zu 50+1. Danach dürfen nunmehr nicht nur Wirtschaftsunternehmen die Mehrheit an einem Club halten. Auf der Versammlung am Montag machten die anwesenden Mitglieder einstimmig den Weg frei für eine Übernahme der Stimmenmehrheit an der ausgegliederten Profi-Abteilung durch Mäzen Dietmar Hopp. DFL und DFB hatten zuvor bereits ihre Zustimmung gegeben.

Hannover 96

Etwas länger gedulden muss sich Hörgeräte-Hersteller Martin Kind. Der Präsident von Hannover 96 kämpft seit Jahren gegen 50+1, erreichte etwa vor Gericht, dass der Stichtag 1. Januar 1999 aufgehoben wurde. Kind wartet nun auf das Jahr 2017, dann wird er 20 Jahre bei den Hannoveranern involviert sein und dürfte den Club übernehmen.

RB Leipzig

Eine andere Ausnahme ist RB Leipzig, das als Marketing-Instrument von Geldgeber Red Bull gilt, aber dennoch vor dieser Saison die Lizenz für die 2. Bundesliga erhielt.

FC Bayern München

Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile.

Borussia Dortmund

Beim einzigen börsennotierten deutschen Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Im vergangenen August beschloss der Club eine Kapitalerhöhung, um weitere 114,4 Millionen von Investoren einzusammeln.

Von

dpa

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