Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.05.2017

16:56 Uhr

Profi-Schiri Bibiana Steinhaus

„Je aufgeregter es wird, desto entspannter muss ich sein“

VonCarina Kontio

Die Frauenquote bei den DFB-Schiedsrichtern liegt bei gerade mal vier Prozent. Bibiana Steinhaus durfte bislang nur Spiele aus der 2. Liga pfeifen. Nun hat sie den Sprung nach ganz oben geschafft: in die 1. Bundesliga.

Ab 2001 wurde sie auch in der Männer-Regionalliga eingesetzt. 2005 wurde Steinhaus Fifa-Schiedsrichterin und als solche mehrfach bei Länderspielen und Spielen der Uefa Women's Champions League eingesetzt. Als erste Schiedsrichterin überhaupt in der Zweiten Fußballbundesliga pfiff sie, begleitet von großem Medienrummel, ihr erstes Männerspiel 2007. ddp images / Sport Moments

Unter Männern

Ab 2001 wurde sie auch in der Männer-Regionalliga eingesetzt. 2005 wurde Steinhaus Fifa-Schiedsrichterin und als solche mehrfach bei Länderspielen und Spielen der Uefa Women's Champions League eingesetzt. Als erste Schiedsrichterin überhaupt in der Zweiten Fußballbundesliga pfiff sie, begleitet von großem Medienrummel, ihr erstes Männerspiel 2007.

DüsseldorfAls Mitglied der Bibiana-Steinhaus-Fangruppe auf Facebook musste man vergangenen Freitag einfach merken, dass etwas passiert war. Denn: Plötzlich spülte das Netz einen neuen User nach dem anderen in die Gruppe, der dort unbedingt mitteilen musste, wie glücklich er ist, dass Deutschlands einzige Bundesliga-Schiedsrichterin in der kommenden Saison nun endlich auch in der 1. Liga pfeifen darf. „Ich gratuliere von Herzen!“, schreibt etwa der Nutzer Ma Wallert, „Leistung und Ausdauer zahlt sich aus, in diesem Fall auch für den Fußballsport!“ Oder Georg Kiriakidis: „Das hat mit Frauenpower, aber viel viel mehr mit Können und Erfahrung zu tun, deswegen bin ich froh, dass die Frau endlich auch in der Bundesliga pfeift. Punkt.“

Die 38-Jährige, das gab der Deutsche Fußball-Bund am Freitag nach einer Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main bekannt, gehört nun zu den insgesamt vier Referees, die im Sommer in die Erste Liga aufsteigen werden - mehr Geld für alle gibt es gleich dazu. „Es war schon immer mein Traum, als Schiedsrichterin in der Bundesliga aktiv sein zu dürfen. Dass dieser Traum nun wahr werden soll, erfüllt mich natürlich mit großer Freude“, sagte Steinhaus letzte Woche in einem Interview auf der DFB-Homepage. Wer ist diese Frau, die nun zusammen mit 23 anderen Kollegen auf der Schiedsrichter-Liste der Bundesliga steht?

Wie werde ich Schiedsrichter?

Mindestalter

Die Schiedsrichter-Ordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) empfiehlt ein Mindestalter von 12 Jahren. In einzelnen Landesverbänden wird hiervon abgewichen. In Niedersachsen zum Beispiel ist das Mindestalter 14 Jahre.

Weitere Voraussetzungen

Die Schiedsrichter-Bewerber müssen Mitglied in einem Fußballverein sein (u.a. damit Versicherungsschutz besteht), Interesse am Fußball haben und die Einsatzbereitschaft mitbringen, jährlich mindestens 20 Spielleitungen zu übernehmen und an Weiterbildungsveranstaltungen an acht bis zwölf Tagen pro Jahr teilzunehmen.

Ausbildung

Je nach Landesverband 20 bis 50 Unterrichtsstunden im Zeitraum von drei bis zwölf Ausbildungstagen innerhalb von einer Woche bis sechs Wochen. Dabei Einführung in die Grundzüge der Fußballregeln.

Prüfung

Schriftliche (Beantwortung von Regelfragen) und auch körperliche Prüfung (zum Beispiel 1300-Meter-Lauf in sechs Minuten).

