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02.08.2016

20:41 Uhr

Rekordsummen für neue Spieler

Eskalation am Transfermarkt

VonDavid Sauer

BVB-Trainer Tuchel sagt, der Transfermarkt sei außer Kontrolle. Tatsächlich fließen jeden Sommer Millionenbeträge, das Preisniveau steigt unaufhörlich. Das ist Inflation – und dem Wirtschaftsmodell der Klubs geschuldet.

Thomas Tuchel kritisiert die Verhältnisse, die sein Verein selbst schafft. Und die in ihrer Entwicklung nur konsequent sind. Reuters

Wahnsinn am Transfermarkt?

Thomas Tuchel kritisiert die Verhältnisse, die sein Verein selbst schafft. Und die in ihrer Entwicklung nur konsequent sind.

DüsseldorfNoch gut drei Wochen, bis der Ball in der Bundesliga wieder rollt. Das Transferfenster in Deutschland ist sogar noch bis Ende August geöffnet. So lange können die Klubs am Kader feilen – auch, wenn sie in diesem Sommer schon äußerst umtriebig waren. Gut 450 Millionen Euro haben die 18 Teams der Bundesliga in dieser Transferperiode ausgegeben, für das Sommerfenster allein betrachtet ein Rekord.

Im Vergleich zu den englischen Mannschaften waren die deutschen aber geradezu sparsam, dort flossen 656 Millionen Euro in Transfers. Unter anderem wieder in die deutsche Beletage, die 420 Millionen Euro Transfererlöse zu verzeichnen hat. Auch durch den Wechsel von Leroy Sané zu Manchester City, der dem FC Schalke kolportierte 48 Millionen Euro einbringt. Mit Bonuszahlungen könnte der 20-jährige Nationalspieler damit Mesut Özil als teuersten deutschen Profi überhaupt ablösen.

Das ist keinesfalls eine Momentaufnahme. Es gibt zwar nicht jeden Sommer neue Transferrekorde, das Gesamtvolumen der bewegten Gelder in Europa steigt jedoch an. Und damit auch die Summen, die in einzelne Spieler gesteckt werden. Allein die Bundesliga wurden in dieser und der vergangenen Saison rund eine Milliarde Euro für Spieler sowohl ausgegeben als auch eingenommen. Was treibt die Preise, wer profitiert von der Geldflut? Und wie kann die Bundesliga in dem zunehmenden Wettbewerbsdruck langfristig bestehen?

BVB-Trainer Thomas Tuchel kritisierte zuletzt die Preisentwicklung auf dem Transfermarkt. Der Markt sei verrückt, die Preise außer Kontrolle. „Das ist nicht gesund“, so Tuchel im Lichte der jüngsten Transfersummen. „Da ist kein Bezug mehr zu den Leuten, die in das Stadion kommen.“ Er fügt noch den Appell an seine Zunft an, man müsse aufpassen, „dass wir diese Menschen nicht verlieren."

Doch auch Dortmund und Trainer Tuchel haben sich dem neuen Geldkarussell angeschlossen. Der BVB ist ein börsennotiertes Unternehmen, was 2015 einen Umsatz von 276 Millionen Euro erzielte. Mehr als 200 Millionen Euro wurden beim BVB allein in der aktuellen Transferperiode bereits bewegt. Allein für die Abgänge von Mkhitaryan und Gündogan flossen 69 Millionen aus den Kassen von Manchester United und Stadtrivale City an die Dortmunder.

Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Die Angebote aus England waren zu gut, um sie abzulehnen. Im Gegenzug gönnte Dortmund sich Heimkehrer Götze für 26 Millionen. Die 30 Millionen Euro, die die Dortmunder für Sturm-Neuzugang Andre Schürrle bezahlten, halten nicht wenige für überzogen. Doch das sind die Mechanismen der Wirtschaft.

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Borussia Dortmund investiert viel in die Rückkehr verlorener Söhne. Jetzt wird auch André Schürrle aus Wolfsburg losgeeist – trotz wenig überzeugender Auftritte. Dahinter steckt ein logisches, aber risikoreiches Konzept.

Für viele Spieler war die Europameisterschaft die ideale Plattform, ihren Marktwert zu steigern. Renato Sanches etwa, der nun für 35 Millionen Euro von Benfica Lissabon zum FC Bayern wechselte, wurde als bester Nachwuchsspieler des Turniers ausgezeichnet. Der 18-Jährige gewann mit seinen Portugiesen unerwartet den Titel und wäre im aktuellen Marktumfeld wohl noch mal deutlich teurer geworden.

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