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24.02.2015

11:20 Uhr

RB Leipzig

Die roten Bullen können den Aufstieg abhaken

Trotz des ersten Punktgewinns enttäuschte das teuer zusammengekaufte RasenBallsport-Team am Montag erneut. Hoffnung auf Besserung machte das Remis in Braunschweig nicht. Ist das schon das Ende der Leipziger Erfolgsstory?

RB Leipzig im Eintracht Stadion in Braunschweig: Leipzigs Dominik Kaiser (2.v.l) bejubelt seinen Treffer zum 1:1 gegen Eintracht Braunschweig. dpa

Seltener Jubel

RB Leipzig im Eintracht Stadion in Braunschweig: Leipzigs Dominik Kaiser (2.v.l) bejubelt seinen Treffer zum 1:1 gegen Eintracht Braunschweig.

BraunschweigRalf Rangnick winkte nur müde lächelnd ab. Ist der Aufstieg mit einer kleinen Siegesserie noch möglich? „Fangen wir erst mal mit einem Sieg an“, antwortete der Sportchef vom RB Leipzig fast spöttisch. Rangnick wirkte eher resigniert, der erste Punktgewinn des neuen Jahres reichte nicht für neue Hoffnung. Das Fazit nach nur drei Rückrunden-Spieltagen der 2. Fußball-Bundesliga ist ernüchternd: Die Millionen-Investitionen der Winterpause sind wirkungslos verpufft.

Mit aller Macht und viel Geld wollte RB Leipzig nach der Hinrunde noch einmal angreifen. Rangnick und Geldgeber Red Bull wollen möglichst schnell in die 1. Liga, nach dem Kauf von sündhaft teuren Stürmern wechselten sie nach nur einem Rückrundenspiel auch noch flott den Trainer aus. Spätestens aber nach dem glücklichen 1:1 (0:1) bei Eintracht Braunschweig ist dem Sportdirektor klar, dass Leipzig auch in der kommenden Saison an kalten Montagabenden antreten muss.

„Das hätte auch anders ausgehen können“, sagte Rangnick zur desolaten ersten Halbzeit, als die Braunschweiger bei mehreren gute Torchancen eine höhere Führung versäumten und nur zu einem Treffer von Emil Berggreen (45.) kamen. Leipzig spielte eher wie ein Abstiegs- und nicht wie ein Aufstiegskandidat.

Fakten zu RB Leipzig

Gründung

Der Verein wurde am 19. Mai 2009 als RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Er übernahm damit das Startrecht von drei Männermannschaften des SSV Markranstädt.

Umsatz

Die Region hofft auf den großen wirtschaftlichen Schwung durch einen sächsischen Fußballverein in der Bundesliga. Für die Region Leipzig könnten durch den Aufstieg von RB in die erste Liga rund 200 Millionen Euro im Jahr in die Kassen gespült werden, schätzen Experten.

Kaderwert

Der Kader ist rasant im Wert gestiegen. Zu Zweitligazeiten betrug der Marktwert rund 30 Millionen Euro, im November 2016 sind es mehr als 80 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Sponsoren

Hauptsponsor ist die Getränkefirma Red Bull aus Österreich. Experten schätzen, dass der Konzern rund 100 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. Da die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes eine Namensgebung zu Werbezwecken verbietet, ist der Hauptsponsorenname als Namensbestandteil unzulässig. Auch über das Logo herrschte lange Zeit Unklarheit, jedoch wurde es nachträglich vom SFV nach minimalsten Änderungen doch zugelassen.

Stadion

Seine Heimspiele trägt RasenBallsport Leipzig in der 44.345 Zuschauer fassenden "Red Bull Arena" aus. Es war als Zentralstadion auch Austragungsort der WM 2006 und ist 2003 für 90 Millionen Euro gebaut worden. Der Vertrag über die Namensreche läuft bis 2040. Nachgedacht wird über ein größeres Stadion.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Ein Bier der Marke Ur-Krostitzer (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Eine Bratwurst kostet: 2,50 Euro

Vereinsführung

Das Management wird gebildet vom Sportdirektor Ralf Rangnick, dem Geschäftsführer Ulrich Wolter sowie dem Mäzen Dietrich Mateschitz.

Trainer

Ralph Hasenhüttl hat die Mannschaft zu Beginn der Saison 2016/17 übernommen. Der Österreicher war zuvor mit dem FC Ingolstadt in die Bundesliga aufgestiegen und hatte die Klasse überraschend gehalten.

Wertvollste Spieler (November 2016)

Naby Keita (11 Millionen Euro), Oliver Burke (10 Millionen Euro), Timo Werner (8 Millionen Euro).

Personalaufwand

Der Etat der Profi-Mannschaft liegt in der Saison 2016/17 bei 35 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu Spitzenteams, die dafür 100 Millionen Euro ausgeben. Beim FC Bayern sind es sogar rund 200 Millionen Euro.

Noch deutlicher als Rangnick wurde der RB-Torschütze Dominik Kaiser (85.), der mit seinem späten Treffer zumindest noch einen Punkt rettete. „Das war katastrophal“, kommentierte der Kapitän die ersten 45 Minuten: „Die Braunschweiger haben gemacht, was sie wollten. Sie hätten noch ein Tor machen müssen.“ Die zweite Halbzeit spielte Leipzig etwas besser, allerdings auch nicht überzeugend und nicht torgefährlich.

