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27.07.2013

13:06 Uhr

RB-Geschäftsführer im Interview

„Wir sind keine Gefahr für den Fußball“

VonCarsten Germann

RB Leipzig Geschäftsführer Ulrich Wolter spricht im Handelsblatt Online-Interview über die Kommerzialisierung von Tradition und „Traditionsentwicklung“.

„Wir haben keinen konkreten Zeitplan“, sagt Red Bull-Leipzig Geschäftsführer Ulrich Wolter über den Aufstieg in die 1. Bundesliga. dpa

„Wir haben keinen konkreten Zeitplan“, sagt Red Bull-Leipzig Geschäftsführer Ulrich Wolter über den Aufstieg in die 1. Bundesliga.

LeipzigHerr Wolter, wann sehen wir RB Leipzig in der ersten Bundesliga?

Ulrich Wolter: Wir versuchen, dies so schnell wie möglich zu erreichen, haben aber keinen konkreten Zeitplan. Wir bleiben unserer Philosophie treu, dass wir es mit jungen und hungrigen Spielern und nicht mit Stars jenseits der 30 schaffen wollen.

Das „Investorenmodell“ wurde gerade in der Bundesliga am Beispiel 1899 Hoffenheim erst überschwänglich gelobt, dann über die Maßen kritisiert – insbesondere in der letzten Saison, als Hoffenheim vor dem Abstieg stand. Was wollen Sie in Leipzig anders und vor allem besser machen als Hoffenheim?

Ich weiß nur, und das sage ich allen Kritikern auf den Kopf zu: Sie sollen unseren Weg respektieren. Wir respektieren die so genannten Traditionsvereine und diese sollen unseren Weg genauso respektieren. Ich glaube nicht, dass von uns eine Gefahr für den deutschen Fußball ausgeht – ganz im Gegenteil.

Was antworten Sie Kritikern, die RB vorwerfen, die 50 + 1 – Regel, nach der in Deutschland ein Verein nicht in den Händen einer Einzelperson sein darf, auszuhöhlen?

Wir sind mit dem DFB und der Deutschen Fußball-Liga unsere Satzung umfassend und lange genug durchgangen und haben vom DFB grünes Licht für die Lizenz ohne Auflagen bekommen.

RB Leipzig: Retortenverein, Talentschmiede, Spitzenreiter

Premiere

Das erste Pflichtspiel der Vereinsgeschichte bestritten die Leipziger am 31. Juli 2009 im Sachsenpokal und besiegten in der ersten Runde den VfK Blau-Weiß Leipzig mit 5:0. Christian Streit schoss das erste Pflichtspieltor für RB Leipzig.

Erfolge in der Anfangszeit

Kurz vor dem Beginn der zweiten Bullen-Saison wurde das Zentralstadion am 24. Juli 2010 offiziell in Red Bull Arena umbenannt. Zur Eröffnung spielte RB Leipzig vor 21.566 Zuschauern gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 (1:2). Das erste Pflichtspiel mit dem ersten Tor (Steven Lewerenz) folgte am 6. August gegen Türkiyemspor Berlin (1:1).

Erste Erfolge

Meister der Oberliga Nordost und Aufstieg in die Regionalliga 2009/10, Sachsenpokalsieger und Qualifikation für den DFB-Pokal 2011 und 2013. Meister der Regionalliga Nordost und Aufstieg in die 3. Liga 2012/13. Aufstieg in die zweite Liga 2013/14.

Talentschmiede

Am 14. August 2011 wurde das Trainingszentrum offiziell eröffnet. Es ist neben der Red Bull Arena die zweite Vereinsbasis. Aktuell trainieren neben der Profi-Mannschaft die Nachwuchs-Mannschaften der U23, U19, U17, U16, U15 und U14 im sechs Hektar großen Zentrum auf sechs Plätzen unter Top-Bedingungen.

