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20.02.2017

07:29 Uhr

RB Leipzig in Mönchengladbach

„Steht auf, wenn ihr Borussen seid“

VonThorsten Giersch

Die „Bullen“ lassen den „Fohlen“ keine Chance: RB Leipzig besiegt abschlussschwache Gladbacher mit 2:1 und beendet damit zwei Serien. Doch vor allem ging es nach dem Skandal von Dortmund um die Sicherheit der Gästefans.

AP

Die Gladbacher Fans zeigen Leipzig Flagge

MönchengladbachDas Wichtigste vorneweg: Die mitgereisten Leipziger Fans kamen unversehrt ins Stadion und feuerten dort unbeschwert ihr Team an. Das ist nur vermeintlich eine Normalität, schließlich war es für Leipzig das erste Auswärtsspiel nach den Vorkommnissen in Dortmund vor zwei Wochen, wo sie angepöbelt und handgreiflich angegangen wurden.

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl bat im Vorfeld der Partie darum, dass die Fans ihre Meinung zum RB Leipzig „mit Anstand, friedlich und sportlich fair“ zu äußern. Im strömenden Regen vor dem Spiel gab es glücklicherweise keine hitzigen Vorfälle zischen Anhängern der „Fohlen“ und der „Bullen“.

Die Gastgeber hatten sich gemeinsam mit der Polizei intensiv vorbereitet. Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers ahnte im Vorfeld, dass die Fans „ihre Meinung zum Modell RB Leipzig zum Ausdruck bringen“ würden. Doch er war optimistisch genug, dass sie dies „in einer intelligenten, kreativen und vor allem friedlichen Form tun“.

Dortmund plant Spiel ohne Gelbe Wand

Hintergrund

Für Trainer Thomas Tuchel ist es ein „Monument des Weltfußballs“, für viele Fußballfans der stimmungsvollste Ort der Bundesliga. Im Spiel gegen den VfL Wolfsburg muss Borussia Dortmund auf die Unterstützung der legendären „Gelben Wand“ verzichten. Weil beim vergangenen Heimspiel der Borussia gegen RB Leipzig viele Schmähplakate zu sehen waren, muss die rund 25.000 Zuschauer fassende Südtribüne des Stadions laut DFB-Urteil für eine Partie leer bleiben.

Wie sperrt man die größte Stehplatztribüne Europas?

Die Eintrittskarten für die Tribüne sind deaktiviert. Zudem werden laut Stadion-Chef Christian Hockenjos mehr Ordner als bei anderen Bundesligaspielen eingesetzt. Sie werden zumeist an den Zugängen zur Südtribüne postiert und sollen verhindern, dass Fans trotz des Verbots auf die Südtribüne gelangen. Zudem sind temporäre Absperrungen vorgesehen. Für die restlichen Stadionbesucher gibt es keine Einschränkungen. Alle Eingänge sind geöffnet.

Wie reagiert die Polizei auf die besondere Situation?

Obwohl deutlich weniger Zuschauer im Stadion sein werden, stuft die Polizei die Partei als Risikospiel ein. Deshalb sind mehr Beamte im Einsatz. Noch ist nicht absehbar, wie sich die ausgesperrten Fans verhalten. Nach Kenntnis der Polizei und des Vereins sind bisher keine besonderen Aktionen geplant. Man wolle aber auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, sagte ein Polizeisprecher den „Ruhr Nachrichten“ (Freitag).

Wie viele Zuschauer sind dabei?

Der Signal-Iduna-Park ist mit 56.903 Zuschauern ausverkauft. 24.454 Plätze auf der Südtribüne bleiben aufgrund des DFB-Urteils frei. 1700 Fans kommen aus Wolfsburg. Weil die Gäste nicht das komplette Kartenkontingent abgerufen haben, gingen die restlichen Tickets an BVB-Anhänger – allerdings schon vor dem DFB-Urteil am vorigen Montag. Nicht auszuschließen, dass auch etatmäßige Süd-Besucher diese Möglichkeit im Nachhinein nutzten, um an Karten für das Spiel zu kommen.

Welche Entschädigung gibt es für die Fans von der Südtribüne?

Der BVB erstattet allen Fans, die erwiesenermaßen nicht zu den Tätern der Vorkommnisse rund um das Leipzig-Spiel gehören, den Eintrittskarten-Preis. Dauerkarteninhabern wird innerhalb der nächsten Wochen der anteilige Betrag erstattet. Tageskartenkäufer erhalten eine Karte für das letzte Bundesliga-Heimspiel dieser Saison am 20. Mai gegen Werder Bremen.

Gibt es auch Profiteure?

Die Gastronomen dürften von der Sperrung der Südtribüne profitieren. So wollen viele Fanclubs von außerhalb der Stadt, die ihre Busse längst gebucht hatten, trotz des Verbots anreisen und sich das Spiel in einer der vielen Gaststätten vor Ort ansehen. Nutznießer könnten auch die Wolfsburger Profis sein. „Falls es jemals einen guten Zeitpunkt gab, in Dortmund zu spielen, dann ist dieser vielleicht jetzt“, sagte VfL-Trainer Valérien Ismaël.

Was intelligent oder kreativ ist, mag Geschmackssache sein. Friedlich aber war die Choreografie allemal: Im Stadion zeigten die Gladbachs Fans mit zwei riesigen schwarzen Transparenten Flagge, auf denen „Traditionsverein“ und „Seit 1900“ stand. Dazu ein stiller Protest gegen das Finanzierungsmodell von RB Leipzig, der exakt bis zur Minute 19:00 andauerte.

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Nach einem Countdown erhoben sich die bis dahin schweigsamen Anhänger und skandierten „Steht auf, wenn ihr Borussen seid“. Das lag vermutlich auch daran, dass sie - wie so viele - die eine richtig hässliche Aktion übersehen hatten. Einige Ultras unter den Gladbacher Fans sorgten für Unfrieden mit zwei unterschiedlichen Bannern, die in Addition ihren fiesen Sinn ergeben: "Wir verurteilen jeden geworfenen Stein" mag für sich auffällig vernünftig wirken, doch mit dem zweiten Plakat "… der Euch Kunden nicht getroffen hat" zeigte sich dann doch, welch Geistes Kind einige der sogenannten Borussen-Fans sind. Auch wenn die Plakate nur kurz zu sehen waren und den allermeisten Zuschauern entgangen sein dürften, drohen Borussia nun Ermittlungen seitens des DFB.

Die gut 1000 mitgereisten Leipziger Fans dürften diese Plakate nicht gesehen haben und gingen auch mit dem Rest souverän um. Sie ließen sich den Spaß am Feiern in ihrer Ecke des Borussiaparks nicht vermiesen. Sie hatten im Laufe der Partie auch reichlich Grund, ihren Frohsinn zu behalten: Die Leipziger besiegten Gladbach mit 2:1 durch Tore von Emil Forsberg und Timo Werner, profitierten dabei aber von müden Gladbachern, die in diesen Tagen praktisch keinen Möbelwagen treffen. Die Krönung der schlechten Chancenverwertung bildete der verschossene Elfmeter von Thorgan Hazard kurz vor der Pause.

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