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10.05.2012

16:05 Uhr

Pro Fortuna

Warum Düsseldorf aufsteigen muss

Viel Tradition, ein bemerkenswerter Leidensweg, die beste Musikauswahl im deutschen Fußball, tolle Fans und ein menschliches Duracell-Häschen - Düsseldorf muss aufsteigen, findet Handelsblatt-Autor Patrick Kleinmann.

Jubel über den Führungstreffer im Spiel gegen den MSV Duisburg: Die Fortuna will auch in der Relegation feiern. dpa

Jubel über den Führungstreffer im Spiel gegen den MSV Duisburg: Die Fortuna will auch in der Relegation feiern.

DüsseldorfDer absolute Tiefpunkt ist erst neun Jahre her: Am 25. Mai 2003 beendete Fortuna Düsseldorf in der damals viertklassigen Oberliga Nordrhein das letzte Saisonspiel gegen Aufsteiger Wuppertaler SV mit einer Niederlage und die Saison mit einem negativen Torverhältnis auf Platz acht – zwischen dem 1. FC Bocholt und GFC Düren. Der letzte Akt einer denkwürdigen Tragödie, die den deutschen Meister von 1933 innerhalb von sechs Jahren aus der Bundesliga in die rheinische Fußball-Provinz befördert hatte.

Patrick Kleinmann

Handelsblatt-Autor Patrick Kleinmann

Inzwischen ist nach Jahren des Missmanagements und selbstherrlicher Präsidenten Ruhe in den Verein eingekehrt: Die Fortuna ist – ebenso wie die Heimat bietende Landeshauptstadt – wieder schuldenfrei. Und genau wie Düsseldorf steht auch die Fortuna für so viel mehr als pelztragende Millionärsgattinnen oder Werbeschaffende mit einheitlichen Kreativbrillen. So bestimmt im Stadion in „DJ Opa“ seit Jahren eine Düsseldorfer Punkszenen-Ikone die Musik. Statt der Hermes House Band oder David Guetta laufen vor Anpfiff The Clash und die Fehlfarben - oder wenn die Fortuna sich eine der äußerst seltenen Heimniederlagen leistet auch mal „Boys Don’t Cry“ von The Cure.

Fast 32.000 Zuschauer pro Partie sorgten in den 17 Meisterschaftsspielen für den besten Schnitt der Vereinsgeschichte und mehr Besucher als bei den Bundesligisten Leverkusen, Wolfsburg, Augsburg, Hoffenheim oder Freiburg. Die grandiose Stimmung hat sich schon bis nach Berlin herumgesprochen: „Achtung, Hertha! Diese Zuschauer stehen wirklich wie eine Wand hinter ihrer Mannschaft, feuern sie lautstark an, pfeifen jede gegnerische Mannschaft gnadenlos aus“, warnte die spionierende B.Z. bereits.

Die bisherigen Relegationsspiele seit 1982

Historie

Erstmals eingeführt wurden die Relegationsspiele zwischen dem Tabellen-16. oder Drittletzten der 1. Fußball-Bundesliga und dem Drittplatzierten der 2. Fußball-Bundesliga 1982. Die Auswärtstorregel galt damals nicht, bei Gleichstand nach zwei Partien kam es zu einem Entscheidungsspiel.

Nach der zehnten Auflage war ab 1992 erst mal wieder Schluss mit dieser Regelung, es gab wieder ausschließlich direkte Ab- und Aufsteiger. Ab der Saison 2008/2009 wurde die Relegation schließlich wieder eingeführt - mit Auswärtstorregel bei Gleichstand nach zwei Spielen und Entscheidung in Verlängerung und Elfmeterschießen im zweiten Spiel.

Im folgenden die Ergebnisse aller Relegationsspiele, der erstgenannte Verein war jeweils der Bundesligist, der Zweitgenannte der Zweitligist. Die Sieger sind jeweils gefettet.

1982

Bayer 04 Leverkusen - Kickers Offenbach 1:0/2:1 (Hinspiel/Rückspiel)

1983

FC Schalke 04 - Bayer Uerdingen 1:3/1:1

1984

Eintracht Frankfurt - MSV Duisburg 5:0/1:1

1985

Arminia Bielefeld - 1. FC Saarbrücken 0:2/1:1

1986

Borussia Dortmund - Fortuna Köln 0:2/3:1/8:0 (Hin-/Rück-/Entscheidungsspiel)

1987

FC Homburg - FC St. Pauli 3:1/1:2

1988

SV Waldhof Mannheim - Darmstadt 98 2:3/2:1/0:0 - 5:4 i.E.

1989

Eintracht Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 2:0/1:2

1990

VfL Bochum - 1. FC Saarbrücken 1:0/1:1

1991

FC St. Pauli - Stuttgarter Kickers 1:1/1:1/1:3

2009

Energie Cottbus - 1. FC Nürnberg 0:3/0:2

2010

1. FC Nürnberg - FC Augsburg 1:0/2:0

2011

Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 1:0/1:1

Selten zuvor gab es in Düsseldorf eine solch große Fußball-Euphorie: Die Anzahl an Autoaufklebern, Flaggen und Fandevotionalien tragenden Menschen ist selbst mit legendären Europapokalzeiten Ende der 70er Jahre nicht zu vergleichen. Fortuna ist in Düsseldorf wieder in Mode und diesmal scheint es ein langfristiger Trend zu werden: Die Fanszene ist jung - und in großen Teilen auch leid-erfahren genug. Nicht umsonst gab es früher die oft zitierte Weisheit, dass „ein guter Moment der Fortuna immer mit sieben schlechten Momenten bezahlt wird.“ Das scheint Vergangenheit.

Kommentare (7)

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epmd5000

10.05.2012, 16:35 Uhr

Heute abend alle Pro Hertha!
Wenn schon nicht der FC gegen die Elf aus dem Dorf am Niederrhein gewinnen darf, sollen dies doch bitte die Hauptstädter erledigen.
Die verbotene Stadt in Liga 1, da bekomme ich das kalte Grausen....

gbw

10.05.2012, 16:49 Uhr

Na wenn man so wie ich, die Fans aus der Domstadt erlebt hat, sind mir die Düsseldorfer allemal lieber. Und ich meine nicht nur das dreckige Dutzend und die wilde Horde.

Lebemann

10.05.2012, 19:22 Uhr

Fortuna muss für Düsseldorf gewinnen – insbesondere für die beliebte Kö- und Rheinprominenz! Erst dann kann man zu zukünftigen Spielen auch Handtaschen von Louis Vuitton mit F95-Button in den Fanshops anbieten. Aus Fortuna wird ein nobler Klub für die High Society und die Spieler werden die Püppchen der Saison, denen man Leckerli zuwerfen kann. Hach, wie schön. Allein das neue Outfit rechtfertigt Eintrittspreise in der Esprit-Arena ab 1000 Euro pro Spiel. Alles andere wäre doch viel zu ordinär. Ach, Kinder, ich drücke Fortuna beide Gesäßhäften. Gottchen, ist das heute warm.

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