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16.05.2012

10:06 Uhr

Pro Wiederholung

Ein fatales Signal für den Fußball

VonLukas Bay

Das Relegationsspiel zwischen Hertha BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf muss wiederholt werden. Dabei geht es um mehr als sportliche Fairness, es geht um die Glaubwürdigkeit des DFB.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

DüsseldorfWahrscheinlich wäre Fortuna Düsseldorf der Aufstieg auch ohne den peinlichen Platzsturm vor dem Abpfiff geglückt. Das Problem ist: Niemand weiß, wie das Spiel in den letzten zwei verbliebenen Minuten verlaufen wäre. Darum gibt es nur eine richtige Entscheidung: Das Spiel muss auf neutralem Platz und unter Ausschluss der Fans wiederholt werden.

Es geht nicht nur um die sportliche Fairness, es geht um die Glaubwürdigkeit des DFB. Die Regeln sind klar festgelegt in den Durchführungsbestimmungen des Verbandes. Beispielsweise in § 20: „Alle Vereine sind verpflichtet, für ein sportliches Verhalten ihrer Mitglieder und Anhänger vor, während und nach den Spielen Sorge zu tragen.“ Stattdessen verharmlosen die Verantwortlichen bei Fortuna das Verhalten ihrer Fans. „Nach dem Abpfiff war es ein bitterer Moment. Aber so ist es, die Fans sind einfach nicht zu bändigen", sagte Düsseldorfs Sportvorstand Thomas Allofs. Dabei wäre genau das seine Aufgabe gewesen.

Es ist nicht normal, dass selbst Zuschauer von der Haupttribüne Pyrotechnik abbrennen und den Platz vor Abpfiff stürmen. Chaoten lassen sich zwar nicht am Stadiontor stoppen. Doch umsichtige Fanarbeit beginnt vor dem Stadion: Im Dialog zwischen Fans und Verein. In der präventiven Deeskalation haben die Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf eklatant versagt und wollen sich ihr Versagen nicht eingestehen. Das ist die wahre Schande von Düsseldorf.

Da hilft es auch nicht, wie Fortuna-Manager Wolf Werner zum Gegenangriff überzugehen: „Unschön war, dass Hertha-Spieler versucht haben, einen Spielabbruch zu provozieren“, sagte er nach dem Abpfiff. Nein, nicht die Hertha-Spieler haben einen Abbruch provoziert, es waren die Fortuna-Fans. Niemand weiß, was passiert wäre, wenn Hertha tatsächlich ein Tor geschossen hätte? Wer um seine Gesundheit fürchten muss, der muss auch keinen Fußballplatz betreten.

Ohnehin wäre es die einzig reguläre Entscheidung gewesen, das Spiel nicht mehr anzupfeifen. §4 sagt eindeutig: „Die Sportplatzanlage muss so beschaffen sein, dass die ordnungsgemäße Durchführung der Spiele gewährleistet ist.“ Das war spätestens nach dem Platzsturm nicht mehr der Fall. Fans hatten bereits Rasenstücke entfernt, selbst den Elfmeterpunkt. 

Auf- und Absteiger der Saison

1. FC Köln
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 33 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 20 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 17 (1. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 46.244
  • Bundesweites Interesse am Verein: 30 Prozent
Hertha BSC
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 24,5 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: nicht bekannt
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 16 (1. Liga), Abstieg (Relegation), noch nicht offiziell
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 53.221
  • Bundesweites Interesse am Verein: 25 Prozent
1. FC Kaiserslautern
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 16,5 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 10 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 18 (1. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 42.272
  • Bundesweites Interesse am Verein: 24 Prozent
SpVgg Greuther Fürth
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 7,1 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 12 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 1 (2. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 9948
  • Bundesweites Interesse am Verein: 14 Prozent
Eintracht Frankfurt
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 20 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: 24,5 Millionen Euro
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 2 (2. Liga)
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 35.256
  • Bundesweites Interesse am Verein: 25 Prozent
Fortuna Düsseldorf
  • Lizenzspieler-Etat 2011/12: 6,9 Millionen Euro
  • Lizenzspieler-Etat 2012/13: unbekannt
  • Platz in der abgelaufenen Saison: 3 (2. Liga), Aufstieg (Relegation), noch nicht offiziell
  • Zuschauerschnitt Hinrunde 2011/12: 27.720
  • Bundesweites Interesse am Verein: 17 Prozent

