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27.07.2013

18:24 Uhr

RB Leipzig

Red Bull greift die Bundesliga an

VonCarsten Germann

Der Osten Deutschlands hungert nach erstklassigem Fußball. Mit RB Leipzig will Red Bull einen Topklub für die Region schaffen. Der Getränkeriese drängt so nach etwa Österreich und den USA in den deutschen Spitzensport.

RB Leipzigs Geschäftsführer Ulrich Wolter (links) und Sportdirektor Ralf Ragnick.

RB Leipzigs Geschäftsführer Ulrich Wolter (links) und Sportdirektor Ralf Ragnick.

LeipzigZehn Minuten reichen. Der Taxifahrer Lutz bringt seinen Fahrgästen auf dem Weg vom Leipziger Hauptbahnhof zur Red Bull Arena die Fußballgeschichte der Stadt näher. Ein Crashkurs. Von den Skandalgeschichten mit Pleiten und Fan-Randalen rund um den VfB und Sachsen Leipzig in den Neunzigern über Wodka durstige mexikanische Fans im Achtelfinal-Spiel gegen Argentinien beim WM-Sommermärchen 2006 bis hin zur neuesten Erfolgsgeschichte. Und die heißt RasenBallsport Leipzig.

Diese mit beinahe kindlicher Begeisterung geschilderten Episoden zeigen, wie hungrig ganz Leipzig auf den großen Fußball ist. „Die werden das schon gut machen“, sagt Lutz mit Blick auf den vom Getränkeriesen Red Bull auf die Fußball-Landkarte gehievten Drittliga-Aufsteiger RB Leipzig.

Die Hoffnung, wonach große Stars wie Bayern Münchens Triple-Sieger Philipp Lahm oder Borussia Dortmunds Kapitän Roman Weidenfeller nicht nur bei Anlässen wie dem Abschiedsspiel von Fußballlegende Michael Ballack im Juni in Leipzig zu sehen sind, ist durchaus berechtigt. Nie war in Leipzig mehr Anfang als in diesem (Fußball-)Sommer.

RB Leipzig: Retortenverein, Talentschmiede, Spitzenreiter

Premiere

Das erste Pflichtspiel der Vereinsgeschichte bestritten die Leipziger am 31. Juli 2009 im Sachsenpokal und besiegten in der ersten Runde den VfK Blau-Weiß Leipzig mit 5:0. Christian Streit schoss das erste Pflichtspieltor für RB Leipzig.

Erfolge in der Anfangszeit

Kurz vor dem Beginn der zweiten Bullen-Saison wurde das Zentralstadion am 24. Juli 2010 offiziell in Red Bull Arena umbenannt. Zur Eröffnung spielte RB Leipzig vor 21.566 Zuschauern gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 (1:2). Das erste Pflichtspiel mit dem ersten Tor (Steven Lewerenz) folgte am 6. August gegen Türkiyemspor Berlin (1:1).

Erste Erfolge

Meister der Oberliga Nordost und Aufstieg in die Regionalliga 2009/10, Sachsenpokalsieger und Qualifikation für den DFB-Pokal 2011 und 2013. Meister der Regionalliga Nordost und Aufstieg in die 3. Liga 2012/13. Aufstieg in die zweite Liga 2013/14.

Talentschmiede

Am 14. August 2011 wurde das Trainingszentrum offiziell eröffnet. Es ist neben der Red Bull Arena die zweite Vereinsbasis. Aktuell trainieren neben der Profi-Mannschaft die Nachwuchs-Mannschaften der U23, U19, U17, U16, U15 und U14 im sechs Hektar großen Zentrum auf sechs Plätzen unter Top-Bedingungen.

Trainingszentrum

Im Spätherbst 2013 fiel der Startschuss für den Ausbau des Trainingszentrums, dessen Herzstück ein Gebäudekomplex (13.500 Quadratmeter) mit Trainings-, Ausbildungs-, und Unterbringungsmöglichkeiten ist. Dazu kommen vier Naturrasen- und zwei Kunstrasenplätze nach FIFA-Maßen (105 x 67 Meter) und mit Flutlicht, sowie unter anderem ein Internat mit 50 Einzelzimmern, Büroflächen, Fan- und Elterncafé und eine überdachte Tribünenanlage mit 1000 Sitzplätzen.

Erster Torjäger

RB-Kapitän Daniel Frahn (26) wurde 2012 und 2013 mit 26 bzw. 20 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga Nordost. Auch in der dritten Liga spielte er 2013/14 eine gute Rolle und schoss 19 Tore.

