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10.05.2012

22:23 Uhr

Relegation

Düsseldorf stößt Tor zur ersten Liga weit auf

Mit einem 2:1-Auswärtssieg in Berlin ist Fortuna Düsseldorf dem Aufstieg in die Bundesliga einen wichtigen Schritt näher gekommen. Zum entscheidenden Showdown kommt es am Dienstag im Rückspiel in Düsseldorf.

Trainer Norbert Meier bejubelt mit seinen Spielern ein Tor. dpa

Trainer Norbert Meier bejubelt mit seinen Spielern ein Tor.

BerlinFortuna Düsseldorf steht nach 15 Jahren kurz vor der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga - Hertha BSC droht dagegen nach nur einer Saison wieder der Sturz in die Zweitklassigkeit. Nach einem 2:1 (0:1)-Sieg im Relegationshinspiel kann die Fortuna am Dienstag im eigenen Stadion den Aufstieg perfekt machen. Vor 68 041 Zuschauern im Berliner Olympiastadion drehten die Düsseldorfer am Donnerstag mit viel Elan und Einsatz einen 0:1-Rückstand durch den Treffer von Thomas Bröker (64. Minute) und ein Eigentor von Adrian Ramos (71.). Die Rettungs-Mission von Otto Rehhagel in Berlin kann trotz der 1:0-Führung durch Roman Hubnik (19.) nur noch durch ein Wunder gelingen.

Obwohl Hertha nach einem zögerlichen Start lange spielbestimmend war, müssen die Berliner damit in Rehhagels 833. Bundesligapartie als Trainer unbedingt gewinnen, um den sechsten Abstieg zu verhindern. Sollte dies misslingen, dürfte der in Düsseldorf geborene Hertha- Manager Michael Preetz in der Hauptstadt weiter unter Druck geraten.

Die bisherigen Relegationsspiele seit 1982

Historie

Erstmals eingeführt wurden die Relegationsspiele zwischen dem Tabellen-16. oder Drittletzten der 1. Fußball-Bundesliga und dem Drittplatzierten der 2. Fußball-Bundesliga 1982. Die Auswärtstorregel galt damals nicht, bei Gleichstand nach zwei Partien kam es zu einem Entscheidungsspiel.

Nach der zehnten Auflage war ab 1992 erst mal wieder Schluss mit dieser Regelung, es gab wieder ausschließlich direkte Ab- und Aufsteiger. Ab der Saison 2008/2009 wurde die Relegation schließlich wieder eingeführt - mit Auswärtstorregel bei Gleichstand nach zwei Spielen und Entscheidung in Verlängerung und Elfmeterschießen im zweiten Spiel.

Im folgenden die Ergebnisse aller Relegationsspiele, der erstgenannte Verein war jeweils der Bundesligist, der Zweitgenannte der Zweitligist. Die Sieger sind jeweils gefettet.

1982

Bayer 04 Leverkusen - Kickers Offenbach 1:0/2:1 (Hinspiel/Rückspiel)

1983

FC Schalke 04 - Bayer Uerdingen 1:3/1:1

1984

Eintracht Frankfurt - MSV Duisburg 5:0/1:1

1985

Arminia Bielefeld - 1. FC Saarbrücken 0:2/1:1

1986

Borussia Dortmund - Fortuna Köln 0:2/3:1/8:0 (Hin-/Rück-/Entscheidungsspiel)

1987

FC Homburg - FC St. Pauli 3:1/1:2

1988

SV Waldhof Mannheim - Darmstadt 98 2:3/2:1/0:0 - 5:4 i.E.

1989

Eintracht Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 2:0/1:2

1990

VfL Bochum - 1. FC Saarbrücken 1:0/1:1

1991

FC St. Pauli - Stuttgarter Kickers 1:1/1:1/1:3

2009

Energie Cottbus - 1. FC Nürnberg 0:3/0:2

2010

1. FC Nürnberg - FC Augsburg 1:0/2:0

2011

Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 1:0/1:1

Einen „kurzen Moment des Durchatmens“ (Preetz) hatten sich die Berliner nach dem Sprung auf Platz 16 am letzten Bundesliga-Spieltag gegönnt. Im ersten Relegations-Showdown ließ Düsseldorf dem klassenhöheren Team zunächst gar keine Möglichkeit zum Luftholen. Ohne Ehrfurcht überbrückte Fortuna in der ersten Viertelstunde frech das Mittelfeld und spielte die ersten Chancen heraus. Hertha-Torwart Thomas Kraft rettete gegen Andreas Lambertz (10.), der Kopfball von Adam Bodzek strich eine Minute später nur knapp am Pfosten vorbei.