Trainingszentrum

Im Spätherbst 2013 fiel der Startschuss für den Ausbau des Trainingszentrums, dessen Herzstück ein Gebäudekomplex (13.500 Quadratmeter) mit Trainings-, Ausbildungs-, und Unterbringungsmöglichkeiten ist. Dazu kommen vier Naturrasen- und zwei Kunstrasenplätze nach FIFA-Maßen (105 x 67 Meter) und mit Flutlicht, sowie unter anderem ein Internat mit 50 Einzelzimmern, Büroflächen, Fan- und Elterncafé und eine überdachte Tribünenanlage mit 1000 Sitzplätzen.

Erster Torjäger

RB-Kapitän Daniel Frahn (26) wurde 2012 und 2013 mit 26 bzw. 20 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga Nordost. Auch in der dritten Liga spielte er 2013/14 eine gute Rolle und schoss 19 Tore.

Erste Pokalsensation

Im ersten DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte gelang am 29. Juli 2011 ein echter Coup. Mit 3:2 warf RB Leipzig den Bundesligisten VfL Wolfsburg aus dem Wettbewerb.

Zweite Bundesliga

2014 bis 2016 spielte RB in der 2. Bundesliga. Für die Saison 2015/16 verpflichtete Leipzig den Bundesligaspieler Davie Selke für acht Millionen Euro von Werder Bremen. Insgesamt gab der Verein 18,6 Millionen Euro für neue Spieler aus und damit 2,1 Millionen Euro mehr als alle anderen 17 Zweitligisten zusammen.

Bundesliga

Am 8. Mai 2016 stieg RB Leipzig in die erste Liga auf. Viel Geld wurde erneut für Spieler ausgegeben. So kam der Juniorennationalspieler Timo Werner für rund 10 Millionen Euro vom VfB Stuttgart. Das schottische Talent Oliver Burke kostete rund 18 Millionen Euro (15 Millionen Pfund). Er kam von Nottingham Forest.

Spitzenreiter

Am 11. Spieltag der Saison 2016/17 übernahm RB die Tabellenführung. Zudem brach der Aufsteiger den Rekord des MSV Duisburg aus der Saison 1993/94. Bislang hatte kein Aufsteiger am 11. Spieltag 27 Punkte gesammelt.

Im Zusammenhang mit RB Leipzig war immer wieder der schöne Begriff der „Traditionsentwicklung“ zu lesen. Wie wollen Sie Fußball-Tradition „entwickeln“, insbesondere im als problematisch geltenden Fußball-Osten Deutschlands?

Mich stört an dem Begriff, dass viele Vereine „Tradition“ als Schutzschild für ihre eigenen Fehlleistungen verwenden und darüber hinaus gnadenlos kommerzialisieren.

Aber Sie kommerzialisieren die Marke Red Bull doch auch…?

Ich finde den Vorwurf, wonach wir „den Fußball zerstören“, nicht gerechtfertigt. Warum sollten wir das tun? Wieso sind wir eine Gefahr für den Fußball? Herr Mateschitz ist kein russischer Oligarch oder arabischer Scheich, der sich als Spielzeug einen Klub kauft. Wir stehen für ein Sportkonzept mit Nachhaltigkeit. Das sollen alle anderen respektieren.

Die Fans können nicht Mitglied bei RB werden, sondern nur im offiziellen Fanklub. Warum diese Maßnahme?

Wir sind ein Verein nach BGB-Vereinsrecht, wir haben die erforderliche Mitgliederzahl. Aber Mitgliederzahlen sind für uns kein Marketing- oder Promotiontool. Günstige Tickets und Fanartikel bekommt man bei uns, wenn man Mitglied in einem der offiziellen Fanklubs ist. Wir wollen ein größtmögliches Maß an Rechtsicherheit für unsere Investitionen.

Aber sollten die Fans keinen Anspruch an Transparenz haben?

Die Zustände, die in manchen Vereinen herrschten bzw. herrschen, waren sicher nicht für deren Entwicklung förderlich.

Welche Rolle spielen ehemalige Fußball-Stars aus Ostdeutschland wie Michael Ballack, etwa als Repräsentanten oder Botschafter, in ihren Planungen?

Da haben wir keine Ambitionen.

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