Erste Pokalsensation

Im ersten DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte gelang am 29. Juli 2011 ein echter Coup. Mit 3:2 warf RB Leipzig den Bundesligisten VfL Wolfsburg aus dem Wettbewerb.

Zweite Bundesliga

2014 bis 2016 spielte RB in der 2. Bundesliga. Für die Saison 2015/16 verpflichtete Leipzig den Bundesligaspieler Davie Selke für acht Millionen Euro von Werder Bremen. Insgesamt gab der Verein 18,6 Millionen Euro für neue Spieler aus und damit 2,1 Millionen Euro mehr als alle anderen 17 Zweitligisten zusammen.

Bundesliga

Am 8. Mai 2016 stieg RB Leipzig in die erste Liga auf. Viel Geld wurde erneut für Spieler ausgegeben. So kam der Juniorennationalspieler Timo Werner für rund 10 Millionen Euro vom VfB Stuttgart. Das schottische Talent Oliver Burke kostete rund 18 Millionen Euro (15 Millionen Pfund). Er kam von Nottingham Forest.

Spitzenreiter

Am 11. Spieltag der Saison 2016/17 übernahm RB die Tabellenführung. Zudem brach der Aufsteiger den Rekord des MSV Duisburg aus der Saison 1993/94. Bislang hatte kein Aufsteiger am 11. Spieltag 27 Punkte gesammelt.

Die gegen den Provinzklub Sportfreunde Lotte erfolgreich absolvierte Drittliga-Relegation - mit 30.100 Zuschauern im Hinspiel – hat in Leipzig für eine neue Euphorie ausgelöst. Dafür spricht auch die rekordverdächtige Zahl von 2600 Dauerkarten. In der letzten Regionalligasaison setzte man mit 7500 Fans im Schnitt eine neue Bestmarke. Hinzu kam ein respektabler 2:1-Erfolg im Testspiel gegen den Bundesligisten Werder Bremen am 22. Juli. „Die Mannschaft hatte den unbedingten Willen, in den DFB-Pokal zu kommen und ungeschlagen aufzusteigen. Das hat die Leute begeistert“, sagt RB-Geschäftsführer Ulrich Wolter dem Handelsblatt. Im Topspiel am Samstag holte der Verein immerhin ein 2:2-Unentschieden gegen SC Preußen Münster heraus.

Der Aufsteiger knackte in der 3. Liga alle Transfer-Rekorde. Für Spieler wie den dänischen Mittelstürmer Yussuf Poulsen (19, Lyngby Kopenhagen) oder den defensiven Allrounder Joshua Kimmich (18) aus der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart legte man 1,1 Millionen Euro hin. Insgesamt betrugen die in den Kader investierten Ablösesummen bis zum ersten Heimspiel gegen Bundesliga-Gründungsmitglied Preußen Münster 1,3 Millionen Euro.

Auffällig ist, dass Leipzig nicht auf gestandene Spieler oder gar abgehalfterte Altstars aus ist. „Es geht nicht um einen Wettlauf, mit möglichst vielen Söldnern möglichst rasch in die Bundesliga zu kommen, sondern es geht um eine gesunde Entwicklung und gesundes Wachstum – mit möglichst vielen eigenen Spielern“, erklärt Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz (68).

Seit 2009 hat der österreichische Milliardär in den Klub investiert und die Infrastruktur mit rund 100 Millionen Euro schon jetzt auf Bundesliga-Tauglichkeit gebracht. Das Ziel, so Ulrich Wolter in einem SPORT BILD-Interview (Ausgabe 19/2013), sei „einen Ost-Leuchtturm zu bauen“. Wolter gegenüber der Zeitschrift: „Wir wollen damit die die bestmögliche Infrastruktur für Talente schaffen, damit eben junge Spieler nicht immer nach Dortmund, Gladbach oder Leverkusen wechseln müssen, um sich zu entwickeln.“

Kommentare (2)

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Eiven

27.07.2013, 16:55 Uhr

Tradition ist nicht das Problem von RBL. Was FAN´s verstimmt ist das die durch Mitglieder geführten Vereine so keine Faire Chance mehr haben. Financial Fairplay ist durch dem Verein in der Liga einfach nicht gegeben. Wenn Herr Mateschitz dieses Projekt so gut findet kann er gern mit Hoffenheim, Wolfsburg, Leverkusen, Ingolstadt zusammen eine Liga gründen. Die RBL Fans selbst gehen sicherlich auch lieber zu spielen gegen Hamburg als gegen Wolfsburg.

LOK1966

02.08.2013, 12:06 Uhr

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