Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.12.2016

11:32 Uhr

RB Leipzig gegen Schalke 04

Was Schwalbenkönig Timo Werner lehrt

VonThomas Schmitt

Unsportlichkeit im Fußball hat ein neues Synonym: Timo Werner. Die dreiste Schwalbe des Leipziger Stürmers gegen Schalke 04 zeigt überdies: Schiedsrichter und Spieler waren total überfordert. Der Videobeweis muss her!

Werners Schwalbe und der darauffolgende Strafstoß waren der Aufreger im Duell zwischen RB Leipzig und dem FC Schalke 04. dpa

Timo Werner

Werners Schwalbe und der darauffolgende Strafstoß waren der Aufreger im Duell zwischen RB Leipzig und dem FC Schalke 04.

DüsseldorfIn Leipzig war noch keine Minute gespielt, da stürmt Timo Werner in den Strafraum von Schalke 04. Er wird verfolgt vom Verteidiger Naldo, der ihn leicht berührt. Doch das stört Werner wenig, er läuft noch ein paar Meter und lässt sich dann spektakulär fallen. Der Schiedsrichter denkt: Der Schalker Torwart hat Werner gefoult und entscheidet auf Elfmeter.

Das war eine krasse Fehlentscheidung, die durch die Kameras im Stadion schnell aufgelöst werden konnte. Tatsächlich hat Torwart Ralf Fährmann den Stürmer gar nicht berührt, er bekommt dennoch eine gelbe Karte von Schiedsrichter Bastian Dankert. Der wiederum lässt sich durch die Schalker Proteste in keiner Weise von seiner Wahrnehmung abbringen.

Fußball: Die schlimmsten Schwalben

Timo Werner

Aufreger des 13. Spieltages der Saison 2016/17: RB-Torjäger Timo Werner holte beim 2:1 (1:1)-Sieg des Spitzenreiters mit einer dreisten Schwalbe gegen Schalkes Schlussmann einen Elfmeter, den er selbst zum 1:0 (2.) verwandelte, raus.

Quelle: SID/Spox.com

Geständnis

Mit einem Tag Abstand gab der 20-Jährige die Unsportlichkeit zu. „Natürlich sieht es dann nicht nur nach einer Schwalbe aus, sondern es ist eine – Punkt“, sagte Werner. Doch war er mitnichten der erste spektakuläre Schwalbenkönig...

Arturo Vidal

Der Bayern-Spieler sorgte in der Saison 2015/16 per Schwalbe für einen Elfmeter im Pokalspiel gegen Bremen. Die Norddeutschen verloren das Spiel.

Arjen Robben

Arjen Robben ließ im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Bochum in der Saison 2015/16 sein schauspielerisches Talent aufblitzen. Die Folge: Rot für den Gegenspieler, Elfmeter für Bayern.

Bernd Hölzenbein

Eine Schwalbe, die deutsche Fußball-Geschichte schrieb: Bernd Hölzenbein provozierte der DFB-Auswahl im Finale der WM 1974 den Elfmeter, Paul Breitner verwandelte zum 1:1.

Andy Möller

Andy Möller provozierte mit der vielleicht offensichtlichsten Schwalbe aller Zeiten 1995 einen Elfmeter gegen den KSC. Der Treffer bescherte Dortmund den 1:0-Sieg. Noch heute wird die sogenannte „Schutzschwalbe“ (=abspringen vor dem Gegnerkontakt) unweigerlich mit dem Ex-Dortmunder in Verbindung gebracht.

Marcelo

Reals Marcelo wollte in der Saison 2015/16 im Champions-League-Duell mit Wolfsburg unbedingt einen Platzverweis gegen Maximilian Arnold provozieren.

Fred

Im Eröffnungsspiel der Fußball-WM 2014 gegen Kroatien spielte Fred im Sturm: Er ließ sich in der 70. Spielminute beim Spielstand von 1:1 nach einer Berührung durch Verteidiger Dejan Lovren im Strafraum fallen und reklamierte dafür einen Elfmeter, den er bekam.

Norbert Meier

Der Trainer Norbert Meier versetzte am 6. Dezember 2005 während eines Bundesliga-Spiels gegen den 1. FC Köln dem gegnerischen Spieler Albert Streit an der Außenlinie einen Kopfstoß und ließ sich dann selbst fallen. Streit wurde daraufhin des Platzes verwiesen, Meier erhielt für diese „Schwalbe“ ein zeitweiliges Berufsverbot als Trainer und eine Geldstrafe von 12.500 Euro.

Zwar redet er kurz mit Timo Werner, doch vor laufenden Kameras bestreitet der Schiedsrichter das hinterher sogar. Werner sagt hinterher, er habe darauf hingewiesen, dass Torwart Fährmann ihn gar nicht berührt habe. Doch entweder ist das eine Notlüge oder sein Hinweis ist im allgemeinen Rummel nach dem Pfiff untergegangen.

Klar sichtbar war hingegen die sofortige Reaktion von Werner. Nach dem Pfiff reckt er den Daumen in die Höhe, anschließend führt er den Strafstoß selbst aus und jubelt wie entfesselt. Erst nachdem er sich hinterher in aller Ruhe die eindeutigen Bilder der TV-Kameras angeschaut hat, macht er den ersten Rückzieher in der Angelegenheit, später entschuldigt er sich und gibt die Schwalbe sogar klar zu. Traurig genug.

Fußball Bundesliga: "Tatsachenentscheidung": Keine DFB-Ermittlungen gegen Werner

Fußball Bundesliga

"Tatsachenentscheidung": Keine DFB-Ermittlungen gegen Werner

Stürmer Timo Werner von RB Leipzig muss nach seiner Schwalbe im Heimspiel gegen Schalke 04 (2:1) vonseiten des DFB keine Sanktionen fürchten.

Das eigentliche Trauerspiel geht jedoch erst nach dem Spiel los. RB-Sportdirektor Ralf Rangnick bestreitet, dass es sich um eine Schwalbe handelte. „Da sollte er mal den Augenarzt wechseln und sich eine neue Brille holen“, giftete Torwart-Legende Uli Stein im TV-Studio von Sky. „Wenn er das im Nachhinein immer noch nicht als Schwalbe sieht, dann ist er fernab jeder Realität.“

Und dem ohnehin in ganz Fußball-Deutschland umstrittenen Verein RB Leipzig tut die ganze Sache ganz und gar nicht gut, wie Stein völlig richtig mit Blick auf Rangnick feststellt: „Er steht zu dem Betrug, findet das gut und untermauert das auch noch. Das ist sicher für das Image des Vereins und von Ralf Rangnick nicht förderlich."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×