Einsätze

Nach Prüfung, je nach Alter im Junioren- und auch schon im Senioren-Bereich, beginnend in den Basisklassen. Hierbei erfolgt in der Anfangsphase möglichst Betreuung durch erfahrene Kollegen ("Paten").

Aufstieg

Bei Eignung können gegebenenfalls auf Kreis- und Bezirksebene zwei Klassen in einem Jahr übersprungen werden. Ab den Spielklassen der Landesverbände benötigt jeder Kandidat pro Spielklasse grundsätzlich ein Jahr. Bis in die Bundesliga sollen mindestens sechs bis acht Jahre veranschlagt werden. Die Eignung für die höhere Spielklasse wird durch Schiedsrichter-Beobachter festgestellt.

Finanzen

Die Sportkleidung wird normalerweise vom Verein gestellt. Die Fahrtkosten zu den Spielleitungen werden ersetzt, daneben gibt es abhängig von der Spielklasse Aufwandsentschädigungen zwischen fünf € (Schülerspiele), 300 € (Regionalliga), 750 € (3. Liga), 2000 € (2. Bundesliga) und 3800 € (Bundesliga). Ab der Saison 2012/2013 erhalten FIFA-Schiedsrichter der Elite-Klasse nach einem neu geschaffenen Modell einen festen Betrag in Höhe von 40.000 Euro, FIFA-Schiedsrichter und die Schiedsrichter der Bundesliga mit mehr als fünf Jahren Erfahrung 30.000 Euro. Alle anderen Bundesliga-Schiedsrichter liegen bei 20.000 Euro, in der 2. Bundesliga sind 15.000 Euro vorgesehen. Für FIFA-Assistenten sind ebenfalls 15.000 Euro eingeplant, in der Bundesliga reduziert sich der Betrag auf 10.000 Euro und in der 2. Bundesliga auf 2500 Euro.

Erste Ansprechpartner

Über den Verein vor Ort, bei der örtlichen Schiedsrichter-Gruppe, bei den zuständigen Gremien der Kreise und Bezirke, beim zuständigen DFB-Landesverband vor Ort.

Quelle

Alle Informationen stammen von der Webseite des DFB: http://www.dfb.de/schiedsrichter/interessentin/artikel/wie-werde-ich-schiedsrichter-345/

Vor ziemlich genau einem Jahr trafen wir die Polizeibeamtin auf Lebenszeit - das ist Steinhaus nämlich im Hauptberuf - zum Gespräch in Hannover (das Interview können Sie hier nachlesen). Als das Café, in das wir eigentlich gehen wollten, geschlossen hat, laufen wir im strömenden Regen zu Fuß durch die Innenstadt und überkreuzen dabei ziemlich resolut die Straßen. „Man darf auf keinen Fall stehen bleiben“, rät die Profi-Schiedsrichterin, eine große, schlanke und durchtrainierte Frau. Wer zuckt, habe hier im Straßenverkehr verloren. Ihre Körpersprache: klar und unmissverständlich. Auf dem Weg zu einem anderen Café, in dem sie später als erstes den gekonnt aufgeschäumten Milchschaum mit dem Löffel unterrühren wird, schwärmt Steinhaus über den Leipziger Bahnhof, wo sie beim Umsteigen gerne einen längeren Aufenthalt einplant, um dort auf Shopping-Tour zu gehen. Auch so eine Leidenschaft neben dem Profi-Sport.

Am Tisch dann in einer ruhigen Ecke legt die blonde Frau eine kleine Goldkette mit einem Herzanhänger neben sich hin und redet entspannt darüber, wie 1995 alles angefangen hat. Damals pfiff sie mit 16 Jahren ihr erstes Spiel. Auf dem Fußballplatz war Steinhaus bis dahin als Linksaußen beim SV Bad Lauterberg aktiv. Schon vier Jahre später wurde sie 1999 DFB-Schiedsrichterin in der Frauen-Bundesliga. „In den Schiri-Job bin ich quasi reingerutscht“, sagt sie und ganz oft kräuselt sich ihre Nase beim Reden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×