Dass es den Fans überhaupt möglich war, den Platz zu stürmen, ist ebenfalls ein klarer Verstoß gegen Paragraf §21 Absatz 1 und 2 der Durchführungsbestimmungen. „Der Platzverein […] hat für einen ausreichenden Ordnungsdienst zu sorgen.“ Der Ordnungsdienst war offensichtlich überfordert. Es ist auch kein Argument, dass der Pfiff von Schiedsrichter Stark missverstanden wurde. „Während des Spiels darf sich niemand am Spielfeldrand aufhalten. Auch der Aufenthalt hinter den Toren ist verboten.“ Spätestens hier hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark die Partie also abbrechen müssen, wenn es nach den Regularien gegangen wäre. Es ist trotzdem sehr verantwortlich, dass er dies nicht getan hat. Wer weiß, wie die Fans beider Seiten auf einen Spielabbruch reagiert hätten. Darum war es auch richtig, das Spiel nach den Bengalo-Angriffen der Hertha-Fans, die dem Platzsturm vorangegangen waren, fortzusetzen und die verlorene Zeit nachzuspielen. Die Sicherheit von Menschenleben ist wichtiger als Regularien. Ein Fußballstadion ist kein Gerichtssaal.

Umso bitterer für den deutschen Fußball, dass eine sportliche, faire Lösung muss nun nur am Verhandlungstisch gefunden werden kann. Wenn der DFB dieses Spiel nicht wiederholt, wäre das ein fatales Signal an alle Fußball-Fans im Land: Wird es in den letzten Minuten knapp, stürmt den Platz.

Contra Wiederholung: Die Hertha trägt auch selbst Schuld

Contra Wiederholung

Die Hertha trägt auch selbst Schuld

Das Relegationsspiel haben nicht die auf den Rasen stürmenden Fortuna-Fans entschieden.

Kommentare (21)

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HSVdeern

16.05.2012, 10:47 Uhr

Die Intention ihres Artikels erschließt sich mir nicht in voller Gänze.

"Wenn der DFB dieses Spiel nicht wiederholt, wäre das ein fatales Signal an alle Fußball-Fans im Land: Wird es in den letzten Minuten knapp, stürmt den Platz."

Ja und? Gibt es ein Wiederholungsspiel, so wäre die durchaus auch eine Wirkung durch die Platzstürmung vorhanden. Beim nächsten Mal sind es dann die Fans der Mannschaft, die in der 92. Minute hinten liegt - und bei einem neu angesetzten Spiel fangen beide bei 0 an.

Zudem gehen Sie in Ihrem Artikel nicht auf die Hintergründe ein, sehr plakativ und nicht substanziell geschrieben.

Das hat Boulevard-Niveau.

1LIGA

16.05.2012, 10:52 Uhr

So ein quatsch. Das Spiel wurde das 1. mal unterbrochen weil Hertha Fans 7 Minuten lang Böller auf den Platz geschossen haben und die Ansage war noch ein Böller und das Spiel wird abgebrochen - es sind weitere Böller von den Hertha Fans abgefeurt worden und das Spiel wurde nicht abgebrochen. Wenn überhaupt dann hätte das Spiel an der Stelle abgebrochen werden müssen. Das die Fortuna Fans in der letzten Minute der langen Nachspielzeit den Platz stürmten war blöd aber auch ein Versehen - die dachten das Spiel sei aus. Das waren keine Randalierer die Polizei Blockaden mit Gewalt durchbrochen haben das waren Familien mit Kindern die ja dann auch ohne Protest den Platz wieder verlassen haben aber das dauert eben leider ein paar Minuten.

Account gelöscht!

16.05.2012, 11:00 Uhr

Im Gegenteil: Würden die Fans des unterlegenen Vereins den Platz stürmen, wäre die Lösung einfacher. Das Spiel könnte dann zugunsten der führenden Mannschaft gewertet werden. Im vorliegenden Fall wäre das unsportlich gegenüber der Mannschaft von Fortuna Düsseldorf, die sich sportlich bis zu diesem Zeitpunkt durchgesetzt hatte. Nur die Fans haben eine sportliche Entscheidung verhindert. Welche Hintergründe einen solchen Platzsturm rechtfertigen, interessiert mich sehr.

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