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15.05.2012

17:14 Uhr

Relegation Fortuna vs. Hertha

Das Spiel um alles oder nichts

VonStefan Merx, Frederic Spohr

Beim Relegationsduell zwischen Düsseldorf und Berlin entscheidet sich heute, wer den freien Platz in der 1. Liga einnehmen darf. Hertha drohen beim Abstieg wirtschaftliche Einbußen, Fortuna hofft auf einen Umsatzschub.

Relegations-Hinspiel Berlin gegen Düsseldorf: Die Rheinländer hoffen auf den beim Aufstieg üblichen Umsatzschub von 75 Prozent.Das Foto zeigt Adrian Ramos (l) und Düsseldorfs Oliver Fink. dpa

Relegations-Hinspiel Berlin gegen Düsseldorf: Die Rheinländer hoffen auf den beim Aufstieg üblichen Umsatzschub von 75 Prozent.

Das Foto zeigt Adrian Ramos (l) und Düsseldorfs Oliver Fink.

DüsseldorfWenn heute die Düsseldorfer Fortuna um 20.30 Uhr gegen die Hertha aus Berlin auf den Platz tritt, geht es aus Sicht der Vereinsanhänger um alles oder nichts: Kommen die Fortunen nach 15 Jahren wieder in die Fußball-Eliteliga - und stoßen sie damit die alte Dame Hertha zum sechsten Mal in die Zweitklassigkeit? „Es geht eben ums Ganze“, sagt Herthas Verteidiger Christian Lell, der sich beim Sonntagstraining mit einem Mitspieler fast geprügelt hätte. Hertha muss einen 2:1-Rückstand aus dem Hinspiel wettmachen, um weiter erstklassig spielen zu dürfen. Die Esprit Arena wird ihr bisher heißestes Spiel erleben: einen Hexenkessel.

Blanke Nerven sind eine garantierte Begleiterscheinung – denn auch finanziell steht für jeden beteiligen Spieler, Klubfunktionär und Sponsor viel auf dem Spiel. Zwischen der ersten und zweiten Bundesliga klafft eine gewaltige Lücke. „Im Schnitt gehen mit dem Aufstieg in die Eliteliga Umsatzverbesserungen von 75 Prozent einher, während ein Abstieg Einbußen von rund 40 Prozent bedeutet“, sagt Andreas Ullmann, Senior-Berater der Kölner Sponsoringberatung Sport+Markt.

Die bisherigen Relegationsspiele seit 1982

Historie

Erstmals eingeführt wurden die Relegationsspiele zwischen dem Tabellen-16. oder Drittletzten der 1. Fußball-Bundesliga und dem Drittplatzierten der 2. Fußball-Bundesliga 1982. Die Auswärtstorregel galt damals nicht, bei Gleichstand nach zwei Partien kam es zu einem Entscheidungsspiel.

Nach der zehnten Auflage war ab 1992 erst mal wieder Schluss mit dieser Regelung, es gab wieder ausschließlich direkte Ab- und Aufsteiger. Ab der Saison 2008/2009 wurde die Relegation schließlich wieder eingeführt - mit Auswärtstorregel bei Gleichstand nach zwei Spielen und Entscheidung in Verlängerung und Elfmeterschießen im zweiten Spiel.

Im folgenden die Ergebnisse aller Relegationsspiele, der erstgenannte Verein war jeweils der Bundesligist, der Zweitgenannte der Zweitligist. Die Sieger sind jeweils gefettet.

1982

Bayer 04 Leverkusen - Kickers Offenbach 1:0/2:1 (Hinspiel/Rückspiel)

1983

FC Schalke 04 - Bayer Uerdingen 1:3/1:1

1984

Eintracht Frankfurt - MSV Duisburg 5:0/1:1

1985

Arminia Bielefeld - 1. FC Saarbrücken 0:2/1:1

1986

Borussia Dortmund - Fortuna Köln 0:2/3:1/8:0 (Hin-/Rück-/Entscheidungsspiel)

1987

FC Homburg - FC St. Pauli 3:1/1:2

1988

SV Waldhof Mannheim - Darmstadt 98 2:3/2:1/0:0 - 5:4 i.E.

1989

Eintracht Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 2:0/1:2

1990

VfL Bochum - 1. FC Saarbrücken 1:0/1:1

1991

FC St. Pauli - Stuttgarter Kickers 1:1/1:1/1:3

2009

Energie Cottbus - 1. FC Nürnberg 0:3/0:2

2010

1. FC Nürnberg - FC Augsburg 1:0/2:0

2011

Borussia Mönchengladbach - VfL Bochum 1:0/1:1

Zwar ist die zweite Bundesliga rein umsatztechnisch die siebtstärkste Liga im europäischen Fußball. Doch dort mitmischen möchte niemand: Der Umsatzrückgang im Abstiegsfall betrifft alle Einnahmekategorien. So sinken nach Sport+Markt-Beobachtungen die Sponsoringeinnahmen um 40 Prozent, der Zuschauerschnitt bröckelt erfahrungsgemäß um 20 Prozent – und das, obwohl die Tickets um zwölf Prozent billiger werden. Am meisten schmerzen allerdings die abschmelzenden TV-Einnahmen: Sie sinken um rund 55 Prozent.

Bei der Hertha führt das Abstiegsszenario zu ersten Auflösungserscheinungen. Der Fahrstuhlklub könnte einen neuerlichen Abstieg womöglich nicht gut wegstecken, mutmaßte unlängst Andreas Schmidt, Vize-Aufsichtsratschef bei Hertha: „Im Zweifel muss man sich auf mehrere Jahre in der zweiten Liga einstellen. Sicherlich kann man Glück haben, aber bei diesem Etat könnte man im Abstiegsfall ein grauer Zweitligist bleiben“, sagte er dem TV-Sender Sky. Den Klub drückt ein Schuldenberg von 37,5 Millionen Euro.

Die Gretchenfrage ist stets: Welches Risiko geht ein Absteiger ein, um sofort wieder hochzukommen? „Die finanziellen Möglichkeiten, um den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen, sind nicht vorhanden“, sagt der Herthaner Schmidt – und dämpft damit die Hoffnungen der Hauptstadtfans. Anders Köln und Kaiserslautern: Von beiden Klubs, die bereits sicher abgestiegen sind, sind deutliche Signale zu hören, die Brechstange rauszuholen. Wenigstens einmal. So sagt der Sprecher des 1. FC Kaiserslautern Christian Gruber: „Unser Ziel lautet Wiederaufstieg, wir werden aber nicht die Zukunft des Vereins aufs Spiel setzen und überhöhte oder unkalkulierbare Risiken gehen.“

Kommentare (1)

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15.05.2012, 22:13 Uhr

"Steigt Düsseldorf auf oder Berlin ab?"

Keines von beidem oder aber beides.

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