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09.01.2014

13:20 Uhr

Reaktionen in England

„Hitz out“ als Pioniertat

VonMatthias Thibaut

Das Mutterland des Fußballs lobt Thomas Hitzlspergers „übermenschliche Tapferkeit“, selbst Premier David Cameron drückt seine Bewunderung aus. Doch der Kampf gegen Homophobie im Sport hat gerade erst begonnen.

Videobotschaft

Hitzlsperger outet sich öffentlich als schwul

Videobotschaft : Hitzlspergers Outing im Video

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London„Aber wo bleibt David Cameron? Er ist doch Aston-Villa-Fan“, witzelte Thomas Hitzlsperger, als ihn der „Guardian“ im Interview auf die Flut von guten Wünschen hinwies, die sein Coming-out auch in England begleitete.

Der ließ sich nicht lange bitten und twitterte am Mittwochabend: „Ich habe immer bewundert, was Thomas Hitzlsperger auf dem Feld geleistet hat – aber heute bewundere ich ihn noch mehr“, so der britische Premier.

Auch die Parteichefs Nick Clegg (Liberdaldemokraten) und Ed Miliband (Labour) waren unter denen, die den Mut des Fußballers rühmten, eines der letzten Tabus im Fußball zu brechen. Über die Sportseiten hinaus befassten sich Leitartikel in den Zeitungen mit dem Thema „Hitz out“.

Die „Sun“ nennt ihn einen Sieger, räumt aber ein, dass es „übermenschlicher Tapferkeit bedürfe, sich als Homosexueller zu outen, so lange man noch in der Premier League spielt“. Ähnliches moniert der

„Guardian“: Während der geringste rassistische Zwischenruf eines Fans von den Rängen eines Fußballspiels heute in England scharf geahndet werde, brauche es noch lange, bis Schiedsrichter Spottrufe wie „Queers and faggots“ so scharf ahnden würden.

Was allen auffiel: Offiziell gibt es unter den rund 5000 professionellen Fußballern im englischen Fußball keinen einzigen Schwulen – trotz nicht unbeträchtlicher offizieller Anstrengungen. Es gibt ein „Gay Football Supporters’ Network“, in dem sich schwule Fans organisiert haben, um Homophobie im Fußball zu bekämpfen.

Ihr Vorsitzender, Chris Basiurski, begrüßte Hitzlspergers Entscheidung. „Sie zeigt, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind beim Schaffen einer Atmosphäre, in der Spieler aller Klassen sich outen können, wenn sie es wollen, sicher und ohne Diskriminierung“.

„Kick it Out“, die Kampagne gegen den hartnäckigen Rassismus der Fans gegen schwarze und asiatische Spieler in Großbritannien, hat sich inzwischen auch der Homophobie angenommen. „Stonewall“, eine Organisation, die sich für Gleichberechtigung von Homosexuellen einsetzt, legte 2009 einen Bericht zur Homophobie im Fußball vor.

Während nur zehn Prozent der befragten Fans Rassismus für ein Problem im Fußball hielten, gab ein Viertel der Fans zu, dass es im englischen Fußball massive Vorurteile gegen Homosexualität gibt.  „Wenn Fußballer als schwul gelten, werden sie weniger respektiert und von den Fans und Spielern der gegnerischen Teams attackiert“, erklärte Alex, ein Sheffield-Wednesday-Anhänger.

Kommentare (11)

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Pioneer

09.01.2014, 15:05 Uhr

In der Tat eine grandiose Pioniertat. Pulitzerpreisverdächtig. Das interessiert uns alle brennend, endlich eine gehaltvolle Meldung in diesem Winterloch!

Er wird demnächst sicherlich ein Buch auf den Markt bringen und bedankt sich schon jetzt für den Rummel der Medien.

Wenn schon nur unterdurchschnittlicher Fußballer, dann jetzt wenigsten noch mal der ganz große Hype als Schwuler.

Danke Handelsblatt!!!

Hitz

09.01.2014, 15:23 Uhr

Hey Pioneer,
zu deinem Zitat
[[.. Wenn schon nur unterdurchschnittlicher Fußballer, dann jetzt wenigsten noch mal der ganz große Hype als Schwuler...]

So unterdurchschnittlich kann er ja nicht gewesen sein (über 50x Nationalmannschaft und 10 Jahre lang in Europas Spitzenliga (Aston, Everton, Rom, Stuttgart, Wolfsburg). Bist wohl neidisch...

Slowhand

09.01.2014, 15:33 Uhr

Ich verstehe diesen Hype auch nicht.
Die übermenschliche Tapferkeit wäre doch gewesen, wenn er sich in der aktiven Spielzeit geoutet hätte, wo er noch mit den anderen Spielern gemeinsam unter der Dusche gestanden hat. Das wäre auch dumm von ihm gewesen sich vorher zu outen.
Schliesslich wird es ihm nicht ausgesprochen unangenehm gewesen sein, beim Anblick schöner Männerkörper.
Wenn ich mir aussuchen könnte ob ich mit 10 Männern oder 10 Frauen duschen möchte, hätte ich mich entsprechend meiner sexuellen Veranlagung natürlich für die Frauen entschieden.
Von darher ist Herr Hitzelperger kein mutiger Held, sondern eher ein stiller Genießer.

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