Bei inzwischen acht Punkten Rückstand auf den Relegationsrang haben die im Sommer aus der 3. Liga aufgestiegenen Leipziger den weiteren Durchmarsch endgültig abgehakt. „Wenn man die Tabelle anschaut, muss man sich keine Gedanken darüber machen“, bestätigte auch Trainer Achim Beierlorzer. Die erhoffte Wende mit dem Nachfolger des geschassten Alexander Zorniger ist ausgeblieben.

´Besonders enttäuschend war der neu zusammengekaufte Millionen-Sturm. Omer Damari und Emil Forsberg, die in der Winterpause mit dem Red-Bull-Geld für mehr als acht Millionen Euro verpflichtet worden waren, sollten RB in der Rückrunde in die 1. Liga schießen. Doch das kostspielige Angriffs-Duo zeigte in Braunschweig kaum Zweitliga-Tauglichkeit und konnte sich gegen die ersatzgeschwächte und zusammengewürfelte Eintracht-Abwehr nicht durchsetzen.

RB Leipzig: Retortenverein, Talentschmiede, Spitzenreiter

Premiere

Das erste Pflichtspiel der Vereinsgeschichte bestritten die Leipziger am 31. Juli 2009 im Sachsenpokal und besiegten in der ersten Runde den VfK Blau-Weiß Leipzig mit 5:0. Christian Streit schoss das erste Pflichtspieltor für RB Leipzig.

Erfolge in der Anfangszeit

Kurz vor dem Beginn der zweiten Bullen-Saison wurde das Zentralstadion am 24. Juli 2010 offiziell in Red Bull Arena umbenannt. Zur Eröffnung spielte RB Leipzig vor 21.566 Zuschauern gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 (1:2). Das erste Pflichtspiel mit dem ersten Tor (Steven Lewerenz) folgte am 6. August gegen Türkiyemspor Berlin (1:1).

Erste Erfolge

Meister der Oberliga Nordost und Aufstieg in die Regionalliga 2009/10, Sachsenpokalsieger und Qualifikation für den DFB-Pokal 2011 und 2013. Meister der Regionalliga Nordost und Aufstieg in die 3. Liga 2012/13. Aufstieg in die zweite Liga 2013/14.

Talentschmiede

Am 14. August 2011 wurde das Trainingszentrum offiziell eröffnet. Es ist neben der Red Bull Arena die zweite Vereinsbasis. Aktuell trainieren neben der Profi-Mannschaft die Nachwuchs-Mannschaften der U23, U19, U17, U16, U15 und U14 im sechs Hektar großen Zentrum auf sechs Plätzen unter Top-Bedingungen.

Trainingszentrum

Im Spätherbst 2013 fiel der Startschuss für den Ausbau des Trainingszentrums, dessen Herzstück ein Gebäudekomplex (13.500 Quadratmeter) mit Trainings-, Ausbildungs-, und Unterbringungsmöglichkeiten ist. Dazu kommen vier Naturrasen- und zwei Kunstrasenplätze nach FIFA-Maßen (105 x 67 Meter) und mit Flutlicht, sowie unter anderem ein Internat mit 50 Einzelzimmern, Büroflächen, Fan- und Elterncafé und eine überdachte Tribünenanlage mit 1000 Sitzplätzen.

Erster Torjäger

RB-Kapitän Daniel Frahn (26) wurde 2012 und 2013 mit 26 bzw. 20 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga Nordost. Auch in der dritten Liga spielte er 2013/14 eine gute Rolle und schoss 19 Tore.

Erste Pokalsensation

Im ersten DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte gelang am 29. Juli 2011 ein echter Coup. Mit 3:2 warf RB Leipzig den Bundesligisten VfL Wolfsburg aus dem Wettbewerb.

Zweite Bundesliga

2014 bis 2016 spielte RB in der 2. Bundesliga. Für die Saison 2015/16 verpflichtete Leipzig den Bundesligaspieler Davie Selke für acht Millionen Euro von Werder Bremen. Insgesamt gab der Verein 18,6 Millionen Euro für neue Spieler aus und damit 2,1 Millionen Euro mehr als alle anderen 17 Zweitligisten zusammen.

Bundesliga

Am 8. Mai 2016 stieg RB Leipzig in die erste Liga auf. Viel Geld wurde erneut für Spieler ausgegeben. So kam der Juniorennationalspieler Timo Werner für rund 10 Millionen Euro vom VfB Stuttgart. Das schottische Talent Oliver Burke kostete rund 18 Millionen Euro (15 Millionen Pfund). Er kam von Nottingham Forest.

Spitzenreiter

Am 11. Spieltag der Saison 2016/17 übernahm RB die Tabellenführung. Zudem brach der Aufsteiger den Rekord des MSV Duisburg aus der Saison 1993/94. Bislang hatte kein Aufsteiger am 11. Spieltag 27 Punkte gesammelt.

Rangnick hat nun angesichts der Tabellensituation genug Zeit, um einen Umbruch für den nächsten Anlauf einzuleiten. Vor allem, um einen neuen Trainer zu suchen. Sollte der als Topkandidat geltende Thomas Tuchel die Partie am Fernseher verfolgt haben, hätte er zumindest viel Steigerungspotenzial gesehen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Paul Kersey

24.02.2015, 12:20 Uhr

Es ist einfach erfreulich zu sehen, dass das Erfolgsrezept eines Sportvereins Gott sei Dank nicht zu 100% vom Geld abhängt, sondern dass da noch ein paar andere Faktoren eine Rolle spielen.

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