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24.07.2015

19:38 Uhr

RB Leipzig als Krösus

Die berechenbarste 2. Liga aller Zeiten

VonAlexander Möthe

Am Freitag ist die 2. Bundesliga in die neue Saison gestartet. Favorit? RB Leipzig. Das Reißbrettprojekt gibt mehr Geld aus als der Rest der Liga zusammen. Doch das garantiert noch gar nichts.

Die „Roten Bullen“ aus Leipzig gehen als klarer Favorit in die startende Zweitliga-Saison. dpa

RB Leipzig

Die „Roten Bullen“ aus Leipzig gehen als klarer Favorit in die startende Zweitliga-Saison.

Deutschlands Profiligen, sie kämpfen mit ungleichen Mitteln. Die 1. Liga hat etwa in der Saison 2013/14 rund 2,5 Milliarden Euro verdient. Der Erlös des Fußballunterhauses im gleichen Zeitraum: 458 Millionen Euro. Allein mit Werbung und Fernsehgeldern verdienen die Erstligisten mehr als die Klubs eine Etage darunter insgesamt.

Am Freitagabend startete die 2. Bundesliga mit der Partie MSV Duisburg gegen den 1. FC Kaiserlautern in ihre 42. Spielzeit; die Vereine der Liga haben bis dahin insgesamt 25,3 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Das ist eine Menge Geld. Auch im Profifußball noch.

Doch während Vereine aus der 1. Fußballbundesliga immer wieder Summen dieser Größenordnung für einzelne Spieler ausgeben, hat die 2. Bundesliga laut der Referenz-Website Transfermarkt.de diesen Betrag im Sommer insgesamt für Transfers investiert. Die 1. Liga hat, Stand jetzt, bereits das Zehnfache ausgegeben.

25,3 Millionen Euro. Nur zweimal in den vergangenen zehn Jahren gab die 2. Bundesliga mehr für neue Spieler aus. Im Vorjahr wurde mit Ausgaben von 38,3 Millionen Euro eine neue Höchstmarke erreicht, die die Summe aus der Saison 2007/08 (37,97 Millionen) knapp toppen konnte. 2013/14 gab die gesamte Liga noch knapp 15 Millionen Euro aus. Und auch da stellten allein die Großverdiener Köln und Düsseldorf gut die Hälfte dieser Summe.

Allen drei Rekordbeträgen ist etwas gemein. Sie alle geben verzerrte Werte wieder. Verzerrt daher, weil alle drei maßgeblich von je einem einzelnen Verein ausgegeben wurde. Und an allen war ein Mann beteiligt: Ralf Rangnick.

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Das Modell des RB Leipzig verzerrt den Wettbewerb. Wenn der Eigentümer eines Fußballclubs bestimmt, ob seine Sponsoringausgaben angemessen sind, wird es in Zukunft eine Zweiklassengesellschaft geben. Ein Kommentar.

Aktuell setzen sich die Transferausgaben der 2. Bundesliga wie folgt zusammen. Von den 25,3 Millionen Euro entfallen allein 15,6 Millionen Euro auf die Neuzugänge von Rasenballsport Leipzig. Der Verein mit Hauptsponsor und Geldgeber Red Bull, holte als spektakulärsten Neuzugang Stürmer Davie Selke vom SV Werder Bremen – für acht Millionen Euro Ablöse. Die 17 übrigen Vereine gaben gemeinsam also nicht einmal zehn Millionen Euro aus. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 1,4 Millionen Euro pro Verein. Leipzig gibt um den Faktor zehn mehr aus, als der Rest der Liga.

Wo der Gesamtetat der „Roten Bullen“ liegt, ist ungewiss. Der 1. FC Köln ging das Projekt Aufstieg einst mit einem Budget von mehr als 20 Millionen Euro an. Leipzig – der Verein hat das Saisonziel direkter Durchmarsch in die Beletage letztlich deutlich verpasst – dürfte den Etat entsprechend deutlicher nach oben schrauben.

Fakten zu RB Leipzig

Gründung

Der Verein wurde am 19. Mai 2009 als RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Er übernahm damit das Startrecht von drei Männermannschaften des SSV Markranstädt.

Umsatz

Die Region hofft auf den großen wirtschaftlichen Schwung durch einen sächsischen Fußballverein in der Bundesliga. Für die Region Leipzig könnten durch den Aufstieg von RB in die erste Liga rund 200 Millionen Euro im Jahr in die Kassen gespült werden, schätzen Experten.

Kaderwert

Der Kader ist rasant im Wert gestiegen. Zu Zweitligazeiten betrug der Marktwert rund 30 Millionen Euro, im November 2016 sind es mehr als 80 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Sponsoren

Hauptsponsor ist die Getränkefirma Red Bull aus Österreich. Experten schätzen, dass der Konzern rund 100 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. Da die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes eine Namensgebung zu Werbezwecken verbietet, ist der Hauptsponsorenname als Namensbestandteil unzulässig. Auch über das Logo herrschte lange Zeit Unklarheit, jedoch wurde es nachträglich vom SFV nach minimalsten Änderungen doch zugelassen.

Stadion

Seine Heimspiele trägt RasenBallsport Leipzig in der 44.345 Zuschauer fassenden "Red Bull Arena" aus. Es war als Zentralstadion auch Austragungsort der WM 2006 und ist 2003 für 90 Millionen Euro gebaut worden. Der Vertrag über die Namensreche läuft bis 2040. Nachgedacht wird über ein größeres Stadion.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Ein Bier der Marke Ur-Krostitzer (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Eine Bratwurst kostet: 2,50 Euro

Vereinsführung

Das Management wird gebildet vom Sportdirektor Ralf Rangnick, dem Geschäftsführer Ulrich Wolter sowie dem Mäzen Dietrich Mateschitz.

Trainer

Ralph Hasenhüttl hat die Mannschaft zu Beginn der Saison 2016/17 übernommen. Der Österreicher war zuvor mit dem FC Ingolstadt in die Bundesliga aufgestiegen und hatte die Klasse überraschend gehalten.

Wertvollste Spieler (November 2016)

Naby Keita (11 Millionen Euro), Oliver Burke (10 Millionen Euro), Timo Werner (8 Millionen Euro).

Personalaufwand

Der Etat der Profi-Mannschaft liegt in der Saison 2016/17 bei 35 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu Spitzenteams, die dafür 100 Millionen Euro ausgeben. Beim FC Bayern sind es sogar rund 200 Millionen Euro.

Red Bull bleibt als Hauptsponsor und Namensgeber der Leipziger Arena Hauptfinanzier des Reißbrettprodukts Rasenballsport. Zwar muss das Unternehmen von Milliardär Dietrich Mateschitz das Financial Fairplay der Uefa beachten, darf nicht mehr als „marktübliche Preise“ für die Sponsoringverträge bezahlen. Doch die Regelung ist schwammig, das heißt: weich und löchrig. Der Wettbewerb in der zweiten Liga, er ist durch diesen internen Klassenunterschied inzwischen verzerrt.

Doch Geld schießt eben keine Tore, belegt die Vorsaison: 23,35 Millionen Euro gab RB Leipzig das gesamte Jahr über aus. Am Ende stieg unter anderem der SV Darmstadt 98 auf, der mit einem Gesamtetat von rund sieben Millionen Euro in die Erstligasaison startet.

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