Den Berlinern war in der Anfangsphase deutlich anzumerken, was für den Club auf dem Spiel steht. Im Fall des Abstiegs würde sich der Gesamt-Etat von 60 auf 32 Millionen Euro verringern, die Personalkosten müssten von derzeit 25 Millionen halbiert werden.

Angepeitscht von den Heim-Fans entwickelte Hertha langsam den Mut für eigene Vorstöße - und nutzte die erste Chance zur Führung. Nach einer Ecke von Änis Ben-Hatira setzte sich Hubnik im Kopfballduell mit Bröker durch und ließ Fortuna-Mittelfeldspieler Ken Ilsö auf der Linie keine Abwehrchance. Befreit sprang der in der Kritik stehende Preetz von der Bank auf, während Rehhagel das 1:0 mit aller Routine zur Kenntnis nahm.

Durch den unglücklichen Rückstand verloren die Düsseldorfer die Sicherheit im Spiel, Hertha konnte die Räume bis zur Pause aber nicht nutzen. Nach einem Patzer von Oliver Fink kam Lewan Kobiaschwili zum Schuss, sein schwacher Versuch aus 17 Metern bereitete Fortuna-Schlussmann Michael Ratajczak keine Probleme.

Hertha BSC Berlin

Erfolge

Zweimal Deutscher Meister (1930 und 1931), fünfmal Vizemeister (1926, 1927, 1928, 1929, 1975), dreimal im Finale des Deutschen Pokals (1977, 1979, 1993 - 2. Mannschaft), zweimal DFB-Pokalsieger (2001 und 2002), einmal Ligapokal-Finalist (2000).

Rekord I

Hertha BSC Berlin hält die längste Serie an nicht gewonnenen Heimspielen in der Bundesliga. 2010 gewannen die Berliner 17. Mal zuhause hintereinander.

Rekord II

Außerdem kamen in der beim Spiel gegen den FC Augsburg mit 77.116 Zuschauern niemals mehr Zuschauer zu einem Zweitliga-Spiel (eingleisig). Hertha BSC übertraf damit den eigenen Rekord von 1997 (75.000
Zuschauer gegen den 1. FC Kaiserslautern)

Musik

Frank Zander schrieb 1993 und sang das Vereinslied „Nur Nach Hause (geh'n wir nicht)“, das vor und nach jedem Heimspiel von Hertha BSC gespielt wird. Geschrieben hatte er es ursprünglich für die Amateure.

Daten

Gegründet am 25. Juli 1892, Vereinsfarben Blau-Weiß, Austragungsort Olympiastadion mit 74.244 Plätzen.

In der zweiten Halbzeit scheiterte Herthas einzige Spitze Adrian Ramos, der Pierre-Michel Lasogga (Kreuzbandriss) ersetzte, zunächst kläglich per Kopf aus fünf Metern (58.). Lambertz lieferte nach einer Stunde mit einem Schuss aus 20 Metern dann das Signal zum Düsseldorfer Aufbruch. Auf dem rechten Flügel nahm es Bröker mit der komplett indisponierten Berliner Verteidigung auf, ließ drei Gegenspieler stehen und schob den Ball an Kraft vorbei an den Innenpfosten der kurzen Ecke.

Sieben Minuten später wurde es noch bitterer für Hertha: Einen Freistoß von Ilsö lenkte Ramos unbedrängt mit dem Kopf ins eigene Tor. Das Spiegelbild der regulären Saison mit 64 Gegentreffern und zahlreichen peinlichen Auftritten war perfekt - auch wenn Ronny (88.) kurz vor Schluss nur den Pfosten traf.

Von

